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Das Münchener Medizin-Startup-Unternehmen Teleclinic zählt bereits 240.000 Patienten.
Das Münchener Medizin-Startup-Unternehmen Teleclinic zählt bereits 240.000 Patienten.

Die Corona-Pandemie hat in Deutschland den Damm für die Telemedizin gebrochen. Größter Anbieter von Online-Sprechstunden in Deutschland ist das Unternehmen Teleclinic. Es darf jetzt kostenfrei auch Kassenpatienten online zum Arzt schicken. Was bringt das?

Das vor fünf Jahren in München gegründete Medizin-Startup Teleclinic sieht sich mit 240.000 Patienten als Deutschlands größter Anbieter von Online-Sprechstunden beim Arzt. Kostenfrei war diese Möglichkeit aber bislang mit wenigen Ausnahmen nur Privatversicherten vorbehalten. Ab sofort aber müssen auch gesetzlich Krankenversicherte nichts mehr zahlen. „Das ist ein emotionaler Tag“, sagt Teleclinic-Gründerin Katharina Jünger zum Wegfall dieser hohen Hürde. Telemedizinisch gilt Deutschland international als nicht ganz auf der Höhe der Zeit. Jünger will das ändern und ist ehrgeizig. „Ich bin überzeugt, dass es pro Land nur eine Plattform für Onlinesprechstunden gibt und die wollen wir für Deutschland sein“, sagt sie.

Gibt es online auch Krankschreibungen und Rezepte?

Weil das Fernbehandlungsverbot für Ärzte in Deutschland erst im Mai 2018 gefallen ist, hat Teleclinic anfangs in einer Grauzone gearbeitet. Ärzte bekommen Online-Sprechstunden erst seit Ende 2019 wie eine herkömmliche Behandlung in der eigenen Praxis vergütet. Nun kommt dazu, dass auch gesetzlich Versicherte nichts zuzahlen müssen und sie online Rezepte sowie Krankschreibung erhalten können. Zumindest ist das bei Teleclinic so. Anbieter von Online-Sprechstunden brauchen eine spezielle Zertifizierung und bei Online-Rezepten auch entsprechende Anbindung an Apotheken, die das Münchner Startup hat. „Man kann als Arzt gut telemedizinisch arbeiten“, findet Nikolaus Schmidt-Sibeth. Der Allgemeinmediziner arbeitet bei Teleclinic als medizinischer Leiter und behandelt online. Er sei anfangs selbst überrascht gewesen, dass auch per Handy und Computerbildschirm eine Patientenbeziehung entsteht und sogar das Bauchgefühl nicht verloren gehe. „Corona hat viel verändert, die Dämme sind gebrochen“, sagt er zur neuen Akzeptanz von Telemedizin.

Wie ist die Nachfrage in der Bevölkerung und bei den Ärzten?

Zwei Drittel aller Deutschen verlangen als potentielle Patienten danach, hat der IT-Verband Bitkom ermittelt. Seitens der Ärzteschaft ist jeder Vierte hierzulande niedergelassene Mediziner mittlerweile online, sagt die kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV).

Wie schnell bekommt man einen Termin?

Bei den bestehenden Wachstumsraten werde Teleclinic dieses Jahr weit über 100.000 Online-Behandlungen durchführen, schätzt Jünger. Sie wirbt damit, binnen 30 Minuten einen zu den Beschwerden passenden Facharzt online zu haben. In herkömmlichen Praxen warte man im Schnitt drei Wochen auf Spezialisten und verbringe dann noch 40 Minuten im Wartezimmer, um fünf Minuten lang behandelt zu werden, sagt die Juristin. In Deutschland sei die digitale Revolution in Arztpraxen überfällig. Anbieter von Online-Sprechstunden aus der Schweiz hätten schon begonnen, deutsche Ärzte für schweizerische Digitalpatienten abzuwerben. Denn in der Schweiz herrsche Ärztemangel. Teleclinic kooperiert derzeit mit 250 Ärzten bundesweit und will die Kooperation parallel zum Wachstum von zuletzt 20 Prozent monatlich aufstocken. Mit dem Ausbruch der Pandemie sind die Geschäfte sogar noch weit schneller gewachsen.

Wo stößt die Telemedizin an Grenzen?

Nicht alle Fälle eigneten sich für Telemedizin, räumt Schmidt-Sibeth ein. Vor allem Notfälle seien ausgeschlossen. Eine junge Frau, die die Pille nimmt und über Atemnot klagt, würde der Online-Arzt nicht per Internet behandeln sondern sofort in eine Praxis oder ins Krankenhaus schicken. Bei dieser Kombination bestehe die Gefahr von Thrombosen und einer lebensbedrohlichen Lungenembolie. Aber Beschwerden wie Durchfall, Infekte, Blasenentzündung oder Bluthochdruck ließen sich online gut verarzten. „80 Prozent davon können wir abschließend behandeln“, sagt der Online-Arzt aus seiner Teleclinic-Erfahrung.

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