Auto-Test
Genesis GV80: Edle Sänfte aus Fernost
Die koreanische Edelmarke aus dem Konzern, in dem auch Hyundai und Kia daheim sind, ist erst seit zwei Jahren auf dem deutschen Markt. Designer Luc Donckerwolke, zuvor bei Bentley tätig, hat den britischen Luxus nicht vergessen, so dass Genesis-Modelle an das dortige Antlitz erinnern – aufgrund des großen Gittergrills und des Markenzeichens. Mit fast fünf Metern Außenlänge lässt sich dank guter Übersichtlichkeit und vieler Fahrhilfen leben, aber fast zwei Meter Breite machen das Fahrzeug innerorts eher zum Problem.
Wie fühlt man sich in diesem Auto?
Steigt man bei Dämmerung oder im Dunkeln ein, dann wirkt das farblich wählbare Ambientelicht stimmungsvoll. Das Raumgefühl ist großzügig. In der ersten und zweiten Reihe befinden sich wuchtige Mittelkonsolen. Vier Personen reisen fürstlich, die beiden in Reihe Nr. 3 müssen gelenkig sein, um auf ihre Plätze zu gelangen. Mit Hilfe von Schaltern im Heck lassen sich die vier Fond-Sitze elektrisch aufstellen und zusammenfalten – je nach Bedarf. Hier klemmt nichts und muss sich niemand verrenken: Luxus pur. Ein 1680 Euro teures Glasdach bringt Licht von oben in den ansonsten dunkel gehaltenen Innenraum.
Welchen Antrieb hat das Auto?
Der Testwagen hatte einen Dieselmotor mit drei Litern Hubraum und sechs Zylindern in Reihe unter der langen Haube, einen Klassiker, wenn es um Wagen dieser Größe und mit Allradantrieb geht: laufruhig, durchzugsstark, wirtschaftlich. Hier sind schon leer 1,9 Tonnen zu bewegen, was – im Test beladen – mit glatten acht Litern pro 100 Kilometer gelang, einen halben Liter unter der WLTP-Norm. Eine Reichweite von einer Zapfsäule zur anderen von 1000 Kilometer ist angesichts des 80-Liter-Tanks kein Traum. Die Kraftübertragung auf die gewaltigen 22-Zoll-Räder übernimmt eine achtstufige Wandlerautomatik. Deren Fahrtrichtungen werden ebenso wie die Allradprogramme von Drehschaltern auf der Mittelkonsole gesteuert.
Was bietet dieses Auto?
Was früher die Langversion einer Limousine war, scheint heute das große SUV-Modell zu sein: ein Wagen, in dem man sich gern auch in Reihe 2 von A nach B chauffieren lässt. Eigene berührungsempfindliche Bildschirme, Sitzheizung und elektrische Rollos für die Seitenscheiben sind nur einige der Annehmlichkeiten im Fond der südkoreanischen Edel-Sänfte.
Das „Fahrpersonal“ geht derweil im Genesis GV80 nicht leer aus: Massage-Programme, die ihren Namen verdienen, sowie eine Art Gegensprechanlage für verständliche Unterhaltungen mit den Menschen im Fond sorgen unterwegs für entspannte Atmosphäre.
Wie nutzt man es am besten?
In den engen Innenstädten Europas wirkt der GV80 – wie alle übergroßen SUV – wie ein aus der Zeit gefallener Fremdkörper. Auf Langstrecke allerdings weiß er zu gefallen. Cleveres Detail: Das Auto nutzt die im Navi hinterlegten Daten, um kurz vor jedem Tunnel die Umluft-Funktion der Klimaanlage zu aktivieren.
Genesis-Händler gibt’s übrigens bisher nicht. Über www.genesis.com wird einem das Wunschauto zu einer Probefahrt ins Haus gebracht – und der Handel wird dann gegebenenfalls abgeschlossen. Ein persönlicher Assistent liefert und holt später den Wagen zur Inspektion ab. Das soll sich ab 2024 ändern, weil die Kundschaft in Deutschland, wie es heißt, den persönlichen Kontakt mit der Werkstatt schätzt.
PLUS UND MINUS
Wirtschaftlicher und durchzugsstarker Dieselmotor, viel Platz und Luxus im Innenraum. – Unhandliche Überbreite.
Autogramm
Genesis GV80 3.0D 4WD Luxury Plus
Typ: Sechssitzer; Preis: 83.350 Euro; Länge: 4,95 Meter; Breite: 1,98 Meter; Höhe: 1,72 Meter; Radstand: 2,96 Meter; Leergewicht: 1920 kg; Zuladung: 705 kg; Kofferraum (als Viersitzer): 727 Liter; Sitze: sechs; Tankinhalt: 80 Liter; Motor: Diesel-Sechszylinder; Hubraum: 2996 ccm; max. Leistung: 278 PS/204 kW bei 3800 U/min; max. Drehmoment: 588 Nm bei 1500–3000 U/min; Getriebe: Achtstufen-Automatik; Spitze: 230 km/h; 0 auf 100 km/h: 6,8 Sekunden; Normverbrauch/WLTP: 8,5 Liter Diesel, CO2: 220 g/km, Testverbrauch: 8,0 Liter pro 100 Kilometer.