Wirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel Arbeitsmarkt: Folgen des Krieges noch nicht spürbar

Das Gesundheitswesen gehört zu den Bereichen, in denen in Rheinland-Pfalz zuletzt viele Mitarbeiter eingestellt wurden.
Das Gesundheitswesen gehört zu den Bereichen, in denen in Rheinland-Pfalz zuletzt viele Mitarbeiter eingestellt wurden.

Krieg in Europa, steigende Energiepreise, drohender Stopp russischer Gaslieferungen: Die deutsche Wirtschaft steckt in einer Phase extremer Unsicherheit. Am Arbeitsmarkt ist davon noch wenig zu spüren.

Wie ist die Lage am deutschen Arbeitsmarkt?
Die Arbeitslosigkeit ist bundesweit dank einer Frühjahrsbelebung weiter gesunken. Im März waren in Deutschland 2,362 Millionen Menschen ohne Job, 66.000 weniger als im Februar und 465.000 weniger als im März 2021. Die Arbeitslosenquote sank um 0,2 Punkte auf 5,1 Prozent.

Wie ist die Situation in Rheinland-Pfalz?
Die Entwicklung sei „weiter positiv“, sagt am Donnerstag die Chefin der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit (BA), Heidrun Schulz. Über alle Personengruppen hinweg sei ein Rückgang der Arbeitslosigkeit zu beobachten. Davon profitierten auch Menschen, die zuletzt länger als zwölf Monate ohne Arbeit, also langzeitarbeitslos waren.

In Zahlen: Im März waren landesweit 100.400 Menschen arbeitslos gemeldet, 2,6 Prozent weniger als im Februar und 18,1 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Die Arbeitslosenquote lag bei 4,5 Prozent, ein Minus von 0,1 Punkten gegenüber Februar. Im Januar – das sind die neuesten verfügbaren Zahlen – waren landesweit 1,467 Millionen Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das waren 1,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Sind bereits Auswirkungen des Krieges in der Ukraine spürbar?
Solche Auswirkungen seien noch nicht erkennbar, sagte Heidrun Schulz. Im März gab es in Rheinland-Pfalz 247 als arbeitslos gemeldete Personen aus der Ukraine – weniger als im Januar und Februar, also vor Kriegsbeginn. Die Lage werde aber in „ein, zwei Monaten“ anders aussehen, prognostizierte die BA-Regionalchefin. Bei den Arbeitsagenturen bereitet man sich darauf vor, dass im Zusammenhang mit dem Krieg und den – wirtschaftlichen wie auch humanitären – Folgen Themen wie Kurzarbeit aufgrund gestörter Lieferketten und Integration Geflüchteter in den Arbeitsmarkt in naher Zukunft eine größere Rolle spielen werden.

Gibt es spezielle Angebote für arbeitssuchende Flüchtlinge aus der Ukraine?
Die BA hat eine zentrale Hotline eingerichtet, bei der Ukrainerinnen und Ukrainer direkt mit ihre Sprache sprechenden Mitarbeitern in Kontakt treten können. Unabhängig vom Krieg in der Ukraine unterhält die Arbeitsagentur einen Dolmetscher-Online-Service, der 30 Sprachen abdeckt.

Machen sich die auch für Betriebe gestiegenen Energiepreise bemerkbar?
Derzeit gebe es Anfragen von Unternehmen, die wissen wollten, ob es Möglichkeiten gebe, Mitarbeiter wegen der Folgen steigender Energiekosten in Kurzarbeit zu schicken, sagte Heidrun Schulz. Kurzarbeit aufgrund (zu) hoher Energiekosten sei aber nicht möglich, unterstrich die BA-Regionalchefin.

Wie sieht es in Rheinland-Pfalz in Sachen Ausbildung aus?
Landesweit gibt es deutlich mehr gemeldete Ausbildungsstellen als Bewerber. Bislang hätten die Unternehmen 21.600 Ausbildungsplätze gemeldet – ein Plus von 1400 oder 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dem stünden 14.500 junge Frauen und Männer gegenüber, die über die BA eine Lehrstelle suchen. Das sind 1500 oder 9,5 Prozent weniger als im März 2021. Es gebe Ausbildungsstellen „en masse“, der Ausbildungsmarkt sei derzeit ein „Bewerbermarkt“, umriss Heidrun Schulz die Lage.

Was wird Betrieben und Ausbildungswilligen geraten?
Schulz warb dafür, die Möglichkeit von Praktika wahrzunehmen; diese könnten eine „Brücke zur Ausbildung “ bilden. Dieses Instrument zum gegenseitigen Kennenlernen sei durch die Corona-Pandemie etwas aus dem Blick geraten, biete aber die Chance, sich ein konkretes Bild vom Ausbildungsbetriebe beziehungsweise von dem sich bewerbenden Jugendlichen zu machen.

An die Arbeitgeber appellierte Schulz, auch jenen jungen Menschen eine Chance zu geben, „die auf den ersten Blick nicht zu den Wunschkandidaten gehören“.

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