Wirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel Autoindustrie im Krisenmodus

Der Dieselskandal macht dem Borg-Warner-Standort Kirchheimbolanden zu schaffen.
Der Dieselskandal macht dem Borg-Warner-Standort Kirchheimbolanden zu schaffen. Foto: Stepan

Die Krise der Automobilbranche macht sich auch in vielen rheinland-pfälzischen Betrieben bemerkbar. Gründe für den Verzicht auf reale Lohnzuwächse sieht die IG Metall aber nicht.

Aufgrund seiner Struktur sei der Bezirk Mitte - Rheinland-Pfalz, Hessen, das Saarland und Thüringen – von den Umbrüchen in der Automobilindustrie besonders stark betroffen, erläutert Bezirksleiter Jörg Köhlinger. 48 Prozent der Beschäftigten, die in von der IG Metall betreuten Betrieben arbeiten, sind für die Autoindustrie tätig – deutlich mehr als in anderen Regionen.

Bei Borg Warner sollen mehrere hundert Stellen wegfallen

Entsprechend hoch ist die Anzahl der Unternehmen, die Köhlinger als „Krisenherde“ bezeichnet: Alleine in Rheinland-Pfalz seien das 35. Wobei nicht jeder „Krisenherd“ kurz vor dem Aus steht. Das Spektrum reicht von der Abmeldung von Leiharbeitern bis zur drohenden Insolvenz. Ein Beispiel: der Automobilzulieferer Borg Warner in Kirchheimbolanden. Der Dieselskandal macht dem Standort zu schaffen, denn etwa 80 Prozent der dort produzierten Produkte sind für Dieselmotoren. Laut Werkleiter Jürgen Adam wurden seit vergangenem Jahr 180 Stellen abgebaut. Das soll auch in den kommenden fünf Jahren so weitergehen. Mehrere hundert Stellen werden es sein, die jedoch ohne betriebsbedingte Kündigungen gestrichen werden sollen.

Sorgenkind Saarland

Größtes Sorgenkind im IG-Metall-Bezirk ist derzeit das Saarland. Dort herrsche „massivste Betroffenheit“, weil neben der Auto- auch die Stahlindustrie in Schwierigkeiten stecke, sagt Jörg Köhlinger.

Angesichts der vielerorts schwierigen Lage bekräftigte der Bezirksleiter den Vorschlag eines „Moratoriums“ im Zusammenhang mit der anstehenden Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie. IG-Metall-Chef Jörg Hofmann hatte vergangene Woche den Arbeitgebern solch ein „Moratorium“ vorgeschlagen und angeboten, auf eine konkrete Lohnforderung zu verzichten. Ziel des Vorstoßes: möglichst rasch mit Tarifverhandlungen zu beginnen und diese noch vor dem Ende der Friedenspflicht Ende April abzuschließen. In den Verhandlungen soll das Augenmerk auf die Sicherung von Beschäftigung und Standorten gelegt werden.

Nein zu realem Lohnverzicht

Jörg Köhlinger wies den Eindruck zurück, die IG Metall wolle auf eine reale Einkommenserhöhung verzichten. Es gebe keinen Grund für eine „Verzichtsrunde“, betonte er, auch wenn der Lohnzuwachs dieses Mal wohl nicht so hoch ausfallen werde wie in den vergangenen Jahren – 2018 betrug das vereinbarte Lohnplus 4,3 Prozent.

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