Bahnverkehr RHEINPFALZ Plus Artikel Deutschlandticket: 40 Prozent mehr Fahrgäste bei der S-Bahn

Auf den Linien des Main-Neckar-Ried-Netzes sind die Fahrgastzahlen besonders stark gestiegen. Dazu gehört auch der RE70 von Mann
Auf den Linien des Main-Neckar-Ried-Netzes sind die Fahrgastzahlen besonders stark gestiegen. Dazu gehört auch der RE70 von Mannheim (Foto) über Biblis nach Frankfurt.

Seit Anfang Mai erlaubt das Deutschlandticket für 49 Euro im Monat bundesweit freie Fahrt im Nahverkehr. Bei den meisten Kunden kommt das sehr gut an, auch wenn es in Sonderfällen noch Komplikationen gibt. Die Deutsche Bahn verzeichnet in der Rhein-Neckar-Region deutlich gestiegene Fahrgastzahlen, zu denen aber auch andere Faktoren beigetragen haben.

Den Erfolg des Deutschlandtickets in harten Zahlen zu messen, ist nicht einfach – unter anderem, weil es von vielen Unternehmen verkauft wird und ein Datenabgleich oft schwierig ist. Trotz aller Bemühungen, einfache und einheitliche Regelungen zu finden, gibt es Sonderfälle mit einigen Komplikationen. Die Kundenzufriedenheit ist aber offenbar alles in allem sehr hoch. In einer vom Portal web.de veröffentlichten Umfrage des Civey-Instituts bei Nutzern des Deutschlandtickets äußerten sich 39 Prozent eher zufrieden und 38 Prozent sehr zufrieden. Lediglich 2 Prozent äußerten sich eher unzufrieden und 6 Prozent sehr unzufrieden. 15 Prozent waren unentschieden.

Einen Überblick über die Anzahl der verkauften Tickets hat noch am ehesten der Branchenverband VDV (Verband deutscher Verkehrsunternehmen). Das Deutschlandticket gibt es – anders als vor einem Jahr das 9-Euro-Ticket – nur als Abo, das allerdings ohne Mindestlaufzeit zum Monatsende gekündigt werden kann.

Mehr als die Hälfte hatte vorher kein Abo

Laut VDV wurden bis Mitte Juni „bis zu 11 Millionen“ Deutschlandticket-Abos verkauft. Davon sind laut VDV rund 46 Prozent umgestellte Abos von Fahrgästen, die bereits ein Nahverkehrsabo hatten und auf das günstigere Deutschlandticket umgestiegen sind. Der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) beziffert die Anzahl dieser umgestellten Abos in seinem Bereich auf 220.000. Da der VRN bereits seit Jahrzehnten besonders attraktive Jahreskarten wie die Karte ab 60 und das Rhein-Neckar-Ticket anbietet, ist der Anteil der umgestellten Abos sicherlich besonders hoch und der Anteil von Kunden, die bisher keine Jahreskarte hatten niedriger als beispielsweise beim benachbarten Rhein-Main Verkehrsverbund (RMV), dessen Jahreskarten bisher sehr viel teurer und daher weniger verbreitet waren.

Laut VDV hatten rund 44 Prozent der Deutschlandticket-Besitzer zuvor kein Abo, haben den öffentlichen Nahverkehr allerdings mit anderen Fahrkarten „hin und wieder oder regelmäßig“ genutzt. Etwa 8 Prozent der Deutschlandticket-Besitzer haben laut den Erkenntnissen der VDV-Marktforschung den öffentlichen Nahverkehr zuvor „so gut wie nie“ genutzt.

Als Gründe für den Kauf des Deutschland-Tickets wurden bei einer Befragung, bei der Mehrfachnennungen möglich waren, die bundesweite Gültigkeit (41 Prozent) und der günstige Preis (36 Prozent) am häufigsten genannt. 18 Prozent der Befragten gaben als Kaufgrund an, dass sie damit bewusst auf Autofahrten verzichten. 22 Prozent nannten als Kaufgrund den Umweltschutz.

Job-Ticket-Anteil 18 Prozent

Der Anteil derjenigen, die das Deutschlandticket in der noch zusätzlich vergünstigten Version eines Job- oder Firmentickets haben, beträgt 18 Prozent. Bei dieser Variante zahlen die Deutschlandticket-Besitzer dank einer Zuzahlung des Arbeitgebers statt 49 Euro maximal 34,30 Euro pro Monat. Bei einem höheren Zuschuss des Arbeitgebers sind noch niedrigere Preise möglich. Bundesweit besonders aufgefallen ist der Rückversicherer Hannover Rück, dessen Mitarbeiter das Deutschlandticket sogar kostenlos bekommen.

In der Rhein-Neckar-Region verzeichnet die Deutsche Bahn (DB) seit Einführung des Deutschlandtickets stark steigende Fahrgastzahlen. Dabei ist allerdings wohl nur ein Teil des Zuwachses auf das Deutschlandticket zurückzuführen. Andere Faktoren sind zum einen sicherlich der Maimarkt und zum anderen möglicherweise auch die Bundesgartenschau in Mannheim, die sich gerade aus der Pfalz gut mit dem Zug erreichen lässt.

40 Prozent mehr Fahrgäste bei der S-Bahn Rhein-Neckar

Maik Dreser, Chef von DB Regio Mitte mit Sitz in Mannheim, schätzt, dass rund die Hälfte des Fahrgastzuwachses in den Zügen der Rhein-Neckar-Region von April auf Mai auf das Deutschlandticket zurückzuführen ist.

Laut Dreser ist der Zuwachs bei der S-Bahn Rhein-Neckar mit rund 40 Prozent besonders stark. Auf den Linien des sogenannten Main-Neckar-Ried-Netzes liege der Zuwachs sogar bei über 40 Prozent. Dieser Effekt ist nicht überraschend, weil zu diesem Netz auch die beiden Regional-Express-Linien RE60 und RE70 von Mannheim nach Frankfurt gehören. Der RE60 fährt über die Main-Neckar-Bahn und Darmstadt, der RE70 über Biblis und die Riedbahn. Wer sein Deutschlandticket für eine Fahrt aus der Rhein-Neckar-Region in Richtung Norden nutzt, fährt mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einem Zug einer dieser beiden Linien.

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Eckhard Buddruss ist der Bahn-Experte der RHEINPFALZ. In seinem kostenlosen Newsletter informiert er Sie alle zwei Wochen über Investitionen, Entwicklungen und Abseitiges bei der Deutschen Bahn und im öffentlichen Nahverkehr der Pfalz. Für alle, die wissen wollen, wie es mit dem Zugverkehr in der Region weiter geht.

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