Kultur Südpfalz Wohltönender Klang

Der Kammerchor Mannheim führte in Landau ein attraktives Sommer-Programm im Notengepäck, das – epochal dem spätromantischen bis zeitgenössischen Kontext verpflichtet – eine probate Mischung aus Vertrautem und Raritäten servierte. Mit 50 Stimmen sprengt das Mannheimer Ensemble im Grunde das Gardemaß für einen Kammerchor und ließ – zumindest dieses Mal – teilweise Klangmassierungen entstehen, die eher vom großen Oratorien-Repertoire denn von Schütz oder Monteverdi, wie im Begleittext avisiert, künden.
Dass alle Vokalisten stimmbildnerisch geschult sind und mit ihrem Notentext umzugehen wissen, war unüberhörbar, auch war der Dirigent zu jeder Zeit unangefochtene Instanz für rhythmische Präzision und dynamische Gestaltung, seine Zeichengebung akkurat befolgtes Gebot. Lobenswert auch die ausgewogene Balance der Stimmen untereinander und die konzentrierte Disziplin gerade der Diskantstimmen bei einem durchweg in exponierten Höhen angesiedelten Programm. „Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz“ – drei Verse aus Psalm 51, die Johannes Brahms zu einer der berühmtesten Motetten der Musikliteratur kreierte, wurde einem durch die lustvoll musikantische Gestaltung nachdrücklich ans Herz gelegt. Auch das „Sanctus“ aus der Feder des Ensemble-Leiters Johannes Matthias Michel ließ aufhorchen, ein Opus, das ungeachtet seiner erfrischenden harmonischen Diesseitigkeit ganz der Tradition verpflichtet bleibt. Die „Fest- und Gedenksprüche“ von Johannes Brahms werden sowohl seitens der Hörenden als auch der Ausführenden geliebt. Letzteren freilich verlangt das dreiteilige Konvolut viel an stimmlicher Energie ab. Mit Motetten und Liedsätzen von fünf Vertretern der Reform-Synagogalmusik des 19. und frühen 20. Jahrhunderts entführte das Kurpfälzer Vokalensemble in eine ganz eigene Klangwelt. Louis Lewandowski, von dem Psalm 92 in hebräischer Sprache erklang, ist wohl deren prominentester Vertreter. Aber auch die englischsprachigen Motetten und Liedsätze der aus Nazideutschland in die USA emigrierten Komponisten Hugo Chaim Adler, Heinrich Schalit, Jean Berger und Samuel Adler kündeten eindrucksvoll, in der sehr einfühlsam und lyrisch verfeinerten Lesart durch Michel, vom Hochkarat dieses wenig geläufigen musikalischen Kosmos. Johann Gabriel Rheinberger führte mit seinen „Drei geistlichen Gesängen“ op. 69 wieder zurück in die deutsche Spätromantik. Auch dabei machte sich Michel mit seinen Vokalisten zügig und energetisch ans Werk, ließ aber bei aller Klangentfaltung, speziell im „Morgenlied“, das Weiche, Flirrende, das Zurückgenommene nicht außer Acht. Auch, wenn man sich letztlich das „Abendlied“ wieder eine Spur zurückgenommener gewünscht hätte, zumal da, wo Rheinbergers Autograph das mit doppeltem Piano explizit einfordert. Zweimal setzte Carmenio Ferrulli, derzeit Assistent bei Johannes Michel, die Rieger-Orgel gewaltig in Szene mit Präludium und Fuge g-Moll von Johannes Brahms und der prachtvoll aufblühenden Fantasie „Sur le Rhin“ von Louis Vierne.