Wirtschaft
BASF: Keine Probleme mit Niedrigwasser absehbar
Der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF, der 2018, wie andere Unternehmen auch, massive Probleme durch das dürrebedingte extreme Niedrigwasser im Rhein hatte, erwartet derzeit keine Wiederholung der Transportschwierigkeiten. Die extreme Trockenheit setzt dem deutschen Wald dagegen heftig zu.
Im Jahresdurchschnitt werden 40 Prozent der ein- und ausgehenden Transporte des größten Chemie-Areals der Welt in Ludwigshafen mit 200 Produktionsanlagen und 35.300 Mitarbeitern per Binnenschiff abgewickelt. Weil in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres kaum noch Schiffe fahren konnten, musste die BASF-Produktion stark gedrosselt werden. Das Unternehmen erlitt dadurch eine Gewinneinbuße von einer Viertel Milliarde Euro.
Für die nächsten Wochen rechnet die BASF mit leichtem bis mittlerem Niedrigwasser ohne Auswirkungen auf die Logistik. Um den Standort widerstandsfähiger gegen langanhaltendes Niedrigwasser zu machen, arbeitet die BASF an einem Konzept mit mehreren Maßnahmen. Zum Beispiel entwickelt die BASF ein Frühwarnsystem für Niedrigwasser mit einer angestrebten Vorwarnzeit von vier Wochen. Zur Verbesserung der Pegelvorhersagen arbeitet das Unternehmen mit den Experten der Bundesanstalt für Gewässerkunde zusammen. „Durch die Vernetzung von Daten aus verschiedenen Quellen werden wir dann künftig genauere Langzeitprognosen für Wetter, Wasserstände und Lieferketten erstellen können“, sagte ein BASF-Sprecher der RHEINPFALZ.
Mehr Lagertanks und Flachwasser-Schiffe
Mit Blick auf das Thema Kühlwasser für die Produktion hat die BASF die bestehenden Rückkühlanlagen optimiert und erweitert deren Kapazität. Mit Rückkühlwerken kann Rheinwasser mehrmals zum Kühlen verwendet werden, bevor es wieder in den Fluss zurückgeleitet wird. Darüber hinaus wurde die Steuerung des Kühlwasser-Netzes umgestellt. „Diese Maßnahmen ermöglichen es uns, ein Wetter-Szenario wie 2018 zu beherrschen“, sagte der BASF-Sprecher.
Bezüglich der Logistik wurden für Niedrigwasser geeignete Schiffe gechartert. Zudem werden Ladestellen flexibilisiert, um künftig einfacher zwischen den verschiedenen Verkehrsträgern wechseln zu können. Außerdem wird mit Partnern ein BASF-eigener Schiffstyp entwickelt, der für extreme Niedrigwasser-Situationen ausgelegt wird. Die BASF baut zudem zusätzliche Lagertanks. Damit könne die Rohstofflücke, die 2018 entstanden ist, zu 60 bis 70 Prozent vermieden werden.
Schlecht sind dagegen die Aussichten für den Wald in Deutschland. Laut Waldbesitzern, Forstexperten und Umweltschützern kommt es derzeit bundesweit zu massiven Waldschäden durch Dürre und Schädlinge in einem bisher unbekannten Ausmaß. Grund ist Umweltstress durch die seit dem vergangenen Jahr anhaltende extreme Trockenheit in Deutschland.
Waldbesitzer fordern Hilfen
Die deutschen Waldbesitzer fordern höhere finanzielle Hilfen als zuletzt von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) in Aussicht gestellt. Allein die Aufarbeitung des durch Dürre und Trockenheit entstandenen Schadholzes von bisher rund 70 Millionen Festmeter koste über 2 Milliarden Euro. Die von Klöckner genannten rund 500 Millionen Euro würden „nicht reichen“, sagte der Präsident der Arbeitsgemeinschaft deutscher Waldbesitzerverbände, Hans-Georg von der Marwitz (CDU). Hinzu kämen noch die Wiederaufforstungs-Maßnahmen.
Weil es öfter und heftiger stürmt, weniger regnet und sich immer mehr Schädlinge ausbreiten, ist der Wald nach Aussagen des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) massiv geschädigt. Der BUND spricht nach dem Waldsterben in den 1980er-Jahren bereits vom „Waldsterben 2.0“. Der Bund Deutscher Forstleute sieht den Wald gar vor dem Kollaps: „Der Wald ist der Klimaretter schlechthin, aber aktuell ist der Wald selbst Opfer der Klimakatastrophe.“
Klöckner wies darauf hin, dass der Wald mit widerstandsfähigen Laubbäumen durchmischt werden muss und nicht nur einheimische Arten künftig in deutschen Wäldern stehen sollen. Der Wald sei in Gefahr, der Waldumbau eine Generationenaufgabe im Dienste der Kinder und Enkel. Der Wald müsse in der Klimadebatte deshalb Priorität bekommen. Grüne und Linke fordern mehr Investitionen in naturnahe Baumbestände. Bund und Länder sollten ein Zehntel ihrer Waldflächen nicht mehr wirtschaftlich nutzen und damit die „Urwälder der Zukunft“ entstehen lassen, sagte Grünen-Chef Robert Habeck. Linke-Chefin Katja Kipping forderte einen „Kohlendioxid-Bonus“ für Waldbesitzer, die widerstandsfähige, naturnahe Mischwälder anpflanzen.
mit dpa und afp