Bahnverkehr Das Schienennetz soll besser werden

Im Schienennetz der Deutschen Bahn hat sich durch lange Vernachlässigung ein riesiger Sanierungsrückstau gebildet.
Im Schienennetz der Deutschen Bahn hat sich durch lange Vernachlässigung ein riesiger Sanierungsrückstau gebildet.

Bundesverkehrsminister Volker Wissing dringt auf eine koordinierte Sanierung und Digitalisierung des Schienennetzes, um zu mehr Verlässlichkeit für Fahrgäste und Gütertransporte zu kommen. Für eine Generalsanierung wird die Riedbahn von Mannheim nach Frankfurt ab 15. Juli 2024 bis kurz vor Weihnachten gesperrt.

„Die Durchsage, Grund für die Verspätung ist eine Störung im Betriebsablauf, möchte ich eigentlich möglichst bald nicht mehr hören“, sagte der FDP-Politiker am Donnerstag in Berlin. Angeblich gingen 50 Prozent aller Verspätungen darauf zurück. Es müssten aber ausreichend ausgebildetes Personal und einsatzfähige Fahrzeuge bereitstehen, um beabsichtigte Verkehre auch fahren zu können.

Der Minister betonte, Zielbild über allem sei der angestrebte Deutschland-Takt. Dieser sieht bis 2030 ein System mit besser abgestimmten Anschlüssen vor. Dafür gelte es nun, „eine Menge loser Fäden zusammenzuführen“ – also eine weitere Digitalisierung von Stellwerken, Zugleittechnik und dem Kapazitätsmanagement für das Netz, Strecken-Modernisierungen und den Ausbau des Netzes. Dies dürfe nicht nebeneinander stehen, sondern solle künftig systematisch miteinander koordiniert werden. Wissing sagte: „Ich erwarte, dass die Bahn das Thema Verspätungen mit Nachdruck angeht.“ Alle hätten verstanden, dass es so wie es ist, nicht bleiben könne. Der Minister verwies auf die mit der Deutschen Bahn (DB) als Netzbetreiberin geplante „Generalsanierung“ der wichtigsten Strecken ab 2024.

Riedbahn ab 15. Juli 2024 gesperrt

Die Riedbahn von Mannheim über Biblis nach Frankfurt wird nach DB-Angaben für die geplante Generalsanierung 2024 fünf Monate lang gesperrt. Die Arbeiten sollen am 15. Juli, einem Tag nach dem Endspiel der Fußball-EM, beginnen und zu Weihnachten 2024 beendet sein, wie die DB am Donnerstag ankündigte. Einschränkungen für die Kunden ließen sich nicht vermeiden, hieß es. Im Nahverkehr sollen statt Zügen Busse eingesetzt werden, Fernreise- und Güterzüge sollen teilweise weiträumig umgeleitet werden. Das Hauptproblem ist dabei, dass die eigentlich am besten als Umleitungsstrecke geeignete Main-Neckar-Bahn von Frankfurt über Darmstadt nach Mannheim und Heidelberg auch ohne Umleitungsverkehr von der Riedbahn selbst schon überlastet ist.

„Uns ist bewusst, dass wir Kundinnen und Kunden während der Generalsanierung der Riedbahn viel zumuten“, bemerkte DB-Vorstandsmitglied Berthold Huber. Sie profitierten dann aber auch danach von mehr Qualität, Pünktlichkeit und attraktiveren Bahnhöfen. „Das Durchhalten lohnt sich auch deshalb, weil der Korridor Frankfurt–Mannheim nach der Generalsanierung bis ins nächste Jahrzehnt von größeren Baumaßnahmen verschont bleiben wird.“

Deutsche Industrie macht Druck

Die deutsche Industrie macht Druck auf Politik und Bahn für einen zügigen Ausbau der Schiene. „Immer mehr Unternehmen setzen auf eine immer nachhaltigere Logistik“, sagte der Vize-Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Holger Lösch, der Deutschen Presse-Agentur. „Angesichts der aktuell stark steigenden Energiepreise und des langfristig wachsenden Verkehrsaufkommens ist der Aufbau von zusätzlichen Kapazitäten im Schienennetz von immenser Bedeutung für die Industrie.“

Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, warnte in der „Augsburger Allgemeinen“: „Fatal wäre, sich ausschließlich auf einen Teil des Netzes zu konzentrieren, den Rest aber weiter verfallen zu lassen.“ Die geplante Generalsanierung sei die richtige Strategie. Im „Handelsblatt“ forderte er zur Sicherstellung der Finanzierung einen „Schienenfonds“ des Bundes.

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