Wirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel BASF hat Schwarzheide für Millionen-Investition im Blick

Seit der Übernahme des Chemiestandorts Schwarzheide 1990 hat die BASF dort gut 1,6 Milliarden Euro investiert.
Seit der Übernahme des Chemiestandorts Schwarzheide 1990 hat die BASF dort gut 1,6 Milliarden Euro investiert.

Der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF wird demnächst entscheiden, wo die neue Batteriematerialien-Fabrik für Elektroautos gebaut wird. Nach RHEINPFALZ-Informationen erhält voraussichtlich der brandenburgische BASF-Standort Schwarzheide den Zuschlag für die Großinvestition von 400 Millionen Euro.

Die BASF prüfe verschiedene Standorte in Europa für den Bau neuer Produktionsanlagen für Kathodenmaterialien, sagte ein Sprecher des Unternehmens auf Anfrage. Darunter sei auch Schwarzheide. Es gebe aber noch keine finale Entscheidung. Der Standort Schwarzheide mit 15 Produktionsanlagen zählt 1780 Mitarbeiter. Der Jahresumsatz liegt bei 1 Milliarde Euro. Produziert werden unter anderem Pflanzenschutzmittel, Lacke, technische Kunststoffe und die Chemikalie TDI. Das ist der Ausgangsstoff zu Herstellung von Polyurethanen. Aus Polyurethan-Schäumen werden vor allem Matratzen, Autositze, Lenkräder, Sitzmöbel, Kissen und Schuhsohlen hergestellt. Nachdem die BASF im Ludwigshafener Stammwerk im Juli ihre neue, gut 1 Milliarde Euro teure TDI-Anlage mit einer Jahreskapazität von 300.000 Tonnen in Betrieb genommen hat, soll die 80.000-Tonnen-Fabrik in Schwarzheide stillgelegt werden. Es gebe noch keinen Termin für das Abschalten, sagte ein BASF-Sprecher. In der Anlage arbeiten derzeit noch 90 Beschäftigte. 2012, als die BASF den Bau der neuen TDI-Fabrik in Ludwigshafen bekanntgab, waren es 300. Die Inbetriebnahme der Ludwigshafener Anlage hat sich, wie berichtet, durch eine Serie von Pannen und Großreparaturen um dreieinhalb Jahre verzögert.

Tiefgreifender Strukturwandel in der Lausitz

Entscheidet der BASF-Vorstand wie erwartet, dürfte das für Begeisterung im südbrandenburgischen Schwarzheide und im Landkreis Oberspreewald-Lausitz sorgen. Denn in der Lausitz läuft mit dem Wegfall vieler Arbeitsplätze im Braunkohle-Tagebau und in Braunkohlekraftwerken ein tiefgreifender Strukturwandel. Die Region brauche 20.000 neue Industriearbeitsplätze, sagen Experten. Die BASF macht noch keine Angaben darüber, wie viele Jobs in der neuen Fabrik für Kathodenmaterialien entstehen werden. Doch Investitionen in der Chemie sind meist sehr kapitalintensiv. Das heißt, mit hohen Investitionssummen werden nur wenige Arbeitsplätze geschaffen. Ende 2012 hat der Ludwigshafener Konzern in Elyria im US-Bundesstaat Ohio seine erste Kathodenmaterialien-Fabrik eröffnet. Mit den dort hergestellten Produkten stellen BASF-Kunden Lithium-Ionen-Batterien für den Antrieb von Hybrid- und Elektrofahrzeugen her. Der Bau der Fabrik mit 18 Mitarbeitern kostete gut 50 Millionen Dollar (nach heutigem Kurs rund 43,5 Millionen Euro). Das US-Energieministerium subventionierte das Projekt mit 24,6 Millionen Dollar und steuerte damit fast 50 Prozent der Investitionssumme bei. In Japan produziert die BASF Kathodenmaterialien in einem Gemeinschaftsunternehmen mit dem japanischen Toda-Kogyo-Konzern.

Bislang Abhängigkeit von asiatischen Herstellern

Eine neue Fabrik für Batteriematerialien würde in Schwarzheide zwar neue Jobs in eher geringem Umfang schaffen. Sie könnte aber zum Kern einer von Politik und Wirtschaft für notwendig erachteten europäischen Wertschöpfungskette für die Elektromobilität werden. Bisher herrscht bei Batteriezellen noch eine vollständige Abhängigkeit von asiatischen Herstellern. Viele Automobilkonzerne stellen zwar Batterien her. Doch die dafür verwendeten Zellen kommen aus Asien. Die BASF selbst stellt keine Batterien für Elektroautos her, bezeichnet ihre Kathodenmaterialien aber als Herz der Batterien für E-Mobilität. Der Ludwigshafener Konzern beliefert alle führenden Zellenhersteller mit Batteriematerialien und erwartet weiteres Wachstum in diesem Bereich.

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