Wirtschaft Daimler mit Gewinneinbruch
«Stuttgart/Wörth». Sondereffekte belasteten den Gewinn von Daimler im ersten Halbjahr. Zugleich leitet der Stuttgarter Autohersteller einen Umbau des Konzerns in die Wege. Und die Mitarbeiter erhalten eine Jobgarantie bis Ende 2029.
In der angestrebten neuen Konzernstruktur (Bericht auch auf Seite 1) werden die Lkw- und die Bus-Sparte zur rechtlich eigenständigen Daimler Truck AG zusammengeführt. Betroffen davon sind das Lastwagen-Montagewerk im südpfälzischen Wörth mit rund 12.300 Mitarbeitern und der Nutzfahrzeugmotoren-, Gießerei- und Busstandort Mannheim mit rund 8560 Mitarbeitern. In der Pfalz ist Daimler der zweitgrößte industrielle Arbeitgeber nach dem Chemiekonzern BASF. Daimler beschäftigte außerdem in seinem globalen Ersatzteilelager in Germersheim 3100 Mitarbeiter. Die Daimler AG wird Unternehmensangaben zufolge als Dachgesellschaft fungieren für die drei geplanten rechtlich selbstständigen Einheiten Mercedes-Benz AG, Daimler Truck AG und Daimler Mobility AG. Es sei nicht geplant, sich von einzelnen Geschäftsbereichen zu trennen, teilte der Konzern mit. Bis die neue Konzernstruktur Anfang 2020 stehe, seien einmalige Kosten im hohen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich zu erwarten. Mit der Umsetzung des Projekts würden in den kommenden Jahren zudem höhere laufende Kosten erwartet, die 2020 in der Spitze einen „sehr niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag“ erreichten, aber mittelfristig wieder vollständig ausgeglichen würden. Der Konzernumbau erfordert die Zustimmung der Aktionäre, die auf der ordentlichen Hauptversammlung der Daimler AG 2019 darüber abstimmen sollen. Konzernchef Dieter Zetsche sagte gestern, über Fragen des künftigen Führungspersonals in der künftigen Struktur sei noch nicht entschieden worden. Wichtiger Baustein des Konzernumbaus ist eine Vereinbarung zwischen Unternehmensleitung und Gesamtbetriebsrat. Sie enthält eine Jobgarantie bis Ende 2029. Michael Brecht, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats sagte, mit der Betriebsvereinbarung sei „ein in Deutschland einmaliger Interessenausgleich gelungen“. Er enthält zudem eine Zusage für Investitionen in die deutschen Standorte in Höhe von 35 Milliarden Euro von 2018 bis 2024. Der Gewinn von Daimler brach im ersten Halbjahr wegen Belastungen durch Zölle und weitere Sondereffekte ein. Das Daimler-Werk in Wörth profitierte dagegen von dem stark erhöhten Konzernabsatz bei Lastwagen. Der legte im ersten Halbjahr gegenüber der gleichen Vorjahreszeit um 13 Prozent auf 237.756 Einheiten zu. Das war das mit Abstand höchste Absatzplus aller Daimler-Geschäftssparten. Ingo Ettischer, Standortverantwortlicher für das Mercedes-Benz-Werk in Wörth rechnet für den europäischen Lkw-Markt im weiteren Jahresverlauf mit einem robusten Marktniveau und Verkäufen in der Größenordnung des Vorjahres. Der europäische Markt ist für das Werk besonders wichtig. Die Produktion in Wörth erreichte 2017 rund 100.000 (2016: 97.000) Lkw. Die Auftragsbücher des Werks Wörth seien weiterhin gut gefüllt, sagte Ettischer. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) des Daimler-Konzerns sackte im ersten Halbjahr gegenüber der gleichen Vorjahreszeit um 21 Prozent auf knapp 6 Milliarden Euro ab. Der Umsatz stieg um 1 Prozent auf 80,5 Milliarden Euro. Neben den Kosten für den Diesel-Rückruf des Vans Vito und anderer Modelle wegen der umstrittenen Abgasbehandlung nagte am Gewinn auch eine Zollsenkung im wichtigsten Einzelmarkt China. Die Zollsenkung gegenüber Europa ab Juli sorgte seit ihrer Bekanntgabe im Mai dafür, dass die Kunden ihre Käufe verschoben oder schon niedrigere Preise verlangten. Der dickste Brocken unter den Sonderfaktoren sind Kosten in Höhe von 418 Millionen Euro für die Schlichtung nach jahrelangem Streit mit der Bundesregierung wegen des verspäteten Starts des Mautsystems Toll Collect. Für das gesamte Geschäftsjahr erwartet Daimler nun einen leicht höhern Umsatz als 2017 und ein leicht niedrigeres Ebit. Aktienchart