Recycling RHEINPFALZ Plus Artikel BASF kooperiert mit Outdoor-Ausrüster Vaude: Outdoor-Hosen aus Altreifen

Der Outdoor-Ausrüster Vaude will eine Kreislaufwirtschaft für seine Funktionsbekleidung aufbauen.
Der Outdoor-Ausrüster Vaude will eine Kreislaufwirtschaft für seine Funktionsbekleidung aufbauen.

Altreifen als Rohstoff für Kleidung: Ein Recycling-Projekt des Ludwigshafener Chemiekonzerns BASF macht es möglich. Der deutsche Outdoor-Ausrüster Vaude nutzt es für die neue Kollektion. Und das Saarland spielt dabei auch eine Rolle.

Zeitloses Design, robust, einfach zu reparieren, nachhaltig: So preist der Outdoor-Artikler Vaude im baden-württembergischen Tettnang am Bodensee schon mal seine kommende Produktlinie an, die im Mai dieses Jahres vorgestellt werden soll und die im März 2022 in den Handel kommt. Aber wie passt das ausgerechnet zu Altreifen?

Die BASF nennt es Chem-Cycling. Dabei geht es um chemisches Recycling etwa auch von Altreifen, vor allem aber von Kunststoffabfällen, die bislang energetisch verwertet – also zur Energiegewinnung verbrannt – oder deponiert werden. In einem chemischen Verfahren wird aus diesen Kunststoffen oder aus geschredderten Altreifen unter Hitzeeinwirkung eine Art Rohöl gewonnen, das Pyrolyseöl, das wiederum als Rohstoff in den BASF-Produktionsverbund des Ludwigshafener Stammwerkes eingespeist wird.

Saarländische Öl-Quelle

Das Pyrolyseöl liefern zwei Partner-Unternehmen, eines davon die Pyrum Innovations AG, ein Start-up-Technologieunternehmen mit Sitz im saarländischen Dillingen, das sich auf die Pyrolyse von Altreifen spezialisiert hat. Die BASF hat 16 Millionen Euro in Pyrum investiert, damit das Unternehmen seine Pyrolyse-Anlage in Dillingen erweitern kann. Pyrum kann derzeit bis zu 10.000 Tonnen Altreifen pro Jahr verarbeiten. Bis Ende 2022 sollen es laut Pyrum bis zu 25.000 Tonnen Altreifen pro Jahr werden. Daraus würden dann 6000 bis 7000 Tonnen Pyrolyseöl entstehen, das die BASF größtenteils abnehmen will. Die BASF hat laut Pyrum zugesagt, künftig bis zu 100.000 Tonnen des Öls abzunehmen.

Der Ludwigshafener Chemiekonzern will ab 2025 jährlich 250.000 Tonnen recycelte und abfallbasierte anstelle fossiler Rohstoffe verarbeiten – ein Ziel, das BASF-Chef Martin Brudermüller als „sehr ambitioniert“ bezeichnet.

Vaude will mehr

Das Pyrolyseöl aus Altreifen ersetzt teilweise fossile Ressourcen. Am Ende des Produktionsprozesses stehen dann BASF-Produkte, die exakt die gleichen Eigenschaft haben wie aus fossilen Rohstoffen hergestellte. Kunden können diese daher auf die gleiche Weise weiterverarbeiten wie konventionell hergestellte Produkte. Der Anteil des recycelten Rohstoffs wird anhand eines Massenbilanzansatzes rechnerisch den Endprodukten zugeordnet. So entsteht aus Pyrolyseöl etwa das Produkt Ultramid Ccycled, das laut BASF auch Anwendungen mit hohen Qualitäts- und Leistungsanforderungen in der Textilindustrie bedienen kann: wie etwa Outdoor-Hosen von Vaude. Und hier schließt sich der Kreis zu den Altreifen.

CO2-Fußabdruck reduzieren

Vaude will so zunächst zwei Wanderhosen-Modelle herstellen, für die große Stückzahlen geplant seien, wie René Bethmann, Innovation Manager bei Vaude sagt. Aber das Unternehmen in Tettnang mit rund 550 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von zuletzt 110 Millionen Euro strebe an, die Chem-Cycling-Kooperation mit der BASF auf weitere Produkte und Materialien auszuweiten. Vaude sei das erste Unternehmen in der Textilwirtschaft, das Chem-Cycling für seine Produkte nutze, sagte Bethmann. „Wir möchten Vorreiter sein, wenn es darum geht, eine Kreislaufwirtschaft für unsere Funktionsbekleidung aufzubauen.“ Vaude wolle einen messbaren Beitrag für die Umwelt leisten. Die Verringerung des Bedarfs an primären fossilen Ressourcen und die reduzierten CO2-Emissionen für unsere Produkte leisteten einen messbaren Beitrag für die Umwelt. „Durch die Nutzung von Ultramid Ccycled können wir den CO2-Fußabdruck um mehr als die Hälfte reduzieren“, sagt Bethmann.

Andreas Kicherer, von der BASF-Einheit Sustainability Strategy mit einer Flasche Pyrolyseöl, das aus Altreifen und Kunststoffabf
Andreas Kicherer, von der BASF-Einheit Sustainability Strategy mit einer Flasche Pyrolyseöl, das aus Altreifen und Kunststoffabfällen gewonnen wird.
Geschredderte Altreifen werden von Partnerunternehmen zu Pyrolyseöl weiterverarbeitet.
Geschredderte Altreifen werden von Partnerunternehmen zu Pyrolyseöl weiterverarbeitet.
x