Wirtschaft BASF startet Investitionsoffensive
«Ludwigshafen». Der Chemiekonzern BASF hat jetzt zwei große Investitionsprojekte im Umfang von zusammen 600 Millionen Euro angekündigt und mit dem Bau einer riesigen Anlage zur Herstellung der Chemikalie Acetylen in Ludwigshafen begonnen, deren Kosten bisher nicht beziffert wurden. Nach Informationen der RHEINPFALZ liegen sie bei einer halben Milliarde Euro.
Bis zu 400 Millionen Euro werde die BASF für den Bau einer Fabrik für Kathodenmaterialien in Europa ausgeben, teilte das Unternehmen mit. Solche Materialien werden vor allem zur Herstellung von Batterien für Elektroautos gebraucht. Fragen nach Standorten, die für den Bau der Fabrik geprüft werden, nach der Anzahl der entstehenden Arbeitsplätze und nach dem Zeitplan konnte eine BASF-Sprecherin gestern nicht beantworten. Im Ludwigshafener Stammwerk betreibt die BASF Batteriematerial-Forschung mit dem Ziel, sehr dünne Kathoden herzustellen und so die Energiedichte einer neuen Generation von Lithium-Ionen-Batterien deutlich zu erhöhen. Um sich die Versorgung mit den Rohstoffen für die Kathodenmaterialien zu sichern, hat die BASF exklusive Verhandlungen für die Lieferung von Nickel und Kobalt mit dem finnischen Bergbau- und Metallurgiekonzern Norilsk Nickel aufgenommen. Die Finnen gewinnen die Rohstoffe aus ihren Minen in Russland. Ende 2012 hat der Ludwigshafener Konzern in Elyria im US-Bundesstaat Ohio seine erste Kathodenmaterialien-Fabrik eröffnet. Mit den dort hergestellten Produkten stellen BASF-Kunden Lithium-Ionen-Batterien für den Antrieb von Hybrid- und Elektrofahrzeugen her. Der Bau der Fabrik mit 18 Mitarbeitern kostete gut 50 Millionen Dollar (nach heutigem Kurs rund 45 Millionen Euro). Das US-Energieministerium subventionierte das Projekt mit 24,6 Millionen Dollar und steuerte damit fast 50 Prozent der Investitionssumme bei. In Japan produziert die BASF Kathodenmaterialien in einem Gemeinschaftsunternehmen mit dem japanischen Toda-Kogyo-Konzern. Die BASF plant auch den Bau einer neuen, schätzungsweise über 100 Millionen Euro teuren Anlage mit sogenannten World-Scale-Ausmaßen für die Produktion des Schmerzmittels Ibuprofen in Ludwigshafen. Als World-Scale-Anlagen werden die weltweit größten Fabriken zur Herstellung eines bestimmten Produkts bezeichnet. Ibuprofen ist ein Pharmawirkstoff, der bei der Behandlung von Schmerzen, Fieber und Entzündungen eingesetzt wird. Die neue Produktionsanlage, die rund 50 Arbeitsplätze bieten wird, soll 2021 in Betrieb gehen. „Es wird die erste World-Scale-Produktionsanlage für Ibuprofen in Europa sein“, sagte Markus Kamieth, der vor gut einem Monat in den achtköpfigen BASF-Vorstand aufrückte. Um Lieferengpässe im Ibuprofen-Markt zu beseitigen, erweitert die BASF zusätzlich die Produktionskapazitäten am US-Standort Bishop in Texas. Das Investitionsvolumen liegt für beide Projekte zusammen bei rund 200 Millionen Euro. In die neue Ludwigshafener Anlage zur Herstellung der Chemikalie Acetylen investiert die BASF 500 Millionen Euro. Das ist etwa die Hälfte der Kosten des bisher größten Investitionsprojekts TDI-Anlage. Die läuft nach massiven technischen Problemen seit einigen Wochen mit einem kleineren Ersatzreaktor und gedrosselter Kapazität im Normalbetrieb. Geplanter Produktionsstart war Ende 2014. In der Spitze werden 1200 Beschäftigte von Fremdfirmen auf der Acetylen-Baustelle arbeiten. Bei der TDI-Anlage waren es bis zu 2000. Aktienchart/Kommentar