Wirtschaft Überraschungen im Kleingedruckten
«Ludwigshafen». Wie wichtig es ist, das Kleingedruckte – die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) – von Verträgen zu lesen, zeigt ein aktueller Fall eines Online-Shops, über den die Verbraucherzentralen berichten. Wer nicht aufpasst, erhält Gebraucht- statt der erwarteten Neuware und muss Retouren auf eigene Kosten nach Hongkong schicken. Die Verbraucherschützer raten zur Vorsicht.
„Egal ob Smartphones, Digitalkameras oder Bluray-Player: Bei den Produkten des Online-Händlers Shop-and-smile.com glauben viele Verbraucher Neuware zu erwerben. Doch weit gefehlt“, warnt das Marktwächter-Team Digitale Welt der Verbraucherzentrale Brandenburg. Verbraucher-Beschwerden auch aus Rheinland-Pfalz zeigten, dass die gelieferten Waren nicht neu, sondern gebraucht sind. Dazu steht in den AGB des Anbieters: „In der Regel sind die Geräte neuwertig. Da wir dies jedoch nicht immer garantieren können, wird der Zustand ausdrücklich als gebraucht angegeben“. Auf den Bestellseiten des Shops erfährt der Kunde davon allerdings nichts: „Hier fehlt eindeutig die gesetzlich vorgeschriebene Zustandsbeschreibung bei den Produkten selbst“, moniert Maike Lück, Rechtsreferentin der Verbraucherzentrale. Bei genauerem Hinsehen wird laut Verbraucherzentrale auch klar, dass der Shop-Betreiber die angebotenen Waren gar nicht besitzt. In den AGB heißt es dazu: „Die Lieferung der Ware an den Kunden erfolgt durch Drittanbieter“. Hinweise betroffener Verbraucher deuteten darauf hin, dass die Produkte nach Eingang der Bestellung auf Online-Marktplätzen wie eBay gekauft oder ersteigert und von dort direkt an den Kunden versendet werden, berichtet das Marktwächter-Team. Zwar garantiert der Shop die Lieferung an den Käufer und gewährleistet die Funktion des Gerätes. „Problematisch ist jedoch, dass der Betreiber gar keine Kontrolle über den Zustand der versendeten Geräte hat. Denn gebraucht ist ein dehnbarer Begriff. Der Verbraucher trägt somit das Risiko, ein Produkt zu erhalten, das in einem sehr schlechten, gebrauchten Zustand ist“, so Lück. Will ein Kunde die Ware wieder loswerden, muss er mit hohen Kosten rechnen. „Denn bei Widerruf muss die Ware laut Shop-Betreiber nach Thailand oder Hongkong geschickt werden. Die Kosten für Versand, Zoll und Steuern soll der Kunde übernehmen“, so die Verbraucherschützer. Derzeit prüfen die Marktwächter, inwieweit sie gegen den Anbieter juristisch vorgehen können. „Allerdings muss hier beachtet werden, dass der Shop-Betreiber seinen Sitz nicht im EU-Raum hat, sondern angibt, diesen in Hongkong zu haben“, heißt es auf Anfrage. „Der Fall Shop-and-smile.com zeigt einmal mehr, dass es wichtig ist, auch einen Blick in die AGB zu werfen – besonders wenn der Verbraucher noch keine Erfahrungen mit einem Online-Händler hat“, sagt Sebastian Lambeck, Sprecher der Verbraucherzentrale. Ein Blick ins Impressum helfe außerdem, zu erkennen, wo der Shop-Betreiber seinen Sitz hat. Bei Unsicherheiten sollten Verbraucher nach dem Namen des Händlers im Internet suchen: „Erfahrungsberichte anderer Kunden geben meist schon Anhaltspunkte dafür, ob es sich um seriöse Angebote handelt oder nicht.“ Nils fragt