Unternehmen RHEINPFALZ Plus Artikel BASF und Co.: Bürokratie-Berge blockieren Betriebe – Debatte um Industrie

Die BASF ist Mitinhaberin des aktuell größten Offshore-Windparks der Welt, dem Milliardenprojekt Hollandse Kust Zuid vor der nie
Die BASF ist Mitinhaberin des aktuell größten Offshore-Windparks der Welt, dem Milliardenprojekt Hollandse Kust Zuid vor der niederländischen Nordseeküste.

Prominente Vertreter von Großunternehmen aus der Region sehen die Ausrichtung auf klimafreundliches Wirtschaften und nachhaltige Entwicklung als Chance für den Industriestandort Rheinland-Pfalz. Die strenge Regulierung durch Brüssel erachten BASF, KSB und Renolit als Hürde. Das Thema Bildung schreiben sie groß.

Der größte Offshore-Windpark der Welt, energieeffiziente Industriepumpen und recycelbare Spezialfolien: Der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF, der Frankenthaler Pumpen- und Armaturenhersteller KSB und das ebenfalls weltweit aktive Chemieunternehmen Renolit aus Worms mit wichtigem Standort unter anderem in Frankenthal nennen Superlative zum Thema nachhaltige Entwicklung.

Vertreter dieser drei großen rheinland-pfälzischen Unternehmen waren am Dienstag im BASF-Gesellschaftshaus in Ludwigshafen Diskussionsgäste der Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz. Die ZIRP ist eine 1992 gegründete Denkfabrik. Sie soll durch öffentlich-privates Zusammenwirken samt Austausch von Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Kultur das Land Rheinland-Pfalz als Standort stärken.

Gerade widmet sich die ZIRP unter dem Aspekt „nachhaltig auf den Weltmärkten“ intensiv dem Industriestandort Rheinland-Pfalz und seinem Fortschritt beim Unterfangen, Umwelt- und Klimaschutz wirtschaftlich erfolgreich auszugestalten.

Auch „Teil des Problems“

Für die BASF, das führte Thorsten Pinkepank aus, Direktor Nachhaltigkeitsbeziehungen (Director of Sustainability Relations) beim Chemieriesen, bringe schon der erklärte Unternehmenszweck den Anspruch mit sich: Chemie für eine nachhaltige Zukunft entwickeln. Dennoch sei man sich bewusst, dass man mit seinen Chemikalien auch „Teil des Problems“ sei. Daher müsse man mit Chemikalien stets sorgsam umgehen.

Neben vielen Windkraftprojekten wie dem gerade eingeweihten Riesen-Offshore-Park Hollandse Kust Zuid (HKZ) vor der niederländischen Nordseeküste und zahlreichen Solarparks nannte Pinkepank die weltweit erste Demonstrationsanlage für großtechnische, elektrisch beheizte Steamcracker-Öfen als eine Vorzeigeinvestition der BASF. Sie soll bis Jahresende am Stammwerk Ludwigshafen in Betrieb gehen. Projekte wie diese sieht er als Beleg für Rheinland-Pfalz und Deutschland als Standorte gut ausgebildeter Fachkräfte und Forscher.

In Bildung und Digitalisierung investieren

„Solche Modellprojekte finden hier statt“, sagte Pinkepank. Es müsse künftig umso stärker in Bildung investiert werden und in Technologieoffenheit, sprich in Digitalisierung der Verwaltung. Deutschland dürfe sich nicht auf Erreichtem ausruhen.

Stephan Bross, dem Technik-Vorstand von KSB, geht es etwa bei der für das Unternehmen anstehenden Entscheidung über den Standort für einen Neubau der Fertigung von Pumpen der Eta-Familie viel um Flexibilität. Für die Zukunft des Standorts Rheinland-Pfalz und Deutschland sei auch jene Beweglichkeit entscheidend, beispielsweise die Flexibilität von Arbeitnehmern. „Es geht nicht darum Mitarbeitern etwas wegzunehmen“, sagte Bross. Es gehe darum, auch in Deutschland so flexibel zu sein, wie es an anderen Standorten normal sei. Bisher produziert KSB die Eta-Pumpen, mit denen sich oft rund 50 Prozent des klimaschädlichen CO2 einsparen lasse, am Hauptsitz Frankenthal. Ob die rund 70 Millionen Euro für eine neue Eta-Fertigung dort investiert werden oder etwa in Osteuropa, soll nach Unternehmensangaben bis Jahresende entschieden werden. Bross stellte seine Worte unter das Motto „global Verantwortung zeigen – Umwelttechnologie exportieren“.

Ein rheinland-pfälzisches Export-Beispiel

Das Etaline-Pro-System nannte er als rheinland-pfälzisches Export-Beispiel für energieeffiziente drehzahlgeregelte Pumpen, die den CO2-Ausstoß verringerten. Zudem empfahl Bross Photovoltaik-Anlagen, wie sie KSB verstärkt montiere, als sich schnell lohnende Investition.

Nachhaltige Entwicklung durch die Produktion von energieeinsparenden Spezialfolien etwa für Gebäude und Fahrzeuge und zudem durch Kunststoff-Recycling ist für Renolit ein großes Thema. So sei es für den 5000-Mitarbeiter-Konzern ein übergeordnetes Ziel, „unsere Kunststoffabfälle weltweit komplett intern zu recyceln und keine Kunststoffabfälle mehr an externe Recycler zu verkaufen“. Das führte der Renolit-Vorstandsvorsitzende Michael Kundel aus.

Überbordende EU-Bürokratie und zu viele Detailregelungen etwa zur zunehmenden Berichtspflicht nannten alle drei Unternehmensvertreter einen ganz großen Hemmschuh für mehr Wachstum. „Das Problem ist, all dieser Regulatorik Herr zu werden“, sagte Renolit-Chef Kundel. Europäische Unternehmen wie seines seien „bei nachhaltiger Entwicklung nicht vorne, weil wir stark reguliert sind, sondern weil wir von unserer Strategie der nachhaltigen Entwicklung überzeugt sind“.

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