Meinung
Der Tourismus-Boom hat Schattenseiten
Jetzt erst recht, scheint das Motto zu lauten. Von Krisen und trüben Konjunkturprognosen wollen sich viele Deutsche offenkundig nicht die Urlaubslaune verderben lassen. Mehr als 90 Milliarden Euro werden die Bundesbürger voraussichtlich in der kommenden Sommer- und Wintersaison allein für vorab organisierte Reisen ausgeben. Veranstalter und Reisebüros profitieren davon, dass nach den Corona-Jahren weiterhin viele verschobene Urlaubspläne verwirklicht werden.
Wer gut verdient, vermögend oder im gesicherten Ruhestand ist, lässt sich auch von den deutlich gestiegenen Preisen offenbar nicht abschrecken. Teurer Luxusurlaub bleibt gefragt, auch bei schwacher Konjunktur und schmerzhaften Kaufkraftverlusten gibt es eine Klientel, die beim Urlaub nicht sparen will oder muss.
Die Schattenseiten der Sonnenbranche werden oft verdrängt. Mit den Touristenströmen kommen auch die Probleme wieder: Flugverkehr und Kreuzfahrten schaden Klima und Umwelt, beliebte Ziele sind oft so überlaufen, dass Einheimische immer lauter gegen Auswüchse protestieren. Aus Reiselust wird Reisefrust, wenn sich Menschenmassen vor Sehenswürdigkeiten stauen.
Was tun? Massentourismus ist seit Beginn auch eine Geschichte zubetonierter Alpenregionen, zersiedelter Städte und zerstörter Naturstrände. Der Besucherandrang muss besser reguliert werden, sonst riskiert die Branche den Kollaps mancher Regionen. Jeder kann verantwortlich handeln: Flüge und Kurzreisen reduzieren, wenn möglich die Nebensaison nutzen und dafür länger bleiben, nachhaltige Angebote wählen – und statt schneller Instagram-Likes lieber Land und Leute abseits der Hotspots kennenlernen.
