Rheinpfalz „Wir halten jeden Tag die Augen offen“
Wo hält sich Jessica, der 2015 geborene Storch vom Kirschbacherhof, auf? Überraschend hat sie sich 2017 wieder von ihrer gefährlichen Afrikareise zurückgemeldet. In diesem Jahr werden keine Jungstörche im Hornbachtal mit Funk-Sendegeräten ausgestattet. Die Beringung von Jungstörchen wird jedoch fortgeführt. Bei einer ersten Rundreise in der Region hat Manfred Conrad schon 44 Storchenkinder beringt.
Im Juni 2015 erhielt Jessica auf dem Kirschbacherhof einen modernen Navigations-Sender, um ihren Reiseweg und die benötigte Zeit ins Winterquartier nach Afrika verfolgen zu können. Bereits am 24. Juli meldete sich die Jungstörchin von der Elsässischen Weinstraße und hatte am 20. August schon Südspanien erreicht. Danach kam am 15. September eine Nachricht aus Marokko. Ende des Funkkontaktes mit Jessica war im Januar 2016, als sie bereits die Sahara überflogen hatte. Deshalb wurde sie in der Statistik bald als tot geführt. Völlig unerwartet sendete sie im März wieder auf ihrem Weg von Nordafrika nach Europa. Der Sender scheint jedoch so stark beschädigt, dass ihre Nachricht keine Bewegungs- und genaue Ortsbestimmung mehr zulässt. „Wir halten jeden Tag die Augen offen“, erzählt Henning Götz vom Kirschbacherhof. Zum Storchenkind des Jahres 2015 haben die Bewohner der Hofsiedlung eine besondere Beziehung: Die Freundin von Henning Götz ist die Namenspatin von Jessica. Sie möchte gerne mithelfen, den Verbleib des Storchen aufzuklären. Das Patenkind soll sich schon wieder in der Pfalz aufhalten. Eine angebliche Beobachtung in der Vorderpfalz hat sich jedoch nicht erhärtet. Eindeutige Klarheit hätte man, wenn man den Ring mit der Prägung DER AV 742 ablesen könnte. Der Sender von Storchenkind Kurt, der sich zuletzt in Mauretanien in Afrika aufhielt, soll nach einer Mitteilung des Storchenzentrums in Bornheim auf dem Weg nach Deutschland sein. Kurt wurde ebenfalls 2015 auf dem Kirschbacherhof geboren. Sein Sender wurde gefunden. Näheres über die Bergung des Geräts und wie der Kontakt nach Deutschland zustande kam, war auf Anfrage noch nicht zu erfahren. Kommt der Sender jetzt allein zurück, dann hat Kurt wie vermutet seine weite Reise nach Afrika nicht überlebt. In diesem Jahr sollen nur neun GPS-Sender für die Jungstörche zur Verfügung stehen, was Fiedler schon im März andeutete. Es gab in diesem Jahr wenig Spender für neue Geräte, sodass die wenigen Sender für Jungstörche in der Vorderpfalz vergeben sind. Ein Gerät samt Funk-Lizenzen kostet mindestens 2500 Euro. Zu den neun Geräten zählen auch jene geborgenen Sender, die von verunglückten Storchenkindern zur Vogelwarte zurück-geschickt wurden. Fiedler hat in Bornheim jedoch ausdrücklich betont, dass in der Pfalz die Unterstützung durch die Naturfreunde einmalig sei. Außerdem erteile die zuständige Landesbehörde in Koblenz auf dem kurzen Dienstweg die Erlaubnis für die Ausstattung der Storchenbabys mit einer Mininavigation. Die ganz früh geborenen Störche verlassen die Pfalz zeitig und fliegen in der Regel bis nach Afrika, was die Storchenkinder vom Kirschbacherhof bestätigten. Störche aus Spätbruten hingegen beenden ihre Reise öfter in Südfrankreich, Spanien und Portugal. Dieser verkürzte Reiseweg birgt deutlich weniger Gefahren für die Jungstörche. Pirmin und Christiane, die beiden einjährigen Störche vom Kirschbacherhof, die 2015 ebenfalls einem Sender erhielten, hatten ihr Winterquartier in Spanien aufgeschlagen. Beide Störche waren in der Voliere des Hofes aufgewachsen. Nur Pirmin hat sich im Mai noch entschieden nach Norden in Richtung Heimat aufzubrechen. Er fühlt sich gegenwärtig in Lunéville in Lothringen wohl, wo er häufig Futter an einem Kompostwerk findet. Er ist nur noch rund 100 Kilometer von seinem Heimatort entfernt. Christiane ist weiterhin im Umfeld der Naturparke mit Wasserflächen im Hinterland der Costa Brava Spaniens unterwegs. Storchenfachmann Manfred Conrad hat an der Getreidemühle Isemann und bei der Schuhfabrik Stuppy in Rieschweiler-Mühlbach weitere Jungstörche beringt. An der Höhmühlbacher Bahnlinie gibt es noch Spätbruten. Auch das neue Storchenpaar auf der Mühle konnte erst später mit dem Brutgeschäft beginnen, da es noch Zeit für den Nestbau benötigte. In diesem Jahr sei der Brutzeitraum sehr unterschiedlich, berichtet Conrad, sodass er den richtigen Zeitpunkt zur Beringung genau abpassen muss. Im Hornbachtal kämen sicher über 40 Storchenkinder für eine Beringung in Frage, so Conrad. In einige Nester kann der Storchenbetreuer nicht hineinsehen, da sie zu hoch oder kaum zugänglich sind. Wo es zu gefährlich erscheint, da geht die Sicherheit vor. Bei manchen Nestern könnte ein moderner Steiger mit einem weiten Schwenkradius helfen, aber dies sei zu teuer. Nur, wenn es eine freiwillige Unterstützung durch eine Fachfirma gäbe, könnten noch einige Nester mehr kontrolliert werden, um die Tiere zu beringen.