Wirtschaft Daimler jetzt auch in XL

Lifestyle oder ein Auto für alle, die viel zu laden haben: Der Pick-up von Daimler entstand in einer Produktionsgemeinschaft mit
Lifestyle oder ein Auto für alle, die viel zu laden haben: Der Pick-up von Daimler entstand in einer Produktionsgemeinschaft mit Renault-Nissan. Er wird in deren Werken in Spanien und Argentinien gebaut.

«Kapstadt/Stuttgart.» Diesel-Abgas-Skandal, womöglich Fahrverbote für Diesel-Pkw, Diskussionen um das Ende des Verbrennungsmotors und der Umstieg auf Elektroautos: Die Autoindustrie hierzulande erlebt gerade schwierige Zeiten. Es wirkt fast wie Trotz, dass just in diesem Umfeld Daimler mit einem wuchtigen Pick-up an den Start geht. Der Premiumhersteller präsentierte den Kraftprotz im südafrikanischen Kapstadt.

Die neue X-Klasse ist ein Schwergewicht mit Ladefläche und wird mit Diesel-Antrieb gebaut. Der Stuttgarter Autobauer stößt damit in ein für ihn neues Segment vor. Der Heimatmarkt Deutschland spielt dabei allenfalls eine Nebenrolle. Zwar kommt die in Kapstadt vorgestellte X-Klasse Ende des Jahres zuerst in Europa auf den Markt. Dann aber recht bald auch in Südafrika und Australien, wo Daimler deutlich mehr Potenzial sieht als in der Heimat, wo Pick-ups ein Nischenmarkt sind. „Wir können nicht nur Fahrzeuge bauen, von denen wir die meisten – oder einen hohen Prozentsatz – in Deutschland verkaufen“, sagt der Chef der Mercedes-Benz Vans, Volker Mornhinweg. Wenn es nach Daimler geht, dann wiederholt sich bei den mittelgroßen Pick-ups, zu denen die X-Klasse zählt, der Erfolg der Sport Utility Vehicle – kurz: SUV – genannten sportlichen Geländewagen. Die haben es aus dem Gelände in die Stadt geschafft. Ursprünglich als Arbeitstier gedacht, könnten dank höherwertiger Ausstattung auch die Pick-ups zum Lifestyle-Auto werden, so Mornhinweg. Von zuletzt 2,2 Millionen Fahrzeugen weltweit könnte der Markt der Mid-Size-Pick-ups bis 2026 auf rund 3,2 Millionen wachsen, erwartet Daimler – vor allem in Australien, aber auch in Argentinien und Brasilien, wo der Wagen 2019 auf den Markt kommen soll. Nach Nordamerika, wo Ford, GM, Dodge oder auch japanische Hersteller aktiv sind, kommt die X-Klasse erst einmal nicht. Dort seien noch größere Pick-ups gefragt, die sich dann aber wieder anderswo kaum verkaufen ließen, argumentiert Mornhinweg. Ganze Märkte auszuschließen, könne sich kein Hersteller erlauben, sagt dagegen Autoexperte Peter Fuß von der Unternehmensberatung Ernst & Young: „Die USA sind der klassische Pick-up-Markt.“

x