Bahnverkehr RHEINPFALZ Plus Artikel Flixtrain immer häufiger unpünktlich

Neben Problemen mit der Infrastruktur häufen sich bei Flixtrain auch technische Defekte an den Zügen.
Neben Problemen mit der Infrastruktur häufen sich bei Flixtrain auch technische Defekte an den Zügen.

Eine exklusive Auswertung von Zugfinder zeigt: Die grünen Züge haben teils noch mehr Verspätungen als die Deutsche Bahn.

Die Verspätungen von Flixtrain haben seit Jahresbeginn drastisch zugenommen. Zeitweise schafften es fast zwei Drittel der grünen Züge nicht, den Fahrplan halbwegs einzuhalten. Das zeigt eine exklusive Auswertung des Onlineportals Zugfinder für die RHEINPFALZ. Der bisher größte DB-Konkurrent kämpft wie alle Bahnunternehmen mit der Baustellenflut bei der lange vernachlässigten Infrastruktur – aber auch mit eigenen Betriebsproblemen.

Wer pünktlich ans Ziel kommen will, um Termine oder den nächsten Anschlusszug zu erreichen, wird von Flixtrain in den vergangenen Monaten ziemlich oft enttäuscht. „Ich würde jedem Reisenden empfehlen, viel Pufferzeit mitzubringen“, rät Johannes Schubert. Der Datenexperte erfasst mit seinem Portal Zugfinder.net zeitnah die Fahrten und gemeldeten Verspätungen von Fernzügen in Mitteleuropa und wertet die Ergebnisse aus.

Im Januar zu 35 Prozent pünktlich

Die betriebliche Pünktlichkeit von Flixtrain sackte demnach im Januar drastisch auf einen Tiefstand von nur noch gut 35 Prozent ab. Ein Jahr zuvor erreichte die grüne Flotte noch 67 Prozent der Bahnhöfe mit weniger als sechs Minuten Verspätung. Im Februar, März und April lag die Pünktlichkeit nur noch zwischen 54 und gut 56 Prozent, in den Vorjahresmonaten waren es noch zwischen knapp 61 und gut 68 Prozent. In den ersten drei Mai-Wochen sank der Wert auf unter 45 Prozent, ein Jahr zuvor wurden im Mai noch fast zwei Drittel der Stationen halbwegs nach Fahrplan erreicht.

Flix will sich auf Nachfragen nicht zur konkreten Entwicklung äußern. Generell sei die Lage bei der Infrastruktur „sehr angespannt“. Momentan komme es auf mehreren Strecken zu Einschränkungen durch laufende große Baumaßnahmen der DB Infra-Go AG, so auf den Korridoren HamburgKöln und Hamburg–Stuttgart sowie zwischen Berlin und Hamburg wegen der verlängerten Generalsanierung mit Vollsperrungen. Neue Maßnahmen, welche die Netzqualität erhöhen sollen, bewirkten dabei „zuweilen das Gegenteil“, kritisiert Flix.

Die Zugfinder-Ergebnisse zeigen, dass die Flix-Flotte mit noch mehr Verspätungen unterwegs ist als die ICE-Züge der DB AG. Deren betriebliche Pünktlichkeit sackte im Januar auf 52 Prozent ab, stieg zwischen Februar und April von 59 auf 64 Prozent und fiel im Mai wieder auf 61 Prozent. Der Staatskonzern veröffentlicht seine Verspätungen monatlich, anders als der kleinere Konkurrent. Die letzten offiziellen Pünktlichkeitsdaten stammen aus dem Flix-Qualitätsbericht für die beiden Jahre 2023 und 2024, der auf der Homepage zu finden ist. Der jährliche Wert sackte demnach von 74,4 auf 67,7 Prozent ab.

Wenn es um konkrete Verspätungen, Zugausfälle und Betriebsprobleme geht, ist die Presseabteilung von Firmengründer und Chef André Schwämmlein weiterhin wenig mitteilsam. Warum werden keine monatlichen Daten wie bei der DB veröffentlicht? Und wann kommt der nächste Bericht zur Betriebsqualität von Flix? Man halte sich an EU-Vorgaben, teilt die Münchner Zentrale knapp mit. Ein Blick in die EU-Verordnung 2021/782 zeigt, dass Bahnunternehmen spätestens alle zwei Jahre einen Report über ihre Dienstqualität auf ihrer Website veröffentlichen müssen.

Demnach ist der nächsten Flix-Pflichtbericht erst bis zum Stichtag 7. Juni 2027 fällig. Umso interessanter sind die aktuellen Auswertungen von Zugfinder. Schon voriges Jahr schaffte Flixtrain es demnach nur noch im Februar und November, pünktlicher als im schon deutlich verschlechterten Durchschnitt von 2024 zu fahren. Im Dezember wurden gar nur noch gut 57 Prozent der Bahnhöfe mit weniger als sechs Minuten Verspätung erreicht. Insgesamt verschlechterte sich damit voriges Jahr die Zuverlässigkeit weiter.

Datenexperte Schubert hat auch ausgewertet, welche Flix-Verbindungen in diesem Jahr bisher besonders unzuverlässig waren. Der FLX 1807 Hamburg–Köln erreichte demnach bis Mai kaum mehr als ein Drittel der Bahnhöfe mit weniger als sechs Minuten Verspätung. Auch mit FLX 1237 Hamburg–Basel Bad (34,4 Prozent), FLX 1244 Basel Bad–Hamburg (36,7 Prozent), FLX 1243 Hamburg–Stuttgart (38,4 Prozent) und FLX 1247 Hamburg–Leipzig (38,5 Prozent) kommen die Fahrgäste auffällig häufig unpünktlich an.

Eher nach Fahrplan ist der FLX 1235 Berlin–Stuttgart unterwegs, der in diesem Jahr bisher wenigstens 63,4 Prozent der Bahnhöfe halbwegs pünktlich erreicht hat. Zu den noch einigermaßen zuverlässigen Verbindungen zählen auch FLX 1341 Hamburg–Köln (63,1 Prozent), FLX 1234 Leipzig–Hamburg (61,3 Prozent), FLX 1337 Berlin–Basel (56,9 Prozent) und FLX 1321 Köln–Berlin (56,3 Prozent).

Flix betont auf Nachfrage, dass man sich in starkem Wachstum befinde und die Frequenz auf einzelnen Linien deutlich erhöht habe. Im direkten Vergleich von Strecken und Abfahrtszeiten liege man bei Zuverlässigkeit und Passagierpünktlichkeit „im Marktdurchschnitt“. Dafür liefert der Anbieter aber keine eigenen aktuellen Zahlen, obwohl gleichzeitig betont wird, dass die Pünktlichkeit konstant überwacht werde. Fahrgäste können Verspätungen in Echtzeit mit der Flix-App verfolgen.

Berichte über Betriebsprobleme

In der Branche wird von zunehmenden Betriebsproblemen bei Flixtrain berichtet, teils auch von Managementversagen und Schwierigkeiten bei der Koordination des Personals vieler unterschiedlicher Dienstleister für Loks, Zugbesatzung, Reinigung und Instandhaltung. So häuften sich inzwischen technische Defekte bei der grünen Flotte, die bisher ausschließlich aus gebrauchten Zugwaggons besteht, die von der DB ausrangiert wurden und dort im Intercity- und Interregio-Verkehr fuhren.

Erst 2028 sollen die ersten von 65 nagelneuen Hochgeschwindigkeits-Reisezügen starten, die Flix beim spanischen Hersteller Talgo für eine Milliardensumme bestellt hat. Dafür machten die Eigentümer, darunter der schwedische Investmentfonds EQT und die Kühne Holding aus der Schweiz, fast 1 Milliarde Euro Eigenkapital locker.

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