Wirtschaft „Die dicke Rechnung kommt noch“

„Der Grund, warum der Aktienmarkt so erfolgreich ist, bin ich!“, sagt Donald Trump. Die meisten Experten beurteilen seine Rolle
»Der Grund, warum der Aktienmarkt so erfolgreich ist, bin ich!«, sagt Donald Trump. Die meisten Experten beurteilen seine Rolle bei der Entwicklung der US-Wirtschaft etwas anders.

«Washington/Berlin.» Der größte Job-Beschaffer in der US-Geschichte wollte er werden, der Vater eines neuen Wirtschaftswunders, der Amerika wieder ganz groß macht. Mit diesem Anspruch ist US-Präsident Donald Trump am 20. Januar 2017 in seine Präsidentschaft gestartet. Ein Jahr später ist die Zwischenbilanz ambivalent.

Heute kann Trump den Skeptikern entgegenhalten: Die US-Wirtschaft brummt und mit ihr weite Teile der Weltwirtschaft. Die Börsen befinden sich seit Monaten im Höhenrausch, via Twitter verkündet Trump immer wieder, er habe Aktionäre binnen weniger Monate um mehrere Billionen Dollar reicher gemacht. „Der Grund, warum der Aktienmarkt so erfolgreich ist, bin ich!“, lobt Trump Trump. Wie sehen die nüchternen Fakten aus? Nach einem Jahr zeigen die meisten Wirtschaftsindikatoren in den USA nach oben: Die Arbeitslosenquote lag mit 4,1 Prozent im Dezember so niedrig, dass man von Vollbeschäftigung spricht. Mehr als zwei Millionen Arbeitsplätze sind in der Amtszeit von Trump neu entstanden – etwas weniger als im Jahr zuvor unter seinem Vorgänger Barack Obama. Das Wachstum der US-Wirtschaft veranschlagt der Internationale Währungsfonds für 2017 mit 2,2 Prozent zwar nur ähnlich hoch wie in Deutschland, doch die letzte Quartalszahl lag über 3 Prozent und damit so hoch wie seit Anfang 2015 nicht mehr. Die beschlossene Steuerreform dürfte selbst nach Analysen von Trump-Kritikern für einen weiteren Schub sorgen. Ist Trump also der Vater des Aufschwungs? Die meisten Experten, gleich welcher politischer Couleur, winken ab. Der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Dennis Snower, gesteht Trump zu, Konjunktur und Börsen auf kurze Sicht und oberflächlich betrachtet stärker nach vorne gebracht zu haben als erwartet. Positiv sei das aber nicht, denn Nachhaltigkeit gehe anders. Aber das interessiere die Märkte und viele in der Wirtschaft offenbar zurzeit nicht. Snower sagt, das erste Jahr von Trump lasse sich mit einem Wort zusammenfassen: „Fragmentierung.“ Denn Trump spalte die Gesellschaft. Das Gesamturteil des Amerikaners Snower fällt daher vernichtend aus: „Es ist viel wahrscheinlicher, dass die nächste Krise rascher kommt aufgrund des politischen Handelns von Donald Trump. Und wir sind in einer schlechteren Lage, diese zu bekämpfen, weil viele Probleme, die auf uns zukommen, international geregelt werden müssen.“ Diese Mechanismen habe Trump beschädigt. Mit seiner Steuerreform macht er den Standort USA zwar attraktiver, zugleich vergrößert sie aber auch das US-Etatdefizit. Die Reform dürfte nach Berechnungen von Experten die ohnehin schon hohe Staatsschuld der USA von über 20 Billionen Dollar (rund 16,4 Billionen Euro) um weitere rund 1,5 Billionen Dollar in den nächsten zehn Jahren erhöhen. Dabei hat der US-Schuldenberg bereits eine Höhe von 130 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung der USA – damit ist die Schuldenstandsquote fast doppelt so hoch wie in Deutschland. Kurzfristige Profiteure von Trumps Steuerpolitik sind laut Fachleuten vor allem die Wirtschaft und die Superreichen. Den Vorwurf, dass eine solche Politik die mittel- und langfristigen Risiken erhöhe, weist er zurück. Kritiker wie IfW-Präsident Snower warnen deshalb nach einem Jahr Trump-Präsidentschaft: „Natürlich kommt die dicke Rechnung noch“.

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