Corona-Pandemie RHEINPFALZ Plus Artikel BASF-IT: „Das Team ist extrem stolz“

Stefan Beck ist für die Digitalisierung der Arbeitsplätze bei der BASF zuständig. Er arbeite derzeit im Homeoffice.
Stefan Beck ist für die Digitalisierung der Arbeitsplätze bei der BASF zuständig. Er arbeite derzeit im Homeoffice.

40.000 von weltweit 100.000 Mitarbeiter der BASF arbeiten wegen der Corona-Pandemie aktuell von zu Hause aus. Wie so vieles bei der BASF, so sind auch die Herausforderungen für die Experten der Informationstechnik größer als bei anderen Unternehmen. Gerade jetzt.

Abstand: Das ist das Gebot in der Corona-Pandemie. Privat und am Arbeitsplatz. Zehntausende Arbeitnehmer in Deutschland arbeiten deswegen derzeit zuhause – Homeoffice lautet der neudeutsche Begriff dafür. Schnelle Absprachen zwischen Kollegen über den Flur – vorerst vorbei. Mails, Videokonferenzen, Messengerdienste sollen den direkten Austausch ersetzen – sofern die Technik funktioniert. Seit Corona ist es nicht einfacher geworden, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, aufrecht zu erhalten und womöglich zu erweitern. Denn die Anzahl der Nutzer von Datenleitungen, Serverkapazitäten, internetbasierten Telefondiensten, Videodienstleistern und, und, und stieg seither weltweit sprunghaft an. Die BASF mit ihren global mehr als 100.000 Mitarbeitern ist dafür ein Paradebeispiel.

Dramatisch erhöhter Bedarf an elektronischen Arbeitsmitteln

Der in sehr kurzer Zeit dramatisch erhöhte Bedarf nach elektronischen Arbeitsmitteln ist für alle Unternehmen eine Riesenherausforderung – das gilt auch den Chemieriesen. Ein Stresstest für Arbeitgeber und Mitarbeiter. „Die eigentliche Herausforderung war, die vorhandenen Technologien ab dem 15. März so schnell hoch zu skalieren in einem Umfang, den wir so noch nicht kannten“, umreißt Stefan Beck, zuständig für die Digitalisierung der Arbeitsplätze bei der BASF, die Problematik. Hunderte von Mitarbeitern seien damit befasst, zudem ein Taskforce genanntes Team von 40 Experten, die sieben Tage die Woche rund um die Uhr die technische Unterstützung in Problemfällen leisten, die die Systeme anpassen und erweitern. „Wir müssen dafür alle Gelegenheiten nutzen“, betont Beck. Bisher habe man sich auf das Nötigste beschränkt. Dabei habe die BASF den Vorteil, schon seit Jahren über weltweit standardisierte Computersysteme zu verfügen.

IT-Ticker informiert aktuell über Störungen

Um die Experten von überflüssigen Anfragen zu entlasten, vor allem aber als Service für die Mitarbeiter hat das Technikteam einen internen Liveticker eingerichtet, der ausschließlich über die aktuell vorliegenden Störungen der Informationstechnologie (IT) informiert. Drei Mitarbeiter machten nichts anderes, als diesen permanent zu füttern. So sei jeder Mitarbeiter jederzeit im Bilde, welche Funktionen gerade nicht verfügbar sind. Die Anzahl der Nutzer-Beschwerden sei deutlich zurückgegangen. Und überhaupt: Die Wertschätzung für die technische Unterstützung, die das IT-Team leistet, sei gestiegen, es gebe viel positive Rückmeldung. „Das ist Ansporn und Motivation für uns alle“, betont Beck. Gerade in den ersten Wochen habe es für die gesamte Truppe sehr lange Tage und sehr kurze Nächte gegeben. Er kann sich gut vorstellen, dass es dafür eine spezielle Anerkennung geben wird – in hoffentlich bald ruhigeren Zeiten.

Von 9000 auf 32.000 verschlüsselte Datenwege in sechs Wochen

Damit die IT funktioniert, ist das Unternehmen auch auf seine Partner und Dienstleister angewiesen. Es sei „unglaublich“, was diese seit Beginn des Jahres, als sich der riesige Mehrbedarf abzuzeichnen begann, geleistet hätten. „Die Partner haben in den vergangenen Wochen erhebliche Anstrengungen unternommen“, ist Beck voll des Lobs. Zudem zeigten sie sich bei den Verträgen kulant, keiner nutze die Situation zu seinen Gunsten aus. Zusammen ist es gelungen, dass derzeit 40.000 BASF-Mitarbeiter von zu Hause aus ihrer Arbeit nachgehen können – ein Mehrfaches im Vergleich zu normalen Zeiten. Vor der Pandemie arbeiteten maximal 9000 von ihnen mit elektronischen Geräten, die über gesicherte, verschlüsselte Datenwege mit den Netzwerken des Unternehmens verbunden waren. Anfang April hatte das IT-Team die Menge auf 32.000 hochgeschraubt.

Konferenzen am Laptop, Chats am Computer

Konferenzen finden jetzt am Laptop, Telefonkonferenzen am Mobiltelefon, Chats am Computer statt. Es gibt mehrere Anbieter für Telefon- und Videomeetings, ebenso mehrere Programme für Chats sowie diverse cloudbasierte Möglichkeiten zur Textablage und Zusammenarbeit in Teams und Projekten. Auch Mitarbeiterveranstaltungen, Weiterbildungsmaßnahmen und Schulungen finden im virtuellen Raum statt. Die Anzahl der Video-Meetings schoss entsprechend in die Höhe: Waren es im Dezember des vergangenen Jahres weltweit rund 110.000, kommunizierten die BASF-Mitarbeiter im März fast viermal so oft, rund 394.000 Mal, über dieses elektronische Hilfsmittel. In den vergangenen Wochen waren es im Schnitt 25.000 – pro Tag. „Es ist wichtig für die Mitarbeiter, dass sie sich bald mal wieder per Video sehen können“, sagt Beck, der derzeit selbst im Homeoffice arbeitet – und von dort über mehrere Bildschirme den Überblick über die Funktionalität der IT weltweit behält. Ein Ampelsystem mit grünen, gelben und roten Symbolen macht es möglich.

„Digitale Grundversorgung“ gesichert

Allerdings, nicht immer funktioniert alles. Auch die Videokonferenz mit der Autorin wurde wegen schlechter Tonqualität flugs aufs Telefon verlegt. „Wir stoßen an Grenzen“, räumt Beck ein. So gebe es die globale Richtlinie, Videomeetings einzuschränken und verstärkt Audiokonferenzen zu nutzen. Grundsätzlich aber stelle sich nun, retrospektiv, „eine gewisse Überraschung ein, dass wir das geschafft haben“. Es sei auch viel Erleichterung dabei, gibt er offen zu. Die „digitale Grundversorgung“, wie er es nennt, sei gewährleistet. Gleichwohl überlege man sehr genau, welche Projekte gemacht und welche Investitionen geschoben werden könnten.

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