Rheinpfalz „Wir haben Vertrauen verloren“
MAINZ. Ulrike Höfken (Grüne) hat keine guten Nachrichten für die Abgeordneten im Mainzer Landtag. Die Umweltministerin erläutert die Folgen der verheerenden Explosion für die Umwelt. Außerdem informiert sie darüber, in welcher Form die ihr unterstellten Behörden die Katastrophe aufarbeiten. Dabei kommt sie auf das Löschwasser zu sprechen. 13,4 Tonnen davon wurden über die Kanalisation in die BASF-Kläranlage eingeleitet. Vier weitere Tonnen sind im Hafenbecken gelandet, das mit einer Druckluftölsperre vom Rhein getrennt ist. Allerdings sei völlig unklar, so Höfken, wo weitere knapp 30 Tonnen des PFT-haltigen Löschmittels verblieben seien. Die Substanz könnte verbrannt oder schlimmstenfalls sogar im Boden versickert sein. Weil der Unglücksort immer noch gesperrt ist, wissen weder die BASF noch das Umweltministerium mehr über den Verbleib der 30 Tonnen Löschmittel. PFT steht für Perfluorierte Tenside. Diese Stoffe gelten als in der Natur nicht abbaubar und stehen im Verdacht, Krebs zu verursachen. Immerhin: In den Rhein scheint kein PFT gelaufen zu sein. Die Messwerte sind laut Höfken unauffällig. Mit Blick auf den unklaren Verbleib von 30 Tonnen Löschschaum sagt BASF-Werkleiter Uwe Liebelt: „Eine Belastung des Bodens ist wahrscheinlich.“ Der Manager des Chemieriesen präsentiert den Abgeordneten eine „Ursachenkette“, die offenbar zu der Explosion vom 17. Oktober geführt hatte. Ein Mitarbeiter einer Fremdfirma soll mit einer Trennscheibe in eine falsche Leitung geschnitten habe. Diese enthielt laut Liebelt ein Buten-Gemisch. Durch Funkenschlag sei dann wohl das Feuer und später die Explosion entstanden (siehe: zur Sache). Liebelt begegnet dem Vorwurf, sein Konzern habe zu wenig in die Anlagen investiert, mit konkreten Zahlen: Alle Anlagen seien in „zuverlässigem Zustand“. In den vergangenen zehn Jahren habe die BASF in Ludwigshafen zehn Milliarden Euro in die Instandhaltung investiert. Er spricht zudem von einer „Investitionswelle“ am Stammsitz. Werkleiter Liebelt bezeichnet die Stadt Ludwigshafen und die BASF als eine „große Familie“. Allerdings fügt er hinzu: „Das Netzwerk hat gehalten, aber Schaden genommen.“ Es sei verständlich, dass das Vertrauen zur BASF angekratzt sei. „Wir haben Vertrauen verloren. Wir müssen und werden es zurückgewinnen.“ Es sei der Anspruch der BASF, „offen und transparent zu sein“. Mit Blick auf die anderen Vorfälle, die es in diesem Jahr schon am Standort Ludwigshafen gegeben hatte (wir berichteten), bezieht Liebelt klar Stellung: „Jedes Ereignis ist eins zu viel.“ Innenminister Roger Lewentz (SPD) erinnert in der gemeinsamen Sitzung von Innen-, Umwelt- und Wirtschaftsausschuss des Landtags an den Einsatz der Rettungskräfte bei dem Unglück. Zeitweise waren ihm zufolge am 17. Oktober 351 Polizisten im Einsatz, beziehungsweise wurden dafür bereitgehalten. Hinzu kamen laut Innenminister 240 weitere Rettungskräfte. Wie berichtet, starben zwei Mitglieder der BASF-Werkfeuerwehr, weitere liegen teils schwer verletzt im Krankenhaus. Lewentz weist die Abgeordneten mit diesen Zahlen darauf hin, dass trotz Ausbildung und guter Ausrüstung immer ein Restrisiko bestehen bleibt. Die unterschiedlichen Feuerwehren und Rettungskräfte hätten aber gut zusammengearbeitet, so der Minister. Fraktionsübergreifend sind sich die mehr als ein Dutzend Redner in zwei Dingen einig: Sie zollen den Rettungskräften Respekt und Dank. Außerdem fordern sie, die Unglücksursache aufzuklären. Der Wormser Jens Guth (SPD) gibt als Ziel aus, dass sich so ein Unfall nicht wiederholen dürfe. Er sagt: „Wir sind stolz auf die BASF in Rheinland-Pfalz. Das soll auch so bleiben.“ CDU-Fraktionsvizechef Christian Baldauf betont, dass bei der lückenlosen Aufklärung Gründlichkeit vor Schnelligkeit gehe. Er spricht von der Chemie als Schlüsselbranche und der BASF als Wirtschaftsmotor. Auch er verwendet das Wort „Stolz“ – und zwar mit Blick auf die Standortreue des Konzerns. KOMMENTAR |gana