Mobilfunk-Tipp RHEINPFALZ Plus Artikel 5G-Internet selten mit höchstem Tempo

Köln ist eine der Städte mit Höchstgeschwindigkeits-5G-Internet.
Köln ist eine der Städte mit Höchstgeschwindigkeits-5G-Internet.

Mit dem neuen 5G-Netzstandard wird mobiles Internet noch schneller. Für Smartphones, die nur 3G unterstützen, ist hingegen bald Schluss. Da stellt sich etwa die Frage: Lohnt sich der Kauf eines 5G-Geräts oder reicht auch 4G aus? Die wichtigsten Tipps.

Die dritte Generation der Mobilfunknetze (daher die Abkürzung 3G, auch UMTS genannt) steht vor dem Aus. Abschalttermin ist der 30. Juni 2021. „Dieser Termin steht definitiv fest. Alle drei aktiven Netzbetreiber Telekom, Vodafone und Telefónica haben das jetzt bestätigt“, sagt Henning Gajek, Netzexperte des Fachportals Teltarif.de. Das Problem dabei ist: Viele Verbraucher nutzen noch ältere Smartphones, die nur 3G-fähig sind. „Wer davon betroffen ist, kann mit dem Gerät künftig nicht mehr ins Internet gehen“, erläutert Gajek. Wichtig: Im Unterschied zu den 3G-Netzen bleiben die 4G-Netze (auch LTE genannt) erhalten.

Was ist zu tun?
Nach dem Aus von 3G sind sowohl 4G- als auch 5G-Geräte zum Surfen im Internet geeignet. „Bei einem Neukauf würde ich gleich ein 5G-fähiges Smartphone wählen, weil ich es aus Gründen der Nachhaltigkeit lange verwenden möchte“, sagt Michael Gundall, Fachberater Telefon und Internet der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz in Mainz. Aber Achtung: Wer auf 5G umsteigt, muss sich auch einen 5G-Tarif zulegen.

Was bewirkt die Umstellung?
Das ultraschnelle Mobilfunknetz 5G, das die Netzbetreiber derzeit aufbauen, bringt nicht nur deutlich mehr Tempo als 4G. Die neue Technologie erhöht auch die Kapazität der einzelnen Mobilfunkzellen, so dass mehr Nutzer an einem Ort gleichzeitig in Höchstgeschwindigkeit surfen können. Außerdem verbessern sich die sogenannten Ping-Zeiten (Antwort-Zeiten), was für Online-Spieler interessant ist wegen schnellerer Reaktionsmöglichkeiten.

Zu beachten ist: Während die 3G-Netze Mitte 2021 stillgelegt werden, bleiben die älteren 2G-Netze (auch GSM genannt) bestehen. Sie dienen aber nur noch zum Telefonieren und Versenden und Empfangen von SMS.

Wo gibt es schon 5G?
Die einzelnen Netzbetreiber und auch Vergleichsportale haben sogenannte Netzabdeckungskarten im Internet veröffentlicht, auf denen en detail zu sehen ist, wo es Lücken in den jeweiligen Netzen gibt. „Der Netzausbau ging viel schneller voran, als vor Kurzem noch erwartet wurde. Dabei hat die Telekom die Nase momentan weit vorn gegenüber den anderen Netzbetreibern“, sagt Teltarif-Fachmann Gajek. Nach Telekom-Angaben ist 5G derzeit in mehr als 4500 Städten und Gemeinden in Deutschland verfügbar. Rund 55 Millionen Menschen könnten den Mobilfunk-Standard bereits nutzen.

Wie sieht es in der Pfalz aus?
Eine flächendeckende 5G-Versorgung gibt es hier noch nicht. Laut Netzabdeckungskarte der Telekom steht 5G aber schon in weiten Teilen der Vorderpfalz und auch im Raum Kaiserslautern, Kirchheimbolanden und Zweibrücken bereit. Tipp: Auf der Karte www.telekom.de/netzausbau den gewünschten Ortsnamen eingeben und das verfügbare Netz anzeigen lassen.

Worauf ist zu achten?
5G ist nicht gleich 5G. Beispiel Ludwigshafen: Die Telekom nennt für den Standort Berliner Platz „bis zu 375 Mbit/s“ als verfügbare Bandbreite. Zum Vergleich: Am Standort Darmstadt Hauptbahnhof, einem der am besten versorgten Orte in Deutschland, lautet die 5G-Angabe „bis zu 1 GBit/s“ - was fast der dreifachen Bandbreite entspricht. „Was als 5G vermarktet wird, ist derzeit häufig erst so etwas wie 4,5G, bis zum vollen Ausbau mit Höchstgeschwindigkeit dauert es noch einige Zeit“, erläutert Teltarif-Experte Gajek.

Woran liegt der Tempo-Unterschied?
Die Telekom bedient sich verschiedener Frequenzbänder. 5G auf der 2,1 Gigahertz-Frequenz, wie in Ludwigshafen, hat dem Unternehmen zufolge den Vorteil einer großen Reichweite bei allerdings geringeren Datenraten. „Diese Frequenz setzen wir in Großstädten ein wie in kleineren Gemeinden und ländlichen Gebieten. So wird jetzt auch die Hochseeinsel Helgoland und die Zugspitze mit 5G versorgt“, erläutert eine Telekom-Sprecherin. Der Großteil der aufgebauten 5G-Antennen nutze diese 2,1 Gigahertz-Frequenz.

Wo gibt es ganz schnelles 5G?
Die alternativ genutzte 3,6-Gigahertz-Frequenz schafft höhere Datenraten bis zu 1 Gbit/s bei allerdings geringerer Reichweite rund um die einzelne Mobilfunk-Antenne. Nach Telekom-Angaben gibt es diese Höchstgeschwindigkeit derzeit in 13 deutschen Städten: neben Darmstadt auch in Frankfurt, Berlin, Bonn, Bremen, Dortmund, Düsseldorf, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, Nürnberg und München. „Damit bieten wir Highspeed 5G dort an, wo sich viele Menschen auf engem Raum bewegen, Stichwort Innenstädte oder Bahnhöfe“, so die Sprecherin.

Was kosten 5G-fähige Smartphones?
Die Stiftung Warentest nennt für die 28 5G-Geräte, die sie bislang getestet hat, Preise zwischen rund 300 Euro (Xiaomi Mi 10 Lite, Note gut) und 1980 Euro (Samsung Galaxy Fold 5G, Note befriedigend). Einen Marktüberblick gibt das Portal www.teltarif.de (Rubrik Tarife & Geräte). Experte Gajeks Rat: Beim Kauf darauf achten, für wie lange der Anbieter regelmäßige Updates des Betriebssystems zusagt.

Für wen kommt das in Betracht?
„Wer ohnehin ein neues Smartphone kauft, will es möglicherweise längere Zeit nutzen. Dann ist es sinnvoll, gleich einen Umstieg auf 5G zu erwägen“, sagt Verbraucherschützer Gundall. Nach seiner Einschätzung werden nicht nur Online-Spieler und Kunden, die stets die modernste Technik haben möchten, von 5G-Angeboten angesprochen: „Der Bedarf an Bandbreite wird ja weiter steigen, weil die Internetseiten immer aufwendiger gestaltet sind, und auch eigene Bilder können mit 5G schneller in die Cloud hochgeladen und mit anderen geteilt werden.“

Was ist bei den Tarifen zu beachten?
Vertragstarife neueren Datums sehen meist schon 5G vor. „Bei älteren Tarifen ist das anders. Im Kundenkonto kann man nachlesen, ob der eigene Tarif 5G hat, oder man ruft die Hotline des Anbieters an“, sagt Experte Gajek.

Ist 5G teurer als 4G?
Nach Teltarif-Angaben nicht wesentlich. Bei Prepaid-Tarifen der Netzbetreiber koste eine 5G-Option zum Beispiel rund 3 Euro im Monat extra.

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