Wirtschaft BASF: Strahlemann folgt Zahlenmann
«Ludwigshafen». Ein Aufatmen ging gestern durch das Ludwigshafener Stammwerk der BASF und durch Teile der Region, die mit dem Chemiekonzern zu tun haben: Mit Ablauf der Hauptversammlung am 4. Mai 2018 wird der derzeit stellvertretende Vorstandsvorsitzende Martin Brudermüller (56) als Nachfolger von Kurt Bock (59) Chef des Vorstands der BASF (Bericht auch auf Seite 1).
Das habe der Aufsichtsrat gestern entschieden, teilte das Unternehmen mit. Bock leitet das Unternehmen seit 2011 als Vorstandsvorsitzender. Seit 2003 ist er Mitglied des Vorstands. Mit dieser Weichenstellung werde es ermöglicht, dass Bock nach Ablauf der gesetzlichen zweijährigen sogenannten Abkühlungsphase im Jahr 2020 in den Aufsichtsrat gewählt werden und den Vorsitz des Aufsichtsrats übernehmen könne, so die BASF. Während Kurt Bock von vielen Mitarbeitern und auch im regionalen Umfeld als knochentrockener Zahlenmann wahrgenommen wird, strahlt sein designierter Nachfolger Martin Brudermüller mit einem mitreißenden Charisma. Bock hat zum Beispiel mit seinem harten Sparkurs und seiner Absage, nach dem Abriss der alten Konzernzentrale, des unter Denkmalschutz stehenden Engelhorn-Hauses, ein ebenbürtiges Nachfolge-Gebäude hinzustellen, viele vor den Kopf gestoßen. Nach dem schweren Explosionsunglück vom 17. Oktober 2016 mit fünf Toten und vielen Verletzten musste sich Bock scharfe Kritik anhören, weil er die Kommunikation nach außen nicht gleich selbst übernahm, sondern das erst einmal dem Standortchef Uwe Liebelt und der damaligen Arbeitsdirektorin Margret Suckale überließ. Bock äußerte sich öffentlich erst zehn Tage nach dem Unglück. Für viele BASF-Mitarbeiter sind Martin Brudermüller als Vorstandsvorsitzender und Michael Heinz, der im Mai dieses Jahres auf den Posten des Arbeitsdirektors und obersten Chefs des Stammwerks gewechselt ist, ein Dreamteam. Viele erwarten, dass es den beiden wieder besser gelingt, „die Menschen mitzunehmen auf dem Weg des Unternehmens“, wie es der frühere Arbeitsdirektor und Aufsichtsratsvorsitzende Eggert Voscherau (74) ausdrückte. Voscherau schied 2008 als Arbeitsdirektor und 2014 als Aufsichtsratschef aus. Seither ist von vielen Anilinern zu hören, dass der Typ Manager, der die Anliegen der Mitarbeiter verstehe und ernst nehme, nicht mehr stark genug vertreten sei. Das könnte sich im Sinn der BASF-Mitarbeiter bald ändern. Bocks Vorstandsvertrag wurde vom Aufsichtsrat unter dem Vorsitz von Jürgen Hambrecht (71) erst Mitte 2015 verlängert. Bocks Vertrag läuft eigentlich noch bis zum Frühjahr 2021. Obwohl er jetzt drei Jahre früher endet, wird voraussichtlich keine Abfindung für die entgangenen Bezüge gezahlt. Es gibt Hinweise darauf, dass im Fall von Bock so verfahren wird, wie beim früheren Vorstandsmitglied Harald Schwager. Auch Schwagers Vertrag war Mitte 2015 bis zum Frühjahr 2021 verlängert, dann aber vorzeitig im Mai 2017 beendet worden. Schwager hat der vorzeitigen Aufhebung seines Vertrags ohne die Zahlung einer Abfindung zugestimmt. Er erhält vertragsgemäß Übergangs- und Altersversorgungsleistungen, die denen bei ordentlichem Ablauf der Vorstandsbestellung entsprechen. Schwager ist seit 1. September stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Essener Spezialchemie-Konzerns Evonik. Zum neuen stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der BASF wurde Hans-Ulrich Engel (58) ernannt. Außerdem verlängerte der Aufsichtsrat die Verträge von Brudermüller, Engel und Sanjeev Gandhi (51) um fünf Jahre bis zur Hauptversammlung 2023. Mit den Veränderungen wird der Vorstand im Mai 2018 von acht auf sieben Mitglieder reduziert. „Der Wechsel im nächsten Jahr ist Teil der langfristigen Nachfolgeplanung für Aufsichtsrat und Vorstand der BASF“, wird Hambrecht in einer BASF-Mitteilung zitiert. „In den vergangenen sieben Jahren hat Kurt Bock als Vorsitzender des Vorstands das Unternehmen entscheidend geprägt und erfolgreich weiterentwickelt. Wir haben ihn gebeten, 2020 für den Aufsichtsrat der BASF zu kandidieren, damit das Unternehmen weiterhin von seinen Fähigkeiten und Erfahrungen profitieren kann. Mit Martin Brudermüller haben wir wieder einen überaus kompetenten und erfahrenen Nachfolger aus den eigenen Reihen“, so Hambrecht. Engel ist seit 2008 im Vorstand. Er war seitdem unter anderem für die Region Nordamerika mit Sitz in Florham Park/New Jersey zuständig. Seit 2011 ist er Finanzvorstand des Unternehmens. Kommentar/Porträt