Wirtschaft Daimler und BASF machen mobil
«Hannover/Ludwigshafen.» Das Geschäftsfeld Mercedes-Benz Vans des Stuttgarter Automobilkonzerns Daimler hat gestern auf der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover eine umfassende Zusammenarbeit mit dem Ludwigshafener Chemiekonzern BASF rund um Mobilitätsthemen angekündigt. Ziel ist unter anderem „ein elektrisches, voll vernetztes und autonomes Shuttle auf dem Werksgelände“.
Vans präsentiert in Hannover unter dem Begriff Vision Urbanetic nach eigenen Angaben „ein revolutionäres Mobilitätskonzept“, das weit über bisherige Ideen rund um autonome Fahrzeuge hinausgehe. Die Trennung von Personenbeförderung und Gütertransport werde aufgehoben. Verkehrsströme würden reduziert und innerstädtische Infrastrukturen entlastet, was mehr urbane Lebensqualität ermögliche. Eine neue, autonom fahrende Baureihe soll dazu beitragen, dass aus dieser Vision Wirklichkeit werden kann. Das Fahrzeug werde auf einem vollelektrischen Chassis basieren. „Je nach Konfiguration soll der neue Van entweder autonom Personen befördern oder Waren transportieren“, hieß es von Daimler gestern weiter. Mit der BASF will Mercedes-Benz Vans in den Bereichen Elektromobilität, Digitalisierung und autonomes Fahren intensiv zusammenarbeiten, „um voneinander zu lernen“. Im ersten Schritt habe BASF im Werk Ludwigshafen kürzlich ein „On-Demand Ridesharing-System“ eingeführt, sozusagen eine auf Anforderung oder Bestellung basierende Transport- und Mitfahrmöglichkeit. Dabei komme die Technologie von Via-Van zum Einsatz, einem Joint Venture von Mercedes-Benz Vans und dem US-Startup Via. Weitere Projekte sollen folgen, darunter ein elektrisches, voll vernetztes und autonomes Shuttle auf dem Ludwigshafener Werksgelände. „Ziel unserer umfassenden Kooperation mit BASF ist es, unseren Ridesharing-Service um die autonome Komponente zu erweitern und so die Logistik am Standort Ludwigshafen noch effizienter und für die Mitarbeiter komfortabler zu gestalten“, so Mercedes-Van-Chef Volker Mornhinweg. Als Ridesharing-Fahrzeug könne der neue, Vision Urbanetic genannte Van bis zu zwölf Passagiere befördern, und im Cargo-Modul könnten bis zu zehn Europaletten transportiert werden. Bei einer Fahrzeuglänge von 5,14 Metern betrage die Laderaumlänge 3,70 Meter. Zudem sollen durch eine IT-Infrastruktur Angebot und Nachfrage in Echtzeit analysiert werden. Daraus resultiere eine autonom fahrende Flotte, „deren Routen flexibel und effizient auf Basis des aktuellen Beförderungsbedarfs geplant werden“, so Daimler. Auf der IAA, die ab heute für eine Woche fürs Publikum geöffnet ist (jeweils 9 bis 18 Uhr) wurde weiter bekannt, dass sich Daimler an dem Elektrobus-Start-up Proterra aus den USA beteiligt. „Aus der Zusammenarbeit mit Proterra erwarten wir uns zusätzliche Impulse für die Entwicklung von schweren elektrischen Nutzfahrzeugen“, sagte Daimler-Lkw- und Bus-Vorstand Martin Daum. Zunächst sollen Schulbusse der US-Marke Thomas Built Buses elektrifiziert werden. Auf der IAA ist die E-Mobilität ein Hauptthema. Laut Zulieferer Bosch wird 2030 jedes vierte Nutzfahrzeug elektrisch angetrieben sein. Doch am Dieselmotor führt noch lange kein Weg vorbei. Zwischen 80 und 90 Prozent aller Nutzfahrzeuge würden 2025 noch mit Selbstzünder unterwegs sein, so Bosch. „Die Entwicklung des Nutzfahrzeugantriebs wird noch lange ein Mehrkampf bleiben. Wir tun gut daran, auch seine Elektrifizierung technologisch offen anzugehen“, wurde Rolf Bulander, Leiter der Bosch-Kfz-Sparte, zitiert.