Wein RHEINPFALZ Plus Artikel Das Küfern auch anders denken

Fassbau in vielen Variationen, dafür stehen Markus (links) und Nicholas Eder mit ihrem Unternehmen.
Fassbau in vielen Variationen, dafür stehen Markus (links) und Nicholas Eder mit ihrem Unternehmen.

Die Bad Dürkheimer Wilhelm Eder GmbH hat sich vom reinen Handelsbetrieb zum Spezialisten für Holzfässer aller Art, Alternativen aus Holz und Fassmöbel entwickelt.

Im eigenen Sägewerk, in der Küferei mit ihren zehn Fassbindern und in der Tischlerei entstehen hölzerne Produkte, die bei Kunden in aller Welt gefragt sind. Der familiengeführte Betrieb beschäftigt rund 50 Mitarbeiter auf dem etwa 25.000 Quadratmeter großen Betriebsgelände im Dürkheimer Gewerbegebiet und beliefert in gleichem Maße das Profi- und Hobbysegment. Selbst auf Bali setzen Weinmacher auf die Dürkheimer Küferkunst.

Die Auswahl ist groß. Die Größe der Holzfässer, die in einer der großen Hallen lagern, reicht von einem Liter bis zu 10.000 Litern. Die Fässer stammen zum Großteil aus eigener Produktion oder auch von Partnern in aller Welt. „Wir arbeiten mit den führenden Küfereien aus den USA und Europa eng zusammen“, betont Markus Eder, der sich vor allem um den Vertrieb kümmert, während Bruder Nicholas für den „Frontservice“ vor Ort verantwortlich zeichnet. Ute Eder, die Frau von Markus, ist die Personalchefin, der 28-jährige Sohn Jonas, selbst gelernter Küfer, bringt nach seinem Aufenthalt in den USA sein Wissen als Holztechnologe ein. Markus Eder ist oft in Schweden bei seinen Kunden, die vor allem Schnaps destillieren, unterwegs. Geschäftsbeziehungen pflegt der 54-jährige Vertriebschef auch nach Gotland, wo ebenfalls Wein entsteht.

Zweites Leben für ausgediente Fässer

Das vorderpfälzische Unternehmen, zu dessen Partnern so bekannte Marken wie Rotkäppchen-Mumm, Jim Beam oder auch der im hohen Norden ansässige Brauer Störtebeker gehören, steht für Nachhaltigkeit. Mit im Boot sind auch Italiens größter Prosecco-Produzent und bekannte LEH-Anbieter. So wird nicht selten in der Tischlerei den in die Jahre gekommenen Fässern, die bei Kunden „ausgekellert“ und zurückgenommen wurden, ein zweites Leben eingehaucht. Mal entsteht ein Schrank, mal ein besonderer Tisch, mal ein Fass, das gar zum gemütlichen Verweilen einlädt.

So viele Gesichter die Kreativität im Hause Eder auch haben mag, immer legen die Schreiner Wert darauf, einen kompletten Holzstamm zu verarbeiten, den das Fass-Unternehmen in der Regel aus dem Pfälzerwald bezieht. Und mit jeder neuen Lieferung machen sich die beiden Brüder auch wieder bewusst, dass der wertvolle Rohstoff endlich ist, keinen Raubbau erlaubt. Deshalb hat die Familie inzwischen auf ihre Kosten rund 15.000 kleine Bäume setzen lassen und damit ihren Beitrag zur Wiederaufforstung geleistet. „Wir haben auch die Patenschaft für einen Luchs im Pfälzerwald übernommen“, ergänzt Markus Eder.

Anstrengende Suche nach Auszubildenden

Auch lassen die Eder-Brüder nichts unversucht, dauerhaft als Ausbildungsbetrieb jungen Menschen eine Chance im Küferhandwerk zu bieten. Dabei bedarf es immer größerer Anstrengungen, in jedem Jahr wenigstens zwei Lehrlinge für das Hämmern, Toasten und Schleifen zu begeistern. Zumal nirgendwo in Deutschland noch eine Berufsschule Unterricht für angehende Küfer anbietet. Für sie heiße es Koffer packen, um den Blockunterricht in Österreich zu absolvieren, erzählt der Unternehmenssprecher.

Gedanken machen sich die Eders auch um die klimatischen Veränderungen, die am Unternehmen nicht spurlos vorübergehen. „Die Wasserversorgung wird uns noch beschäftigen“, skizziert Markus Eder ein ganz besonderes Problem. So überlegen die Fassmacher, ob sie mittelfristig anstelle des Eichenholzes oder auch der Douglasie nicht noch mehr Kastanienholz einsetzen, das die Hitze weit besser aushält und vor allem für Dekofässer sehr gut geeignet ist. Weil das alte Küferhandwerk keineswegs Innovation untersagt, sind selbst Hölzer aus Esche oder Maulbeere allemal einen Gestaltungsversuch wert. Übrigens: Kiwi-Holz aus Asien gewinnt mehr und mehr an Bedeutung.

Es fehlen Container für den Transport in die USA

So vielfältig und erfolgreich das Produktsortiment auch sein mag, immer wieder verlässt Eder die eingetretenen Pfade, versucht, neue Wege zu gehen. Seit gut drei Jahren beliefern die Fassmacher die Gemeinde Haßlach in Baden-Württemberg mit bis zu 3000 Liter fassenden Eichen- und Kastanienkübeln, allesamt aus Altfässern entstanden. Anstelle der unschönen Plastikbehälter soll dort die hölzerne Recyclingware, hochwertig bepflanzt, das Stadtbild positiv verändern. „Es wäre fahrlässig, würden wir uns allein auf Fässer für Destillate und Weine konzentrieren“, gibt Markus Eder zu bedenken. Geht er doch davon aus, dass der Bedarf für „harte Sachen“ zurückgehen wird. Einen ähnlichen Trend erwartet die Firma auch im Weinbau, dem schmerzhafte Blessuren wohl nicht erspart bleiben würden.

Diese Erkenntnis hat die Familie nicht erst neuerdings dazu bewogen, „Küfern auch anders zu denken“. Dabei wertet Markus Eder die erreichte Betriebsgröße als Fluch und Segen zugleich. Mehr und mehr hänge das Unternehmen, dessen Jahresumsatz zuletzt bei rund neun Millionen Euro lag, vom Export ab, der zuletzt auch wegen der pandemischen Auswirkungen einfach nicht mehr in gewohntem Rahmen funktioniere. So froh die Familie ist, endlich wieder Geschäftsbeziehungen mit den USA in erfolgreichen Bahnen pflegen zu können, so viel Sorge bereitet die Tatsache, dass seit Monaten keine Container verfügbar sind, um die Ware aus der Pfalz über den großen Teich zu transportieren. „Alles ist im Fluss, sicher ist heute nur, dass alles unsicher ist“, sind sich die beiden geschäftsführenden Brüder Markus und Nicholas Eder einig. „Vieles ist im Moment auch bei uns reine Nervensache.“

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