Rhein-Pfalz-Kreis
Diebstähle auf dem Friedhof: Wie häufig sie sind und was sie für die Angehörigen bedeuten
Von Metalldiebstählen Anfang Mai auf dem Heiligensteiner Friedhof berichtete Bürgermeister Matthias Hoffmann (Grüne) kürzlich im Ortsgemeinderat. Die Polizeiinspektion in Speyer teilt auf Anfrage mit, dass zwei Bronzekreuze von Gräbern gestohlen wurden. Ob es sich um einen Täter handelt, der mehrfach Beute machte, oder um zwei Taten unabhängig voneinander, sei unklar, da sich die möglichen Tatzeiträume überlappen. Ermittelt wurden der Dieb oder die Diebe jedenfalls bislang nicht. Die Hoffnung des Polizeisprechers, dass die Kreuze gefunden werden, ist nicht sehr groß. Er vermutet, dass sie wegen des Metallwerts eingeschmolzen wurden.
Wie häufig es zu solchen Diebstählen kommt, die für die Hinterbliebenen besonders schmerzhaft sind, kann die Polizei nur teilweise sagen. „Gestohlener Grabschmuck beziehungsweise sonstige Metalldiebstähle auf Friedhöfen können in der Polizeilichen Kriminalstatistik nicht gesondert ausgewertet werden“, berichtet das Polizeipräsidium Rheinpfalz auf Anfrage. Etwas konkreter wird die Polizeiinspektion Speyer, wenn es um Fälle aus der Domstadt und dem Umland geht: „Wir hatten im Zeitraum vom 1. Januar 2024 bis zum 27. Mai 2026 insgesamt 16 angezeigte Diebstähle mit der Tatörtlichkeit Friedhof“, sagt ein Polizeisprecher. Auf die Jahre aufgeschlüsselt seien es vier Fälle im Jahr 2024 und jeweils sechs Fälle in den Jahren 2025 und 2026 gewesen. Elf Taten fanden in Speyer, vier in Römerberg und eine Tat in Harthausen statt. Die Zahlen stammten von anderen polizeilichen Systemen als der Kriminalstatistik und können nur als Richtwert angesehen werden, erklärt der Sprecher. „Gegebenenfalls aus verschiedenen Gründen gelöschte Vorgänge sind darin zum Beispiel nicht mehr enthalten. Außerdem handelt es sich nicht nur um Diebstähle an Gräbern, es sind unter anderem auch ein Fahrraddiebstahl und zwei Diebstähle aus einem Gebäude auf einem Friedhof enthalten“, sagt er.
Friedhof ist abgelegen
Ob es im Bereich des Polizeipräsidiums Rheinpfalz Friedhöfe gibt, die besonders gerne von Dieben angesteuert werden, kann die Pressestelle in Ludwigshafen nicht sagen. „Grundsätzlich bieten Friedhöfe, welche besonders abgelegen und wenig frequentiert sind, eine gute Tatgelegenheit. Dies dürfte aber, gerade zur Nachtzeit, für den überwiegenden Teil der Friedhöfe zutreffen“, teilt sie dazu mit. Auch Römerbergs Bürgermeister glaubt, dass der Heiligensteiner Friedhof, der abseits der Wohnbebauung westlich der Bahnlinie liegt, wegen seiner Lage von den Dieben angesteuert wurde.
Beutestücke wie die Bronzekreuze aus Heiligenstein sind laut Polizei typisch: Meist würden sakrale Gegenstände aus Metall, zum Beispiel Bronze, Kupfer oder Messing, aber auch Grabschmuck wie Kreuze, Vasen, Schalen und Lampen entwendet. „Aus unseren Erfahrungen folgt auf den Diebstahl oft eine Verwertungstat“, berichtet das Polizeipräsidium. „Das heißt, dass das Metall beispielsweise eingeschmolzen und weiterverkauft wird. Da man so den Originalzustand verändert, erschwert das die Nachverfolgung erheblich.“
Hin und wieder gelingt es der Polizei, Täter zu fassen: Im Sommer des vergangenen Jahres beobachteten Mitarbeiter der Stadtverwaltung Ludwigshafen einen Mann, der auf dem Friedhof in Mundenheim Grabschmuck stahl. Und im Jahr zuvor konnte die Polizei nach einer Serie von Grabschmuck-Diebstählen in Ludwigshafen, Schifferstadt, Mutterstadt und Dannstadt-Schauernheim einen 36-Jährigen als Täter ermitteln. Er hatte einen Gesamtschaden von rund 600.000 Euro verursacht. Die Frage, ob es sich bei den Tätern eher um Ortsansässige handelt oder um Kriminelle, die von weiter entfernt für die Taten anreisen, beantwortet die Polizei nicht. Bei dem nach der Diebstahlserie gefassten Mann handelte es sich ihren Angaben zufolge um einen rumänischen Staatsbürger.
Auffälliges direkt melden
Die Polizei empfiehlt Betroffenen sowie den Friedhofsverwaltungen insbesondere technische Sicherungsmaßnahmen, beispielsweise das feste Verschrauben oder Verankern von Grabschmuck und sonstigen Wertgegenständen. Zusätzlich könne eine ausreichende Beleuchtung dazu beitragen, Diebstählen vorzubeugen, beispielsweise durch den Einsatz von Bewegungsmeldern. Videoüberwachungssysteme könnten zur Abschreckung von Diebstählen oder Sachbeschädigungen beitragen. „Darüber hinaus kommt der Wachsamkeit von Friedhofsbesuchern eine wichtige Bedeutung zu“, erklärt das Polizeipräsidium. „Verdächtige Personen, Fahrzeuge oder sonstige auffällige Wahrnehmungen sollten umgehend der Polizei gemeldet werden.“ Das empfiehlt auch Bürgermeister Matthias Hoffmann. Er wies im Rat darauf hin, dass die Satzung vorsehe, dass die Friedhöfe durchgehend geöffnet seien. Er glaubt nicht, dass es etwas bringen würde, die Tore abzuschließen. Mauern und Zäune ließen sich trotzdem leicht überwinden. Auch dass Videoüberwachung möglich sei, bezweifelte Hoffmann.
Pfarrer Jens Henning betont, dass ein Friedhof für Christinnen und Christen „nicht einfach ein Ort von Steinen und Dingen, sondern ein heiliger Ort der Erinnerung, der Liebe und der Hoffnung über den Tod hinaus“ ist. „Wenn dort Kreuze oder andere Zeichen von Gräbern gestohlen werden, verletzt das nicht nur Eigentum, sondern auch die Würde der Verstorbenen und die Gefühle der Angehörigen“, findet er. „Als Seelsorger macht mich das traurig. Zugleich hoffe ich, dass unsere Gemeinde gerade jetzt zusammensteht, aufmerksam bleibt und die betroffenen Familien spüren lässt: Ihr seid mit eurer Trauer und Sorge nicht allein.“