Umwelt Deutschland strapaziert die Natur massiv
Wie die Umweltorganisation Germanwatch mitteilte, beruhen die Angaben zum Ressourcenverbrauch auf Berechnungen des Global Footprint Network, einer in den USA und der Schweiz ansässigen Denkfabrik. Das Netzwerk berechnet sowohl für jedes Land einen nationalen als auch einen weltweiten Erdüberlastungstag – den sogenannten Earth Overshoot Day, der 2022 auf den 28. Juli fiel. Der Deutsche Erdüberlastungstag fiel im vergangenen Jahr wie in diesem auf den 4. Mai.
In Deutschland ist die Übernutzung laut Germanwatch vor allem auf die Treibhausgas-Emissionen zurückzuführen. Doch auch der Rohstoffverbrauch müsse deutlich verringert werden, um den Planeten zu schützen. „Mit den schwerwiegendsten Folgen dieser jahrzehntelangen Übernutzung müssen vor allem die jungen und nachfolgenden Generationen sowie arme Menschen, vor allem im globalen Süden, fertig werden“, sagte der politische Geschäftsführer Christoph Bals. „Doch die haben am wenigsten zu dieser Krise beigetragen.“
Im internationalen Vergleich verbraucht den Angaben des Global Footprint Networks zufolge Qatar pro Kopf am meisten Ressourcen: Der berechnete Erdüberlastungstag des Emirats war bereits am 10. Februar.
Umwelthilfe mit Zehn-Punkte-Plan
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat zum diesjährigen Erdüberlastungstag einen Zehn-Punkte-Plan gegen Ressourcenverschwendung und für eine nationale Kreiswirtschaftsstrategie vorgelegt. Analog zu den Klimaschutzzielen fordere der Zehn-Punkte-Plan verbindliche Ziele, um den Ressourcenverbrauch und das Abfallaufkommen nachhaltig zu reduzieren, sagte DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz.
Neben übergeordneten Reduktionszielen brauche es zusätzlich spezifische Vorgaben für Primärrohstoffe wie Öl, Gas, Metalle oder Mineralien wie Sand und Kies sowie für Holz. Nur so könne die Klimakrise gebremst werden und nachwachsende Ressourcen sich regenerieren. Jeden Tag gingen weiter wertvolle Ressourcen verloren, weil die Politik nicht handele und wirksame Maßnahmen fehlten oder vorhandene Regelungen nicht eingehalten würden, sagte Metz.
„Einweg-E-Zigaretten müssten verschwinden“
In ihrem Zehn-Punkte-Papier stellt die DUH auch konkrete Sofortmaßnahmen vor. Dazu zählen unter anderem eine Abgabe auf Einwegverpackungen, die Durchsetzung der Mehrwegquote für Getränkeverpackungen, ein bundesweiter Reparaturbonus, eine grüne öffentliche Beschaffung oder strengere Anforderungen beim Gebäudeabriss. Zusätzlich müssten die bereits bestehenden gesetzlichen Regelungen wie zur Sammlung von Elektroaltgeräten, Batterien, dem Plastiktütenverbot oder der Getrenntsammlung von Gewerbe- oder Bioabfällen konsequent umgesetzt werden. Verschwenderische Produkte wie Einweg-Verpackungen, Kaffeekapseln oder Einweg-E-Zigaretten müssten vom Markt verschwinden. Hierzu brauche es politische Instrumente, die den Einsatz wertvoller Ressourcen verteuern und umweltfreundliche Mehrwegsysteme sowie langlebige Produkte fördern, sagte Thomas Fischer, DUH-Leiter Kreislaufwirtschaft.