Wirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel Energiewende-Report: Ökostrom-Produktion im Verbund

Bis 2020 will die THEE rund 1 Milliarde Euro in Ökostrom-Anlagen investieren.

«Hamburg». Die Gemeindewerke Haßloch und die Stadtwerke Frankenthals, Germersheims, von Pirmasens, Zweibrücken und Kaiserslautern haben etwas gemeinsam: Sie alle sind Gesellschafter des Kommunalversorgers Thüga AG, München. Und sie sind unter jenen 49 der 100 Gesellschafter, denen ihre Tochter Thüga Erneuerbare Energien (THEE) in Hamburg gehört. Profitabeler Teil der Energiewende sein: So könnte man deren Geschäftsmodell zusammenfassen.

Der Vorteil im Verbund: Die GmbH kann für größere Projekte bieten als es die einzelnen Gesellschafter für sich genommen könnten – auch jene aus der Pfalz. Denn die gemeinsame Investitionskraft ist höher. Zudem ist das jeweilige Projektrisiko auf deutlich mehr Schultern verteilt. Die Thüga-Tochter baut auf ihre Weise an der Energiewende mit. Die Gesellschafter erwarten profitables Wachstum. Seit 2015, sagt Geschäftsführer Thomas Walther, habe es in jedem Jahr eine Ausschüttung gegeben. Bis 2020, so lautet die ursprüngliche Zielsetzung, will die 2011 gegründete THEE 1 Milliarde Euro in Ökostromprojekte investieren. Rund die Hälfte der Summe hat der Ökostrom-Spezialist bisher eingesetzt, in bundesweit gut 140 regionale Energieprojekte. Ein großer Teil davon wurde mit Bürgerbeteiligung realisiert, was die Akzeptanz der Windkraft- und Solaranlagen steigert. Seit einigen Jahren akquiriert, plant, baut und betreibt die THEE alle Projekte selbst.

Weiteres Wachstum wohl nicht so rasant

Gut 260 Megawatt (MW) Windkraftanlagen vor allem in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein steuert das auch personell stetig wachsende Unternehmen mit derzeit 23 Mitarbeitern – davon zwölf Projektentwickler – zur Energieerzeugung in Deutschland derzeit bei. Zum Vergleich: Der größte Steinkohleblock der Großkraftwerk Mannheim (GKM) AG hat 911 MW Leistung. Das weitere Wachstum wird wohl nicht so rasant ausfallen wie bisher, was den ursprünglichen Geschäftsplan ins Wanken bringen könnte. Denn: Der Markt sei derzeit schwierig, räumt Geschäftsführer Walther ein. „Große Investoren bewerben sich um Projekte und treiben die Preise hoch.“ Gut für die THEE sei, dass oft nicht allein der Preis darüber entscheide, wer den Zuschlag für neue Standorte bekomme. „Als kommunales Unternehmen sind wir ein verlässlicher Ansprechpartner und bleiben es als Betreiber der Anlagen auch.“ Der Verkauf entwickelter Projekte gehört, anders als etwa bei Versicherungen oder Investment-Gesellschaften, nicht zum Geschäftsmodell der Thüga-Tochter.

Walther: Plaungszeiträume "zu lang"

Zudem spricht Walther von einem Engpass bei den Genehmigungsverfahren. Erschwert werde das Geschäft auch dadurch, dass es zwar vom Grundsatz her überall die gleichen Maßgaben, die durch Bundesgesetze vorgegeben sind, für die Verfahren gebe. Aber die Erfahrung lehre, dass deren Umsetzung von Behörde zu Behörde mitunter unterschiedlich gehandhabt werde. „Es gibt welche, die gehen pragmatisch damit um, andere machen es anders.“ Zudem seien die Planungszeiträume aufgrund der Genehmigungsverfahren mit vier bis fünf Jahren „einfach zu lang“. Dadurch fielen mehrere Hunderttausend Euro pro Projekt allein an Planungskosten an, wodurch sich die Projekte verteuerten. Nicht zuletzt fehle es an der Verlässlichkeit der Politik, die die Rahmenbedingungen für die Energiewende absteckt, und am notwendigen Augenmaß. Als Beispiele nennt Walther den Artenschutz, der manches Projekt infrage stelle oder verhindere.

Tochtergesellschaft für neue Sparte

War die THEE bisher auf Windkraftanlagen spezialisiert, sind seit diesem Jahr auch Solar-Freiflächenanlagen im Portfolio. Für die neue Sparte wurde eine Tochtergesellschaft gegründet. Je 1,5 MW stark sind die zwei Anlagen der THEE Solar GmbH, hinzu kommt ein Batteriespeicher mit fast 5 MW Leistung. Finanziert werden alle Projekte aus Eigenmitteln unter Mithilfe von Fremdkapital, unter anderem der staatlichen Förderbank KfW. Mehrfach beschlossen die Gesellschafter Kapitalerhöhungen. Diese bieten neuen Gesellschaftern die Gelegenheiten für den Einstieg in die Thüga-Tochtergesellschaft. In diesem und im nächsten Jahr bestehe aber keine Notwendigkeit, das Eigenkapital auszuweiten, so Walther.

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