Rheinpfalz Zu nass oder zu trocken: Wald leidet immer

Auf dem Winschert bei Merzalben ist ein Trockenlager eingerichtet. Hier liegen vom Borkenkäfer befallene Fichtenstämme, bevor si
Auf dem Winschert bei Merzalben ist ein Trockenlager eingerichtet. Hier liegen vom Borkenkäfer befallene Fichtenstämme, bevor sie ins Sägewerk transportiert werden.

«Trippstadt.» In diesem Frühjahr zeigte sich das Wetter von seiner garstigen Seite: Es hat gewaltig geschüttet. Doch vor einigen Wochen schlug die Wetterlage um, frühe Sommerhitze hat sich aufgebaut. Wie hält der Wald das aus? Friedrich Engels, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Landesforsten Rheinland-Pfalz bei der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft in Trippstadt, gibt Antworten.

Im Frühjahr sehr viel Regen, nun seit Wochen trocken und heiß. Welche Auswirkungen hat das auf die Natur?

Wenn es zu trocken wird, reduzieren die Pflanzen ihre Verdunstung, damit den Gas- und Stoffwechsel und damit wiederum ihr Wachstum, wenn nötig bis auf null. Das hat allerdings zur Folge, dass sie sich gegen Schädigungen, wie beispielsweise Insektenfraß, nur noch eingeschränkt zur Wehr setzen können. Insekten profitieren dagegen von warm-trocknen Bedingungen. Stimmt es, dass der Wald mit viel Wasser besser zurechtkommt als mit Trockenheit? So pauschal stimmt das nicht. Die verschiedenen Waldgesellschaften – Baumarten und Bodenvegetation – sind an unterschiedliche Wasserregime angepasst. Einige wie Auwälder, Bruchwälder kommen sehr gut mit viel Wasser zurecht, andere thermophile Eichenwälder mit Trockenheit. Das Wachstum der Wälder ist unter feuchten Bedingungen in der Tat am besten. Doch darf der Boden nicht über längere Zeit vollständig mit Wasser gesättigt sein, denn dann fehlt die Luft im Boden und die Wurzeln werden nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt und ersticken. Kurz: Zu nass und zu trocken ist beides nicht gut für den Wald. Der Wald muss aber mit den gegebenen Wetterbedingungen zurechtkommen. Wo sind die Waldbrandgefahren am größten? Anhand des Witterungsverlaufes wird vom Deutschen Wetterdienst ein „Waldbrandgefahrenindex“ (www.dwd.de/de/leistungen/ waldbrandgef/waldbrandgef.html) bestimmt. Die Bundesländer mit besonders waldbrandgefährdeten Gebieten weisen zusätzlich Waldbrandgefahrenstufen aus. Besonders gefährdet sind großflächige Kiefernreinbestände mit Grasunterwuchs. In der Pfalz ist hier der Haardtrand am meisten gefährdet. Dank der guten Überwachung und effektiven Feuerwehr werden bei uns Waldbrände aber meist sehr schnell gelöscht, so dass keine größeren Flächen abbrennen. Rauchen und offenes Feuer im Wald oder Waldnähe ist nicht zulässig und verbietet sich ohnehin von selbst für jeden verantwortungsvollen Menschen. Mit der Trockenheit im Wald wächst auch die Population der Borkenkäfer, die die Bäume stark schädigen können. Wie verschaffen Sie sich einen Überblick über die Situation? Derzeit entwickelt sich die zweite Generation. Gegenüber dem Vorjahr ist die Entwicklung der Borkenkäfer beschleunigt. Die Borkenkäferentwicklung kann fortlaufend anhand des an den Wetterstationen gemessenen Witterungsverlaufes abgeschätzt werden. Besondere Aufmerksamkeit ist in den Fichtenwäldern geboten. Das ist derzeit in ganz Rheinland-Pfalz der Fall. Zusätzlich wird anhand beköderter Fangbäume der tatsächliche Entwicklungsstand überprüft und über Pheromonfallen das aktuelle Schwärmgeschehen beobachtet. Wie wird die Gefahr gebannt? Kommt im Wald auch die chemische Keule zum Einsatz? Jeder Forstbedienstete soll Fichtenwälder intensiv beobachten. Werden Befallsherde sichtbar, hilft am besten eine saubere Waldwirtschaft. Befallene Bäume werden eingeschlagen und aus dem Wald möglichst direkt ins Sägewerk gebracht oder zumindest entrindet, bevor sich die Borkenkäfer vollständig entwickeln und ausschwärmen können. Der Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel gegen rindenbrütende Borkenkäfer im Wald ist nicht möglich. | Interview: Marianne Teuscher

Borkenkäferlarven in einer gefällten Fichte.
Borkenkäferlarven in einer gefällten Fichte.
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