Meinung
Bei Erdgas hätte Deutschland längst nach Afrika schauen müssen
Auf den ersten Blick sieht es naheliegend aus. Russlands Krieg in der Ukraine hat es deutlich gemacht: Europa, vor allem Deutschland, muss sich dringend vom russischen Erdgas entwöhnen – und in Afrika wurden in den zurückliegenden Jahren mehr Reserven des fossilen Brennstoffs entdeckt als in jedem anderen Teil der Welt.
Doch wenn es um Erdgas geht, ist nichts so leicht, wie es aussieht. Denn der Handel mit dem flüchtigen Brennstoff ist mit milliardenschweren Investitionen verbunden: Entweder müssen Pipelines verlegt oder muss das Gas verflüssigt, verfrachtet und wieder verflüchtigt werden – ein Aufwand, der lange Vorbereitung und verlässliche Verträge erfordert.
Der richtige Mix
Auf die Schnelle geht also nichts: Weder der saubere Umstieg auf erneuerbare Energien, noch der schmutzige Rückschritt auf Kohle, noch das Ausweichen auf afrikanisches Gas. Damit hätte Berlin schon vor Jahren beginnen müssen – und muss es jetzt dringend forcieren, wenn Deutschland nicht länger als nötig von russischem Gas abhängig sein will.
Zu viel auf eine Karte zu setzen, ist beim Energieeinkauf allerdings genauso gefährlich wie an der Börse. Es gilt: Je größer die Streuung, desto größer die Sicherheit. Flüssiggas aus Afrika darf aber künftig in keinem Energiemix fehlen.
