Luftfahrt Flugverkehr in schwieriger Krise

Kondensstreifen gehören zu den klimaschädlichen Faktoren des Flugverkehrs.
Kondensstreifen gehören zu den klimaschädlichen Faktoren des Flugverkehrs.
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Corona-Pandemie und Klimawandel stellen die deutsche Luftfahrt vor riesige Herausforderungen, mit der sich die zweite Nationale Luftfahrtkonferenz am Freitag beschäftigt hat. Die Branche stehe vor einer „umfassenden Transformation“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

In einer gemeinsamen Presseerklärung des Landes Brandenburg, des Bundesverkehrs- und des Bundeswirtschaftsministeriums als Veranstalter hieß es: „Mit Blick auf die jetzt bevorstehende Rückkehr des Luftverkehrs sind sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer einig: Um erfolgreich und nachhaltig aus der Krise hervorzugehen, müssen rechtzeitig die wichtigen technologischen Zukunftsthemen wie Klima- und Umweltschutz und internationale Wettbewerbsfähigkeit in den Fokus gerückt werden.“

Nötig sei die „Freiheit des Fliegens mit einem Konzept für saubereres und klimaneutraleres Fliegen“, sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) im ZDF-„Morgenmagazin“ mit Blick insbesondere auf die Entwicklung neuer Kraftstoffe. Auch seien internationale Regeln nötig für „einen Luftverkehrsbereich, der auch Zukunft hat“ und von deutschen Innovationen aus angeregt werde. Wichtig sei zudem die Flottenerneuerung. Zur Frage, ob der Bund beim Personalabbau bei der Lufthansa angesichts staatlicher Milliardenhilfen für den Konzern nicht intervenieren müsse, sagte Scheuer, dass es wegen der in der Corona-Pandemie eingebrochenen Passagierzahlen ganz klar sei, „dass auch die Luftverkehrswirtschaft und die Airlines sich weiterentwickeln“ und an den „neuen Herausforderungen ausrichten“ müssten.

Verdi: Personalabbau gefährdet Neustart

Im Vorfeld hatten vor allem die Gewerkschaft Verdi und die Vereinigung Cockpit (VC) davor gewarnt, dass ein zunehmender Personalabbau den Neustart gefährden könnte.

Bei der zweiten Nationalen Luftfahrtkonferenz (die erste fand 2019 am Flughafen Leipzig/Halle statt), diskutierten Vertreter aus Politik und Wirtschaft sowie von Verbänden und Gewerkschaften darüber, wie der Branche der Neustart nach der Corona-Krise gelingt. Neben Scheuer und Merkel nahmen auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) an der Veranstaltung teil. Bei einem virtuellen Rundgang informierten die Vorstände von Lufthansa, Airbus und MTU Aero Engines über CO2-neutrales Fliegen. Power-to-Liquid (PtL), aus nachhaltigem Strom hergestellter Kraftstoff, soll künftig ein klimaneutrales Fliegen ermöglichen. Schon heute sei es möglich, jedem Flugzeug „grünes Kerosin“ beizumischen, um den CO2-Ausstoß zu reduzieren, sagte Merkel. Derzeit ließen aber Preise und Menge noch zu wünschen übrig.

Robin Wood: Subventionen für Flugverkehr streichen

Die Umweltschutzorganisation Robin Wood und das Netzwerk Stay Grounded beklagten, dass keine Umweltverbände an der Konferenz beteiligt waren. Anstelle von Mobilitäts-Konzepten, die mit der 1,5 Grad-Grenze des Pariser Klimaschutz-Abkommens vereinbar seien, stünden „die 'Wiederbelebung' der Luftfahrt und illusorische Versprechen wie vermeintlich 'klimaneutrales' Fliegen auf dem Programm“. Robin-Wood-Flugverkehrsreferent Jonas Asal forderte die Regierung auf, „jetzt Subventionen für den Flugverkehr zu streichen, Kurzstreckenflüge zu verbieten, überflüssige Regionalflughäfen zu schließen und echte Alternativen für eine Mobilität der Zukunft zu schaffen“.

Jarzombek fordert bessere Zugverbindungen

Thomas Jarzombek (CDU), Luft- und Raumfahrtkoordinator der Bundesregierung, sagte: „Das Fliegen auf der Kurzstrecke – das geht bis Mallorca – wird deutlich vor 2045 CO2-frei und klimaneutral sein, davon bin überzeugt“. Notwendig seien auch bessere Zugverbindungen. „Man kann relativ schnell 20 Prozent der innerdeutschen Flüge einsparen, indem man die Flughäfen besser an den Fernverkehr anbindet“, sagte Jarzombek besonders mit Blick auf den zweitgrößten deutschen Flughafen bei München. „Das müssen wir deutlich stärker priorisieren. Es muss nicht sofort ein ICE-Bahnhof sein, sondern mindestens ein Regionalexpress, der nonstop vom Hauptbahnhof fährt.“

Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung Thomas Bareiß (CDU) sagte, Ökologie und Klimaschutz spielten auch für viele, die jetzt in Urlaub fahren wollten, eine „große Rolle“.

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