Wirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel Bahn zeigt sich beim Thema Coronavirus kulant

Für viel Aufregung sorgte in der vergangenen Woche ein Corona-Verdachtsfall in einem Vlexx-Zug, der daraufhin in Idar-Oberstein
Für viel Aufregung sorgte in der vergangenen Woche ein Corona-Verdachtsfall in einem Vlexx-Zug, der daraufhin in Idar-Oberstein (Foto) gestoppt wurde. Der Verdacht bestätigte sich letztlich nicht.

Wer von der Absage einer Veranstaltung betroffen ist, kann Zugticket stornieren – Generelle Fahrkarten-Rückgabemöglichkeit aber nur bei Reisen nach Norditalien

Die Deutsche Bahn (DB) ist nach eigenen Angaben umfassend auf eine Ausbreitung des Corona-Virus in Deutschland vorbereitet. Zudem zeigt sie sich in diesem Zusammenhang ausgesprochen fahrgastfreundlich.

Für Reisende hat die DB ihre Kulanzregelung erweitert. Im Fernverkehr mit ICE, IC- oder EC-Zügen können sich Kunden den Fahrpreis kostenfrei erstatten lassen, wenn der Reiseanlass aufgrund des Coronavirus entfällt. Das gilt zum Beispiel für die weltgrößte Tourismusbörse ITB in Berlin, die diese Woche mit 10.000 Ausstellern aus 181 Ländern und 160.000 Besuchern stattfinden sollte, aber aus Vorsicht abgesagt wurde. Auch wenn Konzerte und Sportveranstaltungen wegen der Corona-Gefahr storniert werden oder ein gebuchtes Hotel unter Quarantäne steht, können DB-Kunden das Zugticket zurückgeben und erhalten den Preis erstattet. Bisher galt die Regelung nur für Reisen in die vom Coronavirus betroffenen Gebiete in Italien.

Bisher gebe es keine begründeten Verdachtsfälle in DB-Zügen und „keinerlei Einschränkungen“ für Bahnkunden, betonte ein DB-Sprecher. Jenseits der deutschen Grenzen und im deutschen Bahn-Regionalverkehr hat die Infektionskrankheit aber bereits Züge zeitweise lahmgelegt. Am Brenner wurden zwei Züge aus Italien gestoppt, mehrere Hundert Passagiere mussten sich einige Stunden gedulden, bis die Behörden in Österreich die Weiterfahrt erlaubten. In Norditalien gibt es bisher die meisten bekannten Infektionen in Europa, mehrere Erkrankte sind bereits gestorben.

Vlexx-Zug in Idar-Oberstein gestoppt

Auch wurde am Mittwoch der vergangenen Woche ein Zug des Unternehmens Vlexx auf dem Weg von Frankfurt nach Saarbrücken in Idar-Oberstein gestoppt. Der Corona-Verdacht bei einem Reisenden, der aus Italien kam und auf dem Weg vom Frankfurter Flughafen ins Saarland war, bestätigte sich aber nicht. In Hagen wurde am Samstag ein Regionalzug des Unternehmens National Express gestoppt, weil ein Zugbegleiter verdächtige Symptome zeigte. Auch hier bestätigte sich der Coronavirus-Verdacht aber letztlich nicht.

DB hat Hotline eingerichtet

Züge und Bahnhöfe gelten wegen der vielen Menschen, die sich dort auf engem Raum aufhalten als Orte, wo man sich das Virus rasch einfangen kann – ähnlich wie Busse, Haltestellen, Airports und Flugzeuge.

Nach DB-Angaben würden bei bestätigten Corona-Fällen im Zug die betreffenden Bereiche gesperrt und nach der Fahrt gereinigt und desinfiziert. Die Fahrgäste würden informiert und sollten ihre Personalien hinterlegen, damit Behörden sie, falls nötig, kontaktieren könnten. Auch wurde eine Hotline eingerichtet (0800-5141514) und es gibt ein Onlineformular (www.bahn.de/Corona).

Der Notfallplan sieht vor, dass erkrankte Personen beim nächsten geeigneten Halt an Rettungskräfte übergeben werden, das Bordpersonal sei für den Umgang geschult. Wer in einem betroffenen Zug saß, solle in der Zeit darauf auf Anzeichen einer Infektion achten: Husten, Fieber, Gliederschmerzen. Bei Abständen von mehr als einem Meter von Erkrankten sei die Gefahr der Ansteckung aber gering.

Die DB ist nach eigenen Angaben in ständigem Austausch mit den Gesundheitsbehörden von Bund und Ländern, dem Bundesinnenministerium sowie dem Bundesverkehrsministerium, denen die weitere Entscheidung zum Bahnbetrieb obliege. Die Pandemie-Vorsorge der DB werde den Aktualisierungen der Bundesregierung und der Bundesländer angepasst. Die DB folge zudem den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts.

Für Kunden und die weltweit mehr als 330.000 Mitarbeiter der DB hat der Konzern Merkblätter mit Handlungsempfehlungen veröffentlicht (bahn.de/aktuell). Die Führungskräfte wurden aufgefordert, die Mitarbeiter im Kundenkontakt mit Desinfektionsmitteln auszustatten. Im DB-Intranet beantworten DB-Ärzte die Fragen von Beschäftigten in einem Forum, zudem gibt es eine Telefon-Hotline nur für Mitarbeiter. Kommentar: Noch ein Störfaktor mehr

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