Ludwigshafen
BASF: Neuer Standortvertrag für Ludwigshafener Stammwerk
BASF-Chef Martin Brudermüller räumte vor wenigen Tagen ein, dass er die gravierenden Folgen des Coronavirus auf das Geschäft des Chemiekonzerns unterschätzt hat. Für den Jahresauftakt musste er einen Rückgang des Gewinns vermelden und wollte für das zweite Quartal 2020 sogar rote Zahlen nicht ausschließen. Jetzt legt der Chemiekonzern für sein Ludwigshafener Stammwerk eine Standortvereinbarung vor, die betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2025 ausschließt und auch noch deutlich höhere Investitionen am Standort vorsieht, als bisher vereinbart.
Der Vertrag, den am Mittwoch Unternehmensleitung und Arbeitnehmervertreter unterzeichnet haben, fand nicht nur Lob bei den Verhandlungspartnern. BASF-Vorstandsmitglied und Arbeitsdirektor Michael Heinz sagte, die Vereinbarung gebe Sicherheit und Zuversicht und drücke zugleich den Willen zur notwendigen Veränderung aus. Sie sei gelebte Sozialpartnerschaft und setze die traditionelle Erfolgsgeschichte der Standortvereinbarungen fort. Der BASF-Betriebsratsvorsitzende Sinischa Horvat nannte den Vertrag ein „ganz starkes Signal“ in all der gegenwärtigen Unsicherheit weltweit.
„Milliardenschweres Bekenntnis“ zu Ludwigshafen
Die Chemiegewerkschaft IG BCE bezeichnete die Vereinbarung als „milliardenschweres Bekenntnis“ zum Standort Ludwigshafen, das „Sicherheit in stürmischen Zeiten“ biete. Ludwigshafens Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) sagte, damit sei es gelungen, „auch unter schwierigen Rahmenbedingungen verlässliche Perspektiven für die Beschäftigten und für das ganze Werk auszuhandeln“. Die Standortvereinbarung für die rund 34.600 Mitarbeiter im Stammwerk tritt bereits am 1. Juni in Kraft und löst vorzeitig den aktuellen Standortpakt ab, der erst Ende des Jahres ausgelaufen wäre und aus dem Jahr 2015 stammt.
Die neue Vereinbarung sieht neben dem Kündigungsschutz vor, dass die BASF von 2021 bis einschließlich 2025 mindestens 7,5 Milliarden Euro für Investitionen, Modernisierung und Instandhaltung im Stammwerk aufwendet. In der auslaufenden Vereinbarung für 2016 bis 2020 waren hier 6 Milliarden Euro festgelegt. Zudem wird den Mitarbeitern am Standort im dritten Quartal 2020 erstmals ein vergünstigtes und von der BASF bezuschusstes Jobticket des Verkehrsverbundes Rhein-Neckar (VRN) angeboten. Mit dem VRN werde ein neues Modell entwickelt, das auch anderen Unternehmen angeboten werde.
Stammwerk als „Vorbild und Vorreiter“
Durch den Abriss und die Sanierung der Ludwigshafener Hochstraßen stehe die Region vor einer enormen Belastungsprobe, sagte der Ludwigshafer BASF-Werkleiter Uwe Liebelt. Mit dem Jobticket wolle die BASF ihren Mitarbeitern einen Anreiz zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel bieten. Das Unternehmen schätzt, dass 6000 bis 7000 Aniliner das neue Angebot nutzen könnten. Bei der BASF gibt es seit 1997 Standortvereinbarungen zuletzt mit einer Laufzeit von fünf Jahren. Die neue Vereinbarung ist die siebte in dieser Folge.
Der Standortpakt sichere die Rolle des Stammwerks als „Vorbild und Vorreiter“ für den gesamten Konzern, äußerten Unternehmensleitung und Arbeitnehmervertretungen, und stärke Ludwigshafen als wichtigsten Forschungsstandort der BASF. In den Verhandlungen habe man sich an einigen Stellen gerieben, sagte BASF-Vorstand Heinz, sie seien aber mit Respekt und in gegenseitigem Vertrauen geführt worden. Man sei sich der Bedeutung der Verhandlungen bewusst gewesen und am Ende stehe nun eine „gute Botschaft“, sagte BASF-Betriebsratschef Horvat.
Kommentar: Ein sicheres Gefühl