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Covid-19: Boehringer setzt auf BI 767551
Voraussichtlich Ende des Jahres will Boehringer Ingelheim die Notfallzulassung für ein Medikament zur Behandlung von Covid-19 beantragen. Das sagte der Vorsitzende der Unternehmensleitung, Hubertus von Baumbach, am Mittwoch in der digitalen Bilanzpressekonferenz des Familienunternehmens. Bis dahin könnte eine ausreichende Datenbasis vorliegen für den ersten Sars-CoV-2-neutralisierenden Antikörper, der als BI 767551 in der klinischen Phase erprobt wird.
Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Köln, der Universität Marburg und dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung arbeitet Boehringer Ingelheim an dieser virusneutralisierende Antikörper-Behandlung, die über Inhalation verabreicht wird. Ziel ist es, den Krankheitsverlauf von Covid-19 zu mildern.
Keine Impfstoff-Produktion
Einen Rückschlag in der Corona-Forschung erlebte das Unternehmen vor wenigen Tagen: Die Ende Oktober 2020 gestartete klinische Studie mit dem Medikament TRPC 6 wurde abgebrochen. Das Mittel sollte gegen das covid-spezifische Lungenversagen wirken, allerdings brachte die Studie nicht den gewünschten Erfolg.
Boehringer Ingelheim arbeitet bereits seit einem Jahr gemeinsam mit internationalen Partnern an der Erforschung und Entwicklung möglicher Covid-Therapien. Impfstoffe für die Humanmedizin gehören nicht zum Portfolio. Daher könne das Unternehmen nach den Worten von Baumbachs auch nicht kurzfristig anderen Unternehmen bei der Herstellung von Vakzinen helfen. Denkbar wäre es, die Impfstoffe abzufüllen, aber auch dafür sei ein Vorlauf von neun bis zwölf Monaten nötig, hieß es. Nicht zuletzt wegen der Forschung im Zusammenhang mit Covid-19 hat das rheinhessische Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr eine Rekordsumme in Forschung und Entwicklung gesteckt: 3,7 Milliarden Euro, das ist ein Plus von 7 Prozent.
Ein Forschungsfeld ist die Krebsbehandlung. Nahezu alle Arten von Bauchspeicheldrüsenkrebs, aber auch viele Arten von Darm- und Lungenkrebs sind nach Angaben des Unternehmenschefs vom „Kras“-Eiweiß getrieben. Dieses Protein gelte als „Krebs-Herzschlag“, der bislang nicht medikamentös zu stoppen sei. Boehringer verfolge jedoch mehrere Ansätze, um diesen Krebstreiber zu blockieren oder zu hemmen.
Stammwerk in Ingelheim mit 9000 Mitarbeitern
Bereits erprobt und seit Jahren am Markt ist das Medikament Jardiance zur Behandlung der Typ-II-Diabetes. Es sei der stärkste Umsatzbringer im Bereich Humanpharma, sagte Finanzchef Michael Schmelmer. Medikamente für die menschliche Gesundheit trugen mit 14,4 Milliarden Euro zum Gesamtumsatz von 19,57 Milliarden Euro bei. Das ist ein Plus von 3 Prozent. Auch der Bereich Tiergesundheit sei gewachsen, allerdings habe sich die Corona-Krise in diesem Segment durch die Insolvenz von Geflügelzüchtern bemerkbar gemacht. Diese wiederum standen den Angaben nach im Zusammenhang mit der coronabedingten Schließung von Schlachthöfen.
Das dritte Geschäftsfeld Boehringers ist die biopharmazeutische Auftragsproduktion. In diesem Segment steht die größte Einzelinvestition des Unternehmens an: 700 Millionen Euro werden in eine biotechnologische Produktionsanlage in Wien fließen, sagte Schmelmer.
Das Betriebsergebnis nach Steuern bezifferte er auf 3,06 Milliarden Euro, das ist ein Plus von 12,5 Prozent.
Von den weltweit rund 51.000 Beschäftigten arbeiten im Stammwerk in Ingelheim 9001 Menschen.