Fragen und antworten RHEINPFALZ Plus Artikel Blackout im Festnetz, Mobilfunk und Internet: Wie kann ich sinnvoll vorsorgen?

Auch wenn das Handy noch Saft hat: Bei einem großflächigen Stromausfall sind bald keine Anrufe mehr möglich und kein Internet me
Auch wenn das Handy noch Saft hat: Bei einem großflächigen Stromausfall sind bald keine Anrufe mehr möglich und kein Internet mehr verfügbar.

Experten sind sich einig: Ein länger andauernder Stromausfall würde in Deutschland die Festnetz-Telefonie sofort und den Mobilfunk binnen kurzer Zeit lahmlegen. Damit wäre auch kein Internet mehr verfügbar. Wer vorsorgt, steht im Fall der Fälle zumindest nicht völlig hilflos da.

Was würde bei einem Blackout passieren?
Sofort mit dem Beginn des Stromausfalls ließe sich das Internet über den eigenen Festnetzanschluss nicht mehr nutzen. Ohne Strom sind Internet-Hardware wie Router und Modems nicht mehr einsatzfähig. Anders als Laptops oder Mobiltelefone haben sie keine Akkus. Damit entfällt auch sofort die Telefonie über Festnetz, denn alle modernen Anschlüsse sind internetgebunden.

Die Mobilfunknetze hierzulande lassen sich nach einem großflächigen Stromausfall immerhin noch kurze Zeit verwenden – aber mit mehr oder minder großen Lücken, in denen auch der Mobilfunk sofort ausfällt. Das sind die wesentlichen Ergebnisse einer Untersuchung des Heidelberger Vergleichsportals Verivox. Es hat jüngst die wichtigsten Betreiber von Netzen, Rechenzentren und Internetknotenpunkten nach den Folgen eines längeren Stromausfalls gefragt.

Warum ist Mobilfunk teilweise noch verfügbar?
Nach Auskunft der Netzbetreiber seien Mobilfunkstandorte „in der Regel“ mit Batteriepuffern ausgerüstet, die einige Stunden Stromausfall kompensierten. Das Mobilfunknetz wäre theoretisch also noch eine Zeit lang nutzbar, wenn auch nicht überall, so Verivox.

Gibt es eine Notstromversorgung?
Seien die Batteriepuffer leer, stehe eine Notstromversorgung nur noch für wichtige Technikstandorte und Rechenzentren zur Verfügung, so das Vergleichsportal. Bundesweit einheitliche Regelungen zur Notstromversorgung im Telekommunikationssektor existierten nicht. Telekommunikationsnetze gelten zwar als kritische Infrastruktur. Dennoch seien die Anbieter nicht gesetzlich verpflichtet, ihr Netz für eine bestimmte Anzahl von Stunden durch Notstrom aufrechtzuerhalten. Die Netzbetreiber geben auch zu Bedenken, dass nicht jeder Standort mit Notstrom versorgt werden könne, weil dies etwa der Brandschutz oder die Statik nicht zulassen.

Was ist mit Notrufen?
Der Ausfall der Festnetz-Telefonie und eine nur noch kurzfristige und lückenhafte Mobilfunkversorgung trifft natürlich auch Notrufe. Sie sind dann nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr verfügbar. Ohnehin sei aufgrund des unmittelbaren Ausfalls des Festnetzes mit einer massiven Überlastung der Mobilfunknetze zu rechnen, so Verivox. Auch deshalb wären Notrufe dann nicht mehr möglich, obwohl sie mit Vorrang durchs Netz geleitet würden.

Umgekehrt gilt das auch für den Empfang von behördlichen Nachrichten über Apps wie Nina oder Katwarn, die die Bevölkerung über Mobilfunknetze vor Gefahren warnen sollen. Sie funktionieren nur dann, wenn eine Mobilfunkzelle verfügbar ist.

Was sagt die Bundesnetzagentur?
Eine Störung oder ein Ausfall der Stromversorgung treffe die Funktionstüchtigkeit der Telekommunikationsnetze in der Regel sofort und – bei entsprechendem Ausmaß des Stromausfalls – auch großflächig, schreibt die Bundesbehörde. Telekommunikationsdienste seien dann nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr nutzbar. „Regelmäßig“ sei es nicht mehr möglich, Notrufe abzusetzen. Auch Warnnachrichten an die Bevölkerung könnten nicht mehr empfangen werden, wenn die Mobilfunkzelle nicht verfügbar sei.

Was ist mit Satelliten-Telefonen?
Tatsächlich seien Gespräche zwischen Satellitentelefonen auch bei einem Strom-Blackout möglich, so Verivox. Allerdings brauchen natürlich auch diese Telefone ihre eigene Stromversorgung, also etwa einen geladenen Akku. Und der Gesprächspartner muss ebenfalls über ein Satellitentelefon verfügen, damit eine direkte Kommunikation über den Satelliten möglich ist. Telefonate in andere Telefonnetze müssten über eine Bodenstation weitergeleitet werden und die müsste mit Strom versorgt sein. Satellitentelefone sind laut Verivox eine teure Alternative zu Festnetz und Mobilfunk. Ihre Anschaffung kostet demnach je nach gewünschtem Satellitennetz durchschnittlich zwischen 500 Euro und weit über 1000 Euro. Die Gesprächspreise lägen bei etwa 70 Cent bis 2 Euro pro Minute.

Wie wahrscheinlich ist ein großflächiger Stromausfall?
Auf Verivox-Anfrage bezeichnet das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) einen flächendeckenden, langanhaltenden Stromausfall als „sehr unwahrscheinlich, wenn auch nicht ausgeschlossen“. Allerdings hatte BBK-Chef Ralph Tiesler im November gesagt, die Bevölkerung müssen davon ausgehen, dass es im Winter in Deutschland regional und zeitlich begrenzte Unterbrechungen der Stromversorgung geben werde.

Wie kann ich sinnvoll vorsorgen?
Das eigene Smartphone sollte stets aufgeladen sein, rät Verivox, eventuell könne man auch auf einen vollen Ersatzakku zurückgreifen. Die Akkulaufzeit eines voll aufgeladenen Smartphones reiche bei sparsamer Nutzung in der Regel mindestens 24 Stunden, erläutert das Vergleichsportal. In den Smartphone-Einstellungen sollte der Energiesparmodus aktiviert werden. Dadurch werden viele Dienste deaktiviert und Strom eingespart. Bei noch funktionierendem mobilem Internet lassen sich etwa Warnmeldungen der App Nina des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfangen. Sollte das Mobilfunknetz nicht mehr erreichbar sein, kann das Smartphone immerhin noch als Notfall-Taschenlampe dienen. Vorsorglich sollten Verbraucher immer eine oder mehrere volle Powerbanks oder solarbetriebene Ladegeräte vorrätig haben. Im Notfall lässt sich das Handy damit aufladen.

Wie komme ich bei einem Blackout an wichtige Informationen?
Sind bei einem großflächigen Stromausfall sowohl das Festnetz als auch die Mobilfunknetze nicht mehr nutzbar, erhalten die Menschen auch keine aktuellen Informationen mehr per Internet. Das Fernsehen ist ebenfalls nicht nutzbar. Das BBK rät dazu, ein batterie- oder solarbetriebenes Radio anzuschaffen. Ein solches Radio ist laut Verivox recht günstig erhältlich und ermöglicht den Empfang von Warnmeldungen und behördlichen Informationen, die im Ernstfall von den öffentlich-rechtlichen Sendern verbreitet werden. Die Sender verfügen auch über eine Notstromversorgung.

Ein Vorrat an Reservebatterien ist ebenfalls erforderlich. Er sollte regelmäßig ausgetauscht werden, da die Haltbarkeit der Batterien begrenzt ist. Alternativ lassen sich ein Kurbelradio oder ein Radio mit Solarzellen verwenden. Auf dem Markt finden sich auch Kurbelradios mit USB-Anschluss, die ein Aufladen von Handys erlauben. Autofahrer können zudem ihr Autoradio nutzen, um sich über die aktuelle Lage zu informieren.

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