Meinung
Online-Sprechstunde: Video-Chat statt Wartezimmer
Online-Sprechstunden waren in Deutschland lange Mangelware. Erst seit coronabedingt die Praxen leer bleiben, gehen auch deutsche Ärzte verstärkt ins Internet. Dieser Trend wird sich auch nach dem Ende der Pandemie fortsetzt. Denn Digitaltechnik hat medizinisch viel zu bieten, wie die Pandemie schmerzhaft vor Augen führt. Patienten, die sich in Wartezimmern nicht anstecken wollen, schieben physische Arztbesuche auf.
Online-Sprechstunden sind vor allem aus Patientensicht praktisch, zeitsparend und es fallen Hemmschwellen. Online-Ärzte berichten beispielsweise, dass Männer mit Potenzproblemen, die sonst vielfach den Arztbesuch scheuen, online viel eher zu Behandlung und Arztgespräch bereit sind. Und wenn man die Handykamera als Patient zu einer entzündeten Stelle führt, kann der Arzt auch in der physischen Sprechstunde nicht genauer hinsehen.
Natürlich können Online-Sprechstunden nicht alles abdecken. Aber Telemedizin kann das System entlasten. Für den, der telemedizinisch behandelbare Beschwerden hat, sind Online-Sprechstunden das Mittel der Wahl. Wenn Senioren dabei von Angehörigen oder dem Personal von Pflegediensten unterstützt werden, schließt das sogar diese oft technikfernen Patienten ein. Gerade für sie ist der Weg ins nächste Wartezimmer oft ein Mühsal. Leider hat es einer Pandemie bedurft, der Telemedizin in Deutschland den Weg zu ebnen.