Rüstungsindustrie RHEINPFALZ Plus Artikel Australier lassen Thyssenkrupp abblitzen

Matrosen der japanischen Marine vor einer Fregatte der Mogami-Klasse im April dieses Jahres im Hafen von Yokosuka.
Matrosen der japanischen Marine vor einer Fregatte der Mogami-Klasse im April dieses Jahres im Hafen von Yokosuka.

Trotz starker Technologie und Industriepartnerschaften geht Deutschland bei einem großen australischen Rüstungsdeal leer aus.

Der japanische Schiffbauer Mitsubishi Heavy Industries (MHI) erhält den Zuschlag für den milliardenschweren Bau neuer Fregatten der australischen Marine. Damit verliert Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) nach monatelangem Werben erneut einen prestigeträchtigen Rüstungsauftrag im indopazifischen Raum.

Japan erhält den Zuschlag für das Projekt SEA3000, bei dem es um den Bau von elf Mehrzweckfregatten im Gesamtwert von rund zehn Milliarden australischen Dollar (umgerechnet etwa 5,6 Milliarden Euro) geht. Drei der Schiffe sollen in Japan gebaut werden, acht entstehen in Westaustralien. Ziel ist es, die alternde Anzac-Klasse rasch zu ersetzen und die Zeit bis zur Indienststellung der größeren Hunter-Klasse-Fregatten ab 2032 zu überbrücken.

Intensives Werben um den Auftrag

„Das ist ein bedeutender Moment in den bilateralen Beziehungen zwischen Australien und Japan“, sagte der australische Verteidigungsminister Richard Marles. Es sei „die größte verteidigungsindustrielle Vereinbarung“, die jemals zwischen beiden Ländern geschlossen wurde – und einer der größten Rüstungsexporte Japans überhaupt.

Der Entscheidung war ein intensives Werben vorausgegangen. Beide Anbieter – TKMS mit dem deutschen Modell MEKO A-200, MHI mit der Mogami-Klasse – hatten ihre jeweiligen Stärken betont. Während das deutsche Unternehmen mit seiner Exporterfahrung, einem erprobten Partnersystem mit dem schwedischen Rüstungskonzern Saab und lokaler Industriekooperation punktete, setzte Japan auf technologische Innovation und politische Symbolkraft.

Die Mogami-Fregatten gelten als hochmodern: Sie verfügen über ein zentralisiertes Combat Information Centre, das viele Aufgaben automatisiert und die notwendige Besatzung von 120 auf etwa 90 reduziert – ein wichtiger Faktor für die von Personalmangel geplagte australische Marine. Zudem hat Tokio zugesagt, Australien prioritären Zugang zu den neuen Schiffen zu gewähren – vor der eigenen Marine. Die ersten Fregatten sollen laut Marles noch Ende dieses Jahrzehnts in Dienst gestellt werden – ein Zeitvorteil gegenüber der deutschen Lösung.

Geopolitisches Signal

Die deutsche Niederlage überrascht insofern, dass TKMS in den vergangenen Monaten gezielt Lücken im japanischen Angebot bespielt hatte. Besonders die Partnerschaft mit Saab, das die Kampfsysteme der meisten australischen Kriegsschiffe liefert, galt als taktischer Coup: Sie hätte es der australischen Marine ermöglicht, auf bewährte Technologie zu setzen. Auch der geplante Ausbau von Saab in Perth hätte lokale Arbeitsplätze gesichert – ein politisch gewichtiger Punkt.

Die Entscheidung ist damit weniger ein technologisches, sondern vor allem ein geopolitisches Signal. „Wir haben sehr gute Beziehungen zu Deutschland“, hatte der frühere australische Premier Malcolm Turnbull bereits vor der Entscheidung gesagt, „aber Japan liegt natürlich in unserer Region“. Die strategische Beziehung zu Japan sei schlicht enger. Beide Länder arbeiten eng im Rahmen von multilateralen Formaten zusammen. Auch die USA – ein weiterer Bündnispartner – sollen Japans Angebot laut dem australischen Sender ABC deswegen unterstützt haben.

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