Wirtschaft
BASF treibt Kunststoff-Recycling voran
Die BASF treibt ihr Projekt Chemcycling zur Nutzung von Kunststoffabfällen in der chemischen Produktion voran. Der Ludwigshafener Konzern beteiligt sich mit 20 Millionen Euro an Quantafuel. Die norwegische Firma mit Sitz in Oslo wandelt mit Pyrolyse fast alle Arten von Kunststoffmüll in Kraftstoffe und Basischemikalien um und ersetzt damit den Verbrauch von Öl und Gas.
Gemeinsam wollen die Partner die beim chemischen Recycling genutzte Technologie von Quantafuel – bestehend aus einem integrierten Pyrolyse- und Reinigungsprozess – weiterentwickeln und so die daraus gewonnenen Produkte für den Einsatz als Rohstoffe in der chemischen Industrie optimieren. Quantafuel will noch in diesem Jahr im dänischen Skive eine Pyrolyse- und Aufreinigungsanlage mit einer Jahreskapazität von rund 16.000 Tonnen in Betrieb nehmen. Die BASF erhält mit dem Start der Quantafuel-Fabrik für mindestens vier Jahre ein Vorkaufsrecht für die gesamte Menge an Pyrolyseöl und gereinigte Kohlenwasserstoffe aus dieser Anlage. Diese Rohstoffe aus Kunststoffrecycling wird die BASF für ihr Chemcycling-Projekt nutzen, um den Markt mit ausgewählten Kunden zu entwickeln.
Mit zehn Kunden aus verschiedenen Industrien hat die BASF im vergangenen Jahr Pilotprodukte auf den Weg gebracht. Dazu zählen Mozzarella-Beutel, Kühlschrankelemente und Dämmplatten. Die Herstellung dieser laut BASF „in Qualität und Hygiene anspruchsvollen Produkte wie Lebensmittelverpackungen“ sei möglich, weil die von der BASF gelieferte Chemcycling-Ware in ihren Eigenschaften exakt der aus fossilen Rohstoffen erzeugten entspreche. Diese neue Form des Recyclings biete Perspektiven für innovative Geschäftsmodelle für BASF-Kunden, die großen Wert auf Recyclingware legten.
Kennzeichnung als Recyclingware
Das recycelte Pyrolyseöl sei derzeit noch teurer als der konventionelle Chemierohstoff Naphtha, der aus Erdöl hergestellt wird, sagte ein BASF-Sprecher. Doch mit der Weiterentwicklung der Technologie und mit größeren Anlagen werde die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Naphtha angestrebt. Die Fertigprodukte könnten als Recyclingware gekennzeichnet werden und so für eine höhere Zahlungsbereitschaft bei umweltbewussten Verbrauchern sorgen.
Am BASF-Verbundstandort Ludwigshafen sollen die Sekundärrohstoffe in die Produktion eingespeist werden und dabei fossile Ressourcen teilweise ersetzen. Sobald die Quantafuel-Anlage in Dänemark ihre volle Kapazität erreicht, will die BASF erste kommerzielle Mengen auf der Basis von chemisch recycelten Kunststoffabfällen an Kunden liefern. Danach streben die BASF und Quantafuel außerdem den Bau von gemeinsamen Produktionsanlagen zur Herstellung von gereinigten Kohlenwasserstoffen mit chemischen Recyclingverfahren an.
Projekt läuft seit einem Jahr
Das aus Kunststoffabfällen gewonnene Pyrolyseöl wird im Ludwigshafener Stammwerk als Rohstoff in die Steamcracker eingespeist. Die erste Charge solchen Öls wurde vor einem Jahr von einem Steamcracker im Stammwerk verarbeitet. Der Steamcracker ist der Ausgangspunkt der Verbundproduktion. Er spaltet bei etwa 850 Grad Celsius diesen Rohstoff auf. Dabei entstehen im Wesentlichen Ethylen und Propylen. Aus diesen Basischemikalien werden zahlreiche Produkte hergestellt. Über ein Massenbilanzierungsverfahren kann der Anteil des recycelten Rohstoffs dem zertifizierten Endprodukt rechnerisch zugeordnet werden.
BASF-Chef Martin Brudermüller, der auch Forschungschef des Chemiekonzerns ist, sagte damals: „Ein verantwortungsvoller Umgang mit Kunststoffen ist entscheidend, um das globale Abfallproblem zu lösen. Das gilt sowohl für Unternehmen als auch für Institutionen und Verbraucher. Mit chemischem Recycling wollen wir hier einen signifikanten Beitrag leisten, die Menge des Kunststoffmülls zu reduzieren.“