Wirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel Hauptversammlung: BASF glänzt zu Bocks Abschied

Finanzvorstand Hans Ulrich Engel (links) ist neuer Vizechef der BASF, die nun von Martin Brudermüller (rechts) geführt wird.
Finanzvorstand Hans Ulrich Engel (links) ist neuer Vizechef der BASF, die nun von Martin Brudermüller (rechts) geführt wird.

Konzern mit gutem Start ins Jahr – Brudermüller übernimmt – Ruhiger Verlauf

Viel Lob für die wirtschaftliche Entwicklung des Ludwigshafener Chemiekonzerns BASF und kritische Anmerkungen von Aktionärssprechern zur Entwicklung von Dividende, Aktienkurs und Verantwortung in der Lieferkette gab es gestern auf der Hauptversammlung mit knapp 6000 Aktionären in Mannheim. Der BASF gelang trotz eines währungsbedingten leichten Umsatzrückgangs ein guter Start ins Jahr. Mit Ablauf der Hauptversammlung schied der Vorstandsvorsitzende Kurt Bock (59) planmäßig aus dem Amt. Der Betriebswirt Bock, der die BASF sieben Jahre lang lenkte, soll in zwei Jahren den Vorsitz des Aufsichtsrats übernehmen, den derzeit der frühere Konzernchef Jürgen Hambrecht (71) innehat. Neuer BASF-Chef ist der Chemiker Martin Brudermüller, der heute 57 Jahre alt wird und bisher stellvertretender Vorstandsvorsitzender war. Neuer Vizechef wurde Finanzvorstand Hans-Ulrich Engel (59).

Erfreuliches erstes Quartal

Das erste Quartal 2018 sei erfreulich verlaufen, sagte Bock bei seiner letzten Hauptversammlungsrede als Konzernchef. Der Betriebsgewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg gegenüber der gleichen Vorjahreszeit um 3 Prozent, obwohl der Umsatz wegen der starken Kursgewinne des Euro gegenüber anderen Währungen – vor allem gegenüber dem Dollar – um 1 Prozent auf 16,6 Milliarden Euro gesunken ist. Die Währungseffekte drückten den Umsatz in Euro um 8 Prozent. Dem standen positive Einflüsse auf den Umsatz durch höhere Verkaufspreise (plus 5 Prozent) und gestiegene Absatzmengen (plus 2 Prozent) gegenüber. Durch das Plus beim Betriebsergebnis bei leicht gesunkenem Umsatz legte die operative Umsatzrendite im ersten Vierteljahr 2018 auf 15 Prozent zu. Unter dem Strich steht in dieser Zeit ein Jahresüberschuss, der um 2 Prozent auf knapp 1,7 Milliarden Euro gesunken ist. Bock sagte, er sei optimistisch für die Zukunft des Unternehmens. Für das laufende Jahr wurde die bisherige Gewinnprognose bestätigt, wonach ein leichtes Umsatzwachstum und ein leichter Rückgang des Betriebsergebnisses erwartet wird. „Das ist anspruchsvoll, denn 2017 war ein sehr gutes Jahr für die BASF“, sagte Bock. Die Dividende je Aktie für 2017 wird um 10 Cent auf 3,10 Euro erhöht.

Appell an Sorgfaltspflicht

Ende März lag die Beschäftigung am BASF-Standort Ludwigshafen und im Ludwigshafener Stammwerk leicht unter dem Stand von Ende 2017, aber höher als vor zwölf Monaten. Dem Standort Ludwigshafen rechnet das Unternehmen neben der BASF SE, also dem Stammwerk, weitere Gruppengesellschaften in der Region zu – zum Beispiel die südhessische BASF-Lampertheim GmbH mit 800 Beschäftigten. Mit 39.234 Mitarbeitern lag die Beschäftigung am Standort Ludwigshafen Ende März 2018 um 272 höher als vor zwölf Monaten. Im Stammwerk gab es in dieser Zeit ein Plus von 108 auf 34.870 Jobs. Der südafrikanische Bischof Jo Seoka, der zum vierten Mal auf einer BASF-Hauptversammlung auftrat, appellierte erneut an die Sorgfaltspflicht der BASF in ihrer Lieferkette. 2012 kam es an der Platinmine des Lonmin-Konzerns im südafrikanischen Marikana zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen streikenden Lonmin-Mitarbeitern und Polizeikräften, bei der viele Streikende erschossen wurden.

Zahlungen für Fonds gefordert

Seither fordert Seoka von der BASF, die einer der größten Lonmin-Kunden ist, die Finanzierung eines Unterstützungsfonds für die Hinterbliebenen der Opfer und Einsatz für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Lonmin-Mitarbeiter. Es sei ein Skandal, dass diejenigen, die eines der wertvollsten Metalle der Welt förderten, in Slums leben müssten. Bock sagte dazu, die BASF halte sich an internationale Standards, werde aber nicht in einen Fonds einzahlen. Ziel sei es, den Lieferanten Lonmin, dessen finanzielle Situation nicht gut sei und der möglicherweise von einem anderen Unternehmen übernommen werde, weiterzuentwickeln. Wenn die BASF die Geschäftsbeziehungen beenden würde, dann würde die Mine geschlossen und die Arbeitsplätze wären weg.

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