Wirtschaft
BASF vor Neustart der TDI-Anlage
Nachdem das größte Investitionsprojekt der BASF-Geschichte, die TDI-Anlage, Ende November 2018 wegen Rohstoffmangels als Folge der niedrigen Rheinpegel abgeschaltet werden musste, läuft jetzt der Neustart an.
Eine Fabrik aus mehr als zehn Einzelanlagen
„Wir haben unsere Lagerbestände wieder ausreichend mit Rohstoffen wie Toluol aufstocken können. Wir starten jetzt schrittweise den Produktionsprozess von TDI und seiner Vorprodukte im Werk Ludwigshafen, wie es für solch eine integrierte Anlage üblich ist“, sagte ein BASF-Sprecher auf Anfrage der RHEINPFALZ. Es werde zwei bis drei Wochen dauern, bis der mehrstufige Anlagenverbund wieder TDI produziere. Die TDI-Fabrik besteht aus über zehn Einzelanlagen, die jetzt nacheinander wieder hochgefahren werden. Erst Ende Juni 2018 hatte die TDI-Anlage den Regelbetrieb aufgenommen: wegen vieler Pannen und Großreparaturen mit einer für die BASF völlig untypischen Verspätung von dreieinhalb Jahren. Kurz vor dem Start gingen, wie berichtet, die Preise für die Chemikalie TDI, aus der vor allem Weichschäume gemacht werden, auf rasante Talfahrt. Nachdem die Fabrik Ende November wieder heruntergefahren wurde, zeichnete sich eine Stabilisierung der TDI-Preise ab. Das Abschalten der TDI-Anlage – mit einer Jahreskapazität von 300.000 Tonnen eine der größten der Welt – habe nichts mit der Preisentwicklung zu tun, hatte die BASF im Dezember mitgeteilt. Obwohl die Rheinpegel nach starken Regenfällen Anfang Dezember deutlich gestiegen sind und sich die Versorgung des BASF-Stammwerks mit Rohstoffen seither stabilisiert, machte das Unternehmen lange Zeit keine Angaben zur voraussichtlichen Dauer des Stillstands der TDI-Anlage. Als Grund für das Abschalten wurde der Mangel am TDI-Ausgangsprodukt Toluol genannt, das üblicherweise per Schiff über den Rhein angeliefert wird.
Projekt TDI startete 2012
Der Bau der TDI-Fabrik war mit Kosten von gut 1 Milliarde Euro die größte Einzelinvestition in der bald 154-jährigen BASF-Geschichte. Das Projekt stand im Mittelpunkt einer 2012 gestarteten bisher einmaligen Runderneuerung des BASF-Stammwerks. Für den Verbund wichtige Vorstufen wurden modernisiert und erweitert. Die TDI-Produktion sollte nach ursprünglichen Plänen Anfang 2015 starten. Das Projekt steckte dann aber dreieinhalb Jahre lang in einer Pannenserie fest. Die Fabrik musste wegen technischer Probleme mehrfach stillgelegt werden. Großreparaturen waren fällig. Die Produktion lief zeitweise mit gedrosselter Kapazität. Erst Ende Juni des vergangenen Jahres war die Anlage dann in der geplanten Größenordnung gestartet worden.
Nachfragerückgänge aus der Automobilindustrie
Die TDI-Preise seien im Frühsommer 2018 in Erwartung des Produktionsstarts in Ludwigshafen gefallen, sagten Experten. Das Überangebot sei durch Nachfragerückgänge aus der Automobilindustrie – vor allem in Asien – verstärkt worden. Aus Toluoldiisocyanat – kurz TDI – werden Polyurethan-Schäume gemacht zur Herstellung von Autositzen, Lenkrädern, Matratzen, Sitzmöbeln und anderen Produkten. Dem Preisverfall vorausgegangen war ein steiler Anstieg der TDI-Notierungen. Davon profitierten die TDI-Anbieter – allen voran die Weltmarktführer BASF in Ludwigshafen und Covestro in Leverkusen – in Form von sehr hohen Gewinnmargen. Die BASF betreibt auch im brandenburgischen Schwarzheide, in Südkorea, China und den USA TDI-Anlagen mit einer Kapazität von zusammen 560.000 Tonnen im Jahr. Dadurch hat sie lange Zeit vom Höhenflug des TDI-Preises profitiert. Nach Erhebungen des Branchendienstes „Kunststoff Information“ lagen die Durchschnittpreise für eine Tonne TDI Anfang 2017 bei 1800 Euro. Bis April 2018 hatte sich der Preis pro Tonne bis auf 3600 Euro verdoppelt. Danach setzte der Absturz auf rund 2500 Euro ein. Seit Kurzem zeichne sich eine „Bodenbildung“ bei den Preisen ab.