Größter deutscher Staatskonzern RHEINPFALZ Plus Artikel Bahn-Oberaufseher wirft hin

War früher Staatssekretär: Michael Odenwald.
War früher Staatssekretär: Michael Odenwald.

Die Mitglieder des 20-köpfigen Kontrollgremiums des größten deutschen Staatskonzerns wurden nach Informationen unserer Redaktion von der Rücktrittserklärung des Aufsichtsratschefs der Deutschen Bahn AG, Michael Odenwald, völlig überrascht.

Odenwald habe gegen Ende der fünfstündigen Sitzung in Potsdam eine Erklärung verlesen, wonach er sein Amt als Aufsichtsrat und Vorsitzender zum 22. Juli niederlegen werde. Am Vortag hatte Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) in einer Pressekonferenz mit Konzernchef Richard Lutz erklärt, dass er die Bahn zur Chefsache mache und der Bund als Eigentümer seine Durchgriffsrechte entschiedener als bisher durchsetzen wolle. Eine geplante zweitägige Strategiesitzung des neu formierten DB-Aufsichtsrats wurde kurzfristig auf den Spätsommer verschoben. Im DB-Aufsichtsrat sitzen zahlreiche Vertreter der Ampelregierung von SPD, Grünen und FDP.

Noch vier Wochen

Die Bundesregierung muss sich nun auf einen neuen Vorsitzenden des DB-Kontrollgremiums verständigen. Odenwald bleibt gemäß gesetzlichen Vorgaben noch vier Wochen im Amt. Danach würde zunächst sein Vize Klaus-Dieter Hommel, Vorsitzender der Gewerkschaft EVG, die Leitung kommissarisch übernehmen.

„Ich bedauere den Rücktritt und hoffe, dass schnell ein geeigneter Nachfolger gefunden“, sagte Hommel unserer Redaktion. Die Bahn stehe vor sehr großen Herausforderungen und in einer solchen Situation müsse der Aufsichtsrat handlungsfähig sein.

Neues Führungsteam

Einen Tag nach der angekündigten „Generalsanierung“ des Streckennetzes hat die Deutsche Bahn ihr Führungsteam für die künftigen Aufgaben neu aufgestellt. Die wichtige Infrastruktursparte mit dem 33.000 Kilometer langen Gleisnetz und mehr als 5600 Stationen übernimmt Berthold Huber, der bisher im Konzernvorstand den gesamten Personenverkehr leitete. In die Spitze des größten Staatskonzerns rücken Michael Peterson auf, bisher Chef bei DB Fernverkehr AG, und Evelyn Palla, bisher Finanzvorstandsfrau beim Fernverkehr und künftig Chefin des Regionalverkehrs.

„Das Team DB steht – jünger und weiblicher als je zuvor“, kommentiert DB-Chef Richard Lutz die Personalentscheidungen. Besonders die Berufung der 48-jährigen Betriebswirtin Palla in die Konzernspitze und zur Leiterin eines neu geschaffenen Ressorts Regionalverkehr ab 1. Juli kommt überraschend.

Die Südtirolerin kam erst Ende des Jahres 2018 von Österreichs Staatsbahn ÖBB, dort verantwortete sie unter anderem den Nah- und Regionalverkehr.

Fünf Jahre für Huber

Palla stehe „für den Generationswechsel, den der Aufsichtsrat bewusst eingeleitet hat“, erklärte Odenwald. Mit Michael Peterson steigt zudem ein weiterer jüngerer Manager in das oberste Entscheidungsgremium auf und übernimmt das ebenfalls neugeschaffene Ressort Personenfernverkehr. Der promovierte Betriebswirt ist 51 Jahre alt und führt seit Mitte 2019 die DB Fernverkehr AG, zu der die ICE-Flotte mit bald 360 Zügen gehört.

Die Verträge von Palla und Peterson laufen wie bei Erstbestellungen üblich jeweils drei Jahre. Dagegen erhält Huber einen neuen Fünfjahresvertrag. Huber ist gebürtiger Heidelberger, Lutz stammt aus Kindsbach im Landkreis Kaiserslautern.

x