Ludwigshafen
BASF-Azubis sind bald alle zurück im Werk
Es ist eine Rückführung von Massen – in einer Zeit, in der Massenveranstaltungen verboten sind. Das ist ein Widerspruch und deswegen keine kleine Herausforderung: 2300 junge Menschen, die bei der BASF eine Ausbildung machen, ein duales Studium absolvieren oder ein Start-Programm durchlaufen, werden derzeit aus dem Homeoffice nach und nach und unter Wahrung aller Hygiene- und Abstandsregeln, die die Corona-Pandemie abverlangt, zurück ins Werk in Ludwigshafen geholt. „Die BASF ist ein verlässlicher Ausbildungspartner, der Ausbildung auf hohem Niveau anbietet. Corona stellt diesen Anspruch vor besondere Herausforderungen“, sagt Markus Hermann, Leiter der Aus- und Weiterbildung am Standort Ludwigshafen des Chemiekonzerns.
Seit Mitte März wurden die jungen Leute virtuell zu Hause geschult, per Tablet und in Video- und Audiokonferenzen, mit Lerngruppen in Chats oder auf gemeinsam nutzbaren, virtuellen Plattformen. Doch die praktische Arbeit im Betrieb ist ebenso wichtig wie die Theorie, sie ist ein wesentlicher Teil der dualen Ausbildung. Weswegen klar war, dass es – entsprechend dem Verlauf des Infektionsgeschehens – ein „Rückholprogramm“ für den Nachwuchs ins Werk würde geben müssen.
Ausbildungsjahrgänge kommen gestaffelt zurück
Dieses sieht vor, dass die Jahrgänge gestaffelt wieder ins Stammwerk kommen. Die Reihenfolge, nach der dies passiert, ist logisch: jene Azubis zuerst, die im Sommer ihre Prüfungen ablegen, dann diejenigen, die im Winter vor Prüfungen stehen, danach der Rest. „Seit 4. Mai kommen die Jugendlichen schrittweise – beginnend mit den prüfungsnahen Auszubildenden – zurück, und seither haben wir mehr oder weniger Normalbetrieb“, sagt Hermann. Und will damit sagen: Der Ausbildungscampus mit seinen 140 Ausbildern ist seither „voll aktiviert“. Es sei spannend gewesen zu erleben, auf welchem Wissensstand sich die jungen Leute bei ihrer Rückkehr befanden. Nämlich? „Wir sind begeistert, wir haben sehr viele positive Rückmeldungen der Ausbilder.“ Die Erleichterung und Freude, wieder ein Stück Normalität im Leben zurückzuhaben, ist bei den jungen Menschen anscheinend ebenfalls groß: Er habe „sehr viele lachende Gesichter gesehen“ an diesem 4. Mai, erinnert sich Hermann.
Die Rückkehrplanung war – und ist es in Teilen noch – eine logistische Herausforderung: Im Ausbildungscampus mussten alle Wege, sämtliche Arbeitsplätze so gestaltet sein, dass mit Abstand gearbeitet werden kann, sich niemand unnötig begegnet, dass Sanitäreinrichtungen in ausreichendem Maß zur Verfügung stehen, Hände oft genug gewaschen und desinfiziert werden können.
Fußwege als Einbahnstraße
Seit Mitte Juni dürfen die Nachwuchs-Aniliner auch wieder in die Betriebe und Labore. Und auch dort gilt: Es wurden Einbahnstraßen bei den Wegen eingerichtet, mehr Waschbecken und Desinfektionsspender installiert. Alle Betreuer vor Ort – 1400 in 125 Betrieben – wurden und werden in diesen Tagen darin geschult, auf was zusätzlich zu achten ist und wie sie mit der Situation umgehen sollten. „Das ist ein ganz großer Aufwand, den wir betreiben, weil uns die Sicherheit und Gesundheit unserer Mitarbeiter am Herzen liegen“, betont Hermann.
Auch die Azubis wurden zu Hause virtuell auf die Rückkehr in die Praxis vorbereitet – mit dem Ziel, auch nach ihrer Rückkehr die Gesundheit des Einzelnen und somit aller zu erhalten. Und nicht zuletzt: das Werk am Laufen zu halten. Dafür werden beispielsweise die volljährigen Chemikanten-Azubis, die normalerweise in der Tagschicht arbeiten, in die Schichtpläne integriert. Denn: „Die Tagschicht begegnet praktisch allen anderen Schichtmitarbeitern. Wenn ein Azubi erkrankt, wäre die Infektionsgefahr für alle anderen in dem Betrieb groß.“ Mit dem Schichtmodell gewährleistet das Unternehmen die Produktionssicherheit – zumindest hinsichtlich einer möglichen Infektionsquelle durch die jungen Nachwuchskräfte. Und wie kommt das neue Arbeiten an? „Gut, das hat für die Betroffenen ja auch Vorteile“, sagt Hermann – beispielsweise eine höhere Bezahlung. Auch die Arbeitnehmervertreter, mit denen man sich auf diese Lösung verständigt habe, hätten eine hohe Flexibilität bewiesen, lobt der ausgebildete Jurist, der zuletzt für die BASF in China gearbeitet hatte, ebenfalls im Bereich Ausbildung.
BASF bildet auch weiterhin aus
Noch etwas länger gedulden müssen sich all jene Nachwuchskräfte, die erst 2021 oder gar erst in zwei Jahren ihre Prüfungen in einem der 30 Ausbildungsberufe ablegen, die die BASF anbietet. „Es kann sein, dass nicht jeder an seinem Wunschort eingesetzt wird oder mancher vorübergehend im Ausbildungscampus sein wird“, sagt Hermann. Aber: „Ich bin optimistisch, dass wir alle unterbringen werden.“
Bis Mitte Juli sollen alle Azubis zurück im Werk sein. Daran habe auch das Unternehmen ein hohes Interesse: „Die Fachkräftesicherung ist ein strategisches Ziel der BASF.“ Dabei spiele die Ausbildung eine herausragende Rolle, weswegen sie auch in diesem Jahr in unvermindertem Maß angeboten werde. Das Unternehmen bilde dabei bedarfsorientiert aus. Da in den kommenden Jahren eine große Anzahl von Mitarbeitern der Babyboomer-Jahre in den Ruhestand gehen wird, ist der Bedarf entsprechend groß.
„Habe tollen Job“
90 Prozent der fertigen Azubis wurden Hermann zufolge regelmäßig übernommen. Seine Tätigkeit als Chef der Aus- und Weiterbildung im Stammwerk hat insofern eine Schlüsselfunktion für das Unternehmen. „Die BASF zukunftsfähig zu machen, ist ein toller Job“, sagt er selbst darüber.