Autozulieferer RHEINPFALZ Plus Artikel Faurecia: Warnstreik wegen Kündigungen

Der ganze Standort sei in Gefahr, befürchten viele Mitarbeiter von Faurecia Hagenbach. Sie protestieren gegen die geplante Entla
Der ganze Standort sei in Gefahr, befürchten viele Mitarbeiter von Faurecia Hagenbach. Sie protestieren gegen die geplante Entlassung der Hälfte der Belegschaft. Bei Faurecia Hagenbach werden unter anderem Innenraumsysteme wie Frontkonsolen (»Armaturenbrett«) entwickelt.

Etwa die Hälfte der Mitarbeiter des Automobilzulieferers Faurecia in Hagenbach soll gehen. Sie kämpfen jetzt auf zwei Ebenen um ihre Zukunft – mittels Sozialplan und mittels Sozialtarifvertrag.

Mit einem Warnstreik wollten am Dienstagvormittag rund 120 Mitarbeiter des Automobilzulieferers Faurecia aus Hagenbach Druck machen. Hintergrund ist die Ankündigung von Faurecia, von 1. Mai an 172 der rund 350 Stellen in Hagenbach abzubauen – auch mittels Kündigungen. Geplant ist offenbar die Verlagerung der Entwicklungsabteilung nach Valencia (Spanien) oder nach Asien. Mit einer Verlagerung werde die Nähe zu den Kunden aufgegeben, mit der Auflösung ganzer Abteilungen gehe ein großer Erfahrungsschatz verloren, so die Argumentation der Arbeitnehmer. Die Beschäftigten in Hagenbach sind Teil eines Verbunds von fünf Standorten: Dazu gehören Hannover (130 Beschäftigte), Mörfelden (6), Köln (12) und München (20).

Der Warnstreik ist möglich, weil die Faurecia-Mitarbeiter in ihrer Auseinandersetzung mit dem Konzern zweigleisig fahren. Nachdem aus ihrer Sicht der Arbeitgeber nicht bereit war, ein Konzept des Betriebsrats für den Erhalt von wenigstens 75 der 172 bedrohten Arbeitsplätze offen zu diskutieren, haben sie sich Mitte Januar für den Arbeitskampf entschieden. Vertreten durch die IG Metall fordern sie nun einen Sozialtarifvertrag.

Mitgliederzuwachs bei der IG-Metall

Damit ein Arbeitskampf Aussicht auf Erfolg hat, müssen aber möglichst viele Mitarbeiter Gewerkschaftsmitglieder sein. „Im Faurecia-Standort Hagenbach sind mittlerweile drei Viertel der Mitarbeiter bei der IG Metall organisiert“, sagt Lange: „Früher waren es deutlich weniger.“ Vor allem viele Angestellte seien hinzugekommen.

Auch an diesem Dienstag ist der Zusammenhalt groß: „Etwa 20 Kollegen demonstrieren mit, obwohl sie eigentlich im Urlaub sind“, freut sich Betriebsrat Udo Häfele. Aber es seien auch schon rund 20 Kollegen mit Abfindungen freiwillig gegangen – vor allem junge, flexible Menschen, die leichter einen neue Arbeit finden. Das Gros der Mitarbeiter im Faurecia-Werk Hagenbach kam aber mit der Gründung des Werks 2003 in den Betrieb, hat sein ganzes Berufsleben dort verbracht. Viele sind aber noch zu jung für die Rente.

Trotz der Bereitschaft zu kämpfen sei die Stimmung im Werk gedrückt, berichtet Häfele. Der Mutterkonzern Forvia hat laut Häfele angekündigt, 10.000 seiner 75.000 Stellen in Europa zu streichen. Faurecia bestätigt dies weitgehend: „Die angegebenen Zahlen sind europaweit zu betrachten, nicht deutschlandweit“, betont eine Sprecherin auf Anfrage der RHEINPFALZ. Allerdings sei lediglich von möglicherweise „bis zu 10.000 Stellen“ die Rede gewesen.

„Heuschrecken“ im Betrieb

Viel Hoffnung konnte vorerst auch Harald Lange nicht machen. Der zweite Bevollmächtigte der IG Metall Südpfalz sitzt mit am Verhandlungstisch und erwartete erst mal keine Fortschritte. Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Karl-Friedrich Wingert berichtete gar, dass in den Schwesterwerken Scheuerfeld und Peine Vertreter von „Heuschrecken“ – Investoren, die Firmen aufkaufen – durch den Betrieb geführt worden sein sollen. Also womöglich der Verkauf der Werke beabsichtigt sei. Faurecia widerspricht dieser Einschätzung: „Derzeit steht kein Verkauf der Werke Peine und Scheuerfeld an“, so eine Unternehmenssprecherin auf Anfrage der RHEINPFALZ.

Noch nicht verhandelt wurde über die Forderungen der IG Metall für einen Sozialtarifvertrag:

– Eine Abfindung von bis zu zwei Monatsgehältern pro Jahr Betriebszugehörigkeit;

– sozialverträgliche Regelungen für ältere Mitarbeiter;

– eine Härtefall-Fonds in Höhe von 1 Million Euro sowie

– ein Fonds für IG-Metall-Mitglieder ebenfalls in Höhe von 1 Million Euro.

Faurecia kommentiert diese Forderungen nicht. „Aktuell stehen wir hier am Anfang der Verhandlungen“, wehrt eine Sprecherin ab.

2022 hat Faurecia für 4 Milliarden Euro den deutschen Lichtspezialisten Hella übernommen; seitdem firmieren beide unter einem Dach mit dem Namen Forvia. Der neue Großkonzern gilt als der siebtgrößte Automobilzulieferer weltweit. Forvia hat rund 150.000 Beschäftigte. In Hagenbach werden unter anderem Innenraumsysteme wie Frontkonsolen („Armaturenbrett“) entwickelt.

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