Wirtschaft Diesel-Tauschversuch mit Hindernissen

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Das Stickoxidproblem (NOx) beim Diesel sei nun auf dem Weg der Lösung, sagt die Politik. Diesel-Halter, die ihn für sich beschreiten wollen, landen schnell in Sackgassen. Ein gescheiterter Selbstversuch.

Beim Kauf 2009 war ich stolz auf meinen umweltschonenden BMW-Diesel 118d. Er wurde als eines der ersten Euro-5-Fahrzeuge angeboten. Sein Kohlendioxidausstoß (CO2) lag damals sensationell niedrig. Nur ein befreundeter BMW-Motorenentwickler gab seinerzeit Befremdliches von sich. „Die CO2-Werte sind gut, aber bei Stickoxiden (NOx) sind Euro-5-Motoren bei allen Herstellern oft schlechter als Euro-4-Aggregate,“ meinte er. Was in Fachkreisen vor neun Jahren also offenbar schon herstellerübergreifend bekannt war, dämmert heute auch den Diesel-Besitzern. Weil in der bayerischen Landeshauptstadt München Verwaltungsrichter damit befasst sind, womöglich Diesel-Fahrverbote zu verhängen, wie sie in anderen deutschen Städten bereits existieren, kommt mir die nun politisch moderierte Lösung des Diesel-Problems gelegen. Im Fall meines BMW scheint das einfach. Der bayrische Hersteller verweigert sich jeder Nachrüstung. Also bleibt – falls überhaupt nötig – nur eine Tauschoption für mich übrig. Das denken sich offenbar noch mehr BMW-Besitzer: Das Telefon der Niederlassung ist stundenlang besetzt. Eine Ansage verspricht einen Rückruf. Als der bis Mittag nicht kommt, steige ich in meinen 118d und fahre vor. „Da kennt sich der Verkauf aus“, sagt man in der Werkstatt zu meinem Anliegen. „Da müssen Sie in der Werkstatt fragen“, sagt man im Verkauf. Ich lasse nicht locker. „Sie haben Glück. Sie wohnen in München und sind tauschberechtigt“, sagt der freundliche Verkäufer nach dem Studium meiner Kundendaten. BMW zahlt typunabhängig eine fixe Tauschprämie von 6000 Euro für Neuwagen und 4500 Euro für Gebrauchte. Die Neuwagenpreise zeigen auch nach Abzug des Rabatts schnell, dass diese Variante für mich nicht in Frage kommt. Neben Bezahlbarkeit ist mein Ziel, künftig von eventuellen Fahrverboten ausgenommen zu bleiben. Dazu gibt es ein politisches Versprechen. Es ist an einen Grenzwert von 270 Milligramm NOx je Kilometer geknüpft. Wenn Dieselautos weniger ausstoßen, bleiben sie von Fahrverboten garantiert verschont, versichert die Bundesregierung. Vielleicht muss ich also gar nicht tauschen. Wie viel NOx stößt mein BMW 118d aus? „Das kann ich nicht sagen“, sagt mein BMW-Händler. „Kann man nicht sagen, weil für diesen Grenzwert noch kein Testzyklus definiert wurde“, sagt ein BMW-Sprecher und verweist an das Kraftfahrtbundesamt (KBA). „Dazu sagen wir nichts“, sagt ein KBA-Sprecher und verweist an das Bundesverkehrsministerium. Das nimmt eine Mail zur Anfrage entgegen und verweist auf eine Seite mit Fragen und Antworten zur Diesel-Thematik. Meine Frage ist aufgeführt. „Wie erfahre ich, ob mein Fahrzeug den Grenzwert von 270 mg/km einhält?“, heißt es dort. Die Antwort ernüchtert. „Sobald das Nachweisverfahren festgelegt ist, wird das KBA eine Liste der Fahrzeuge, die einen Grenzwert für NOx von 270 mg/km einhalten, veröffentlichen.“ Den Nachfragen, wann das ungefähr sein könnte oder ob das Nachweisverfahren schon definiert wurde, verweigert sich das KBA kategorisch. Doch so leicht gebe ich nicht auf. Im Internet findet sich eine Liste des Umweltbundesamts (UBA), das NOx-Werte ausweist, und zwar auch für einen BMW 118d Baujahr 2009. Genau genommen sind es sechs Werte gemessen von der eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt. Einer davon liegt mit 177 mg NOx unter der kritischen Grenze. Die anderen zwischen 319 und 1536 mg weit darüber. Die 177 mg seien ein auf dem Rollenprüfstand nach dem inzwischen veralteten Testzyklus mit dem Kürzel NEFZ gemessener Wert, erklärt ein UBA-Sprecher. Die anderen Messwerte seien realitätsnähere Varianten. Welche Variante für den politisch neu festgelegten Grenzwert von 270 mg gilt, wisse das UBA nicht. Passen müssen in diesem Punkt auch der Autofahrerclub ADAC und die Deutsche Umwelthilfe (DUH). Beide verweisen aber darauf, dass – egal welches Prüfverfahren am Ende verwendet wird – der gesamte Altbestand daraufhin auf den NOx-Ausstoß nachgetestet werden müsse und die einschlägigen Prüfkapazitäten derzeit auf zwei Jahre hinweg de facto ausgebucht seien. Als Diesel-Besitzer ist man spätestens jetzt geneigt, sich ins Philosophische zu flüchten: Ich weiß, dass ich nichts weiß und sich das so schnell wohl auch nicht ändern wird. Also auf Verdacht tauschen oder versuchen, unter dem Siegel der Verschwiegenheit wenigstens eine Ahnung vom Wahrscheinlichen zu erhalten? Unter dieser Prämisse redet ein mit der Materie bestens vertrauter Fachmann. „Wenn Ihr BMW 118d Baujahr 2009 einem auch nur annähernd realistischen NOx-Test unterworfen wird, liegt er deutlich über 270 mg je Kilometer“, sagt er. Also tauschen. Aber in welches Fahrzeug? Welcher junge gebrauchte Diesel wäre denn gegen eventuelle Fahrverbote gefeit? Solche mit Euro-6d-temp-Norm, sagen Experten. Die gibt es noch nicht als junge Gebrauchte, sagt mein BMW-Händler. Die billigste verfügbare Lösung wäre ein 1er BMW Benziner 116i. Kostenpunkt: 17.795 Euro abzüglich 4500 Euro Prämie und das, was ich für meinen Alt-Diesel bekomme. Etwa 9000 Euro muss ich also investieren, um die billigste sichere Tauschlösung zu erhalten. Da meldet sich mein BMW-Händler zu Wort. „Wer sagt Ihnen denn, dass es in ein paar Jahren nicht auch zu Einfahrverboten für Benziner kommt?“ Ja, wer tut das eigentlich?

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