Unternehmen RHEINPFALZ Plus Artikel BASF spürt starken Gegenwind

BASF-Anlage in Ludwigshafen.
BASF-Anlage in Ludwigshafen.

Der Ludwigshafener Chemiekonzern rechnet vorerst nicht mit einer Belebung seines Geschäfts. Der Stellenabbau beschleunigt sich.

BASF-Chef Markus Kamieth konnte am Freitag keinen positiven Ausblick auf das Geschäft des Chemiekonzerns geben. „Aus heutiger Sicht rechnen wir kurzfristig weder mit einer nennenswerten Markterholung noch mit einer deutlichen Entspannung der geopolitischen Lage“, sagte der Vorstandsvorsitzende. Der Start ins erste Quartal 2026 habe sich daher wie erwartet „herausfordernd gestaltet“.

2026 werde voraussichtlich ein weiteres Übergangsjahr, sagte Kamieth, in dem die Chemieindustrie mit deutlichem Gegenwind rechnen müsse. „Die meisten der angestrebten Verbesserungen werden wir aus eigener Kraft erzielen müssen“, sagte der BASF-Chef. Kamieth erwartet eine schrittweise Erholung des globalen Marktumfeldes erst „später in 2026 und vor allem 2027“. Kurzfristig sei die Nachfrage besonders durch die geo- und handelspolitischen Unwägbarkeiten belastet.

So fiel auch die Prognose des Konzerns für dieses Jahr verhalten aus. Die für das Unternehmen besonders wichtige Gewinnkennzahl Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EbitDA) und vor Sondereinflüssen sieht der Konzern 2026 zwischen 6,2 Milliarden und 7,0 Milliarden Euro (2025: 6,6 Milliarden Euro).

Tausende Stellen fallen weg

Eine der Prioritäten für die BASF in diesem Jahre ist es, die Kosten weiter zu senken. Damit kommt der Konzern bislang schneller und besser voran, als geplant, wie BASF-Finanzvorstand Dirk Elvermann erläuterte. Bis Ende 2026 erwartet er nun jährliche Kosteneinsparungen von 2,3 Milliarden Euro statt der bisher genannten 2,1 Milliarden Euro. Der Kostensenkung widme die BASF weiterhin höchste Aufmerksamkeit, sagte Elvermann. Die Kosten sollen vor allem am Standort Ludwigshafen gesenkt werden. Damit ist auch ein erheblicher Abbau von Tausenden Stellen verbunden. Während der Konzern regelmäßig über den Fortschritt bei der Höhe der Kostensenkung informiert, hat er bislang den erwarteten Arbeitsplatzabbau in Ludwigshafen nicht beziffert. Der Abbau von Stellen in Ludwigshafen werde weitergehen, sagte BASF-Chef Kamieth am Freitag, er werde aber „auch heute“ keine Zielzahl dazu herausgeben.

Wohnungsverkauf irritiert

Zuvor hatte Finanzchef Elvermann erläutert, dass die BASF im Rahmen der Kostensenkung zwischen Dezember 2023 und Dezember 2025 weltweit die Anzahl der Führungskräfte um 11 Prozent verringert habe. Die Anzahl der Mitarbeitenden, so Elvermann weiter, sei in dieser Zeit um rund 4800 zurückgegangen. Wie ein BASF-Sprecher später präzisierte, entfielen davon 2450 Stellen auf Deutschland. Der größte Teil dürfte dabei Ludwigshafen betreffen. Zugleich seien an dem neuen Verbundstandort Zhanjiang in China rund 1000 Mitarbeitende eingestellt worden.

Für die BASF SE, die dem Ludwigshafener Stammwerk entspricht, gibt der Chemiekonzern in seiner am Freitag vorgelegten Bilanz die Belegschaftsstärke Ende 2025 mit 32.190 an. Das waren 1180 Mitarbeitende weniger als ein Jahr zuvor. Damit hat sich der Personalabbau in Ludwigshafen weiter beschleunigt. 2024 waren in der BASF SE 843 Stellen abgebaut worden. Zusammen ergibt sich damit ein Abbau von knapp über 2000 Stellen. Wie bereits berichtet, ist die Beschäftigung im Stammwerk damit so niedrig wie seit 70 Jahren nicht mehr.

Vor wenigen Tagen hatte die BASF angekündigt, rund 4400 Wohnungen im Raum Ludwigshafen aus ihrem Bestand bis Anfang 2027 verkaufen zu wollen. Betroffen davon sind mehr als 10.000 Mieter. 1400 weitere Wohnungen will der Konzern weiterhin behalten. BASF-Chef Kamieth sagte am Freitag, er könne sehr gut Verunsicherung und Irritation der Mieter nachvollziehen. Er selbst sei in einer Knappschaftswohnung der Ruhrkohle aufgewachsen, die verkauft worden sei. Damals hätten sich seine Eltern auch große Sorgen gemacht. Aber es sei gut gegangen. Die BASF werde bei dem Verkauf so verantwortungsvoll wie möglich vorgehen, sagte Kamieth, und verwies darauf, dass die BASF von potenziellen Käufern Zugeständnisse und Garantien für die Mieter erwarte. Aus Sicht des Unternehmens sei der Wohnungsbestand gebundenes Kapital in signifikanter Höhe, das die BASF in herausfordernden Zeiten an anderer Stelle gut gebrauchen könne. Hier gehe es um einen balancierten Ansatz.

Lob für Standort in China

Der BASF-Chef lobte den Start des neuen Verbundstandortes in Zhanjiang im Süden Chinas. Dort seien alle 32 wesentlichen Produktionslinien erfolgreich in Betrieb genommen worden – im Zeitplan und unter Budget. Das sei eine bemerkenswerte Leistung. Der Steamcracker dort, das Herz des Produktionsverbundes, sei im Februar auf Volllast gelaufen, sagte Kamieth.

Im vierten Quartal 2025 sei der Umsatz deutlich um 5,6 Prozent zurückgegangen, erläuterte Kamieth. Das habe an erheblichen Währungsbelastungen und etwas niedrigeren Preisen gelegen. Zugleich seien aber etwas höhere Absatzmengen erreicht worden. In China sei das Volumen um bemerkenswert 13 Prozent gestiegen. Solide sei das Wachstum auch in Nordamerika gewesen. In Europa gingen die Mengen leicht zurück. Im Vergleich zum vierten Quartal 2024 seien die Preise in fünf der sechs BASF-Segmente zurückgegangen. Kamieth erwartet in Europa und in China allerdings keine weiteren dramatischen Preissenkungen. Hier sei der Boden erreicht.

Die für die BASF wichtige Gewinnkennzahl EbitDA vor Sondereinflüssen erreichte im vierten Quartal 1 Milliarde Euro gegenüber 1,4 Milliarden Euro im Vorjahresquartal.

wirtbasf25
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