Rheinpfalz Wenn wahre Liebe hilft, den Irrweg zu erkennen

Tonda (Lena Lodziewski/liegend) ist tot. Krabat (Pauline Heber, Vierter von links) und die übrigen Müllergesellen betrauern den
Tonda (Lena Lodziewski/liegend) ist tot. Krabat (Pauline Heber, Vierter von links) und die übrigen Müllergesellen betrauern den Freund, den der Meister getötet hat.

Leistungen in einem Schulfach werden in der Regel mit Noten bewertet. Leistungen im vertiefenden Wahlpflichtfach Darstellendes Spiel erfahren auch Beurteilungen der ganz anderen Art: Wenn sich das Schuljahr dem Ende nähert, heißt es raus auf die Bühne, dem Publikum zeigen, was erarbeitet wurde und sich dessen kritischem Urteil stellen.

Die Schüler, die sich an der Integrierten Gesamtschule in Waldfischbach-Burgalben für dieses Wahlpflichtfach entschieden haben, zog es auf die Bühne im Bürgerhaus. „Krabat“, nach dem Jugendbuch von Otfried Preußler, stand auf dem Spielplan. „Wir haben uns das ganze Jahr mit dem Stück beschäftigt“, erzählt Selina Skvaridio, die im Stück die Rolle der Kantorka spielt. Kantorka ist die Frau, in die sich der Titelheld, der Waisenjunge Krabat, verliebt, und die ihn durch ihre Liebe befreit – vom Schicksal auf der Mühle des Meisters (Celine Knapp), nicht nur das Müllerhandwerk und schwarze Magie zu erlernen, sondern möglicherweise auch zu sterben. Kreativität, soziale, emotionale Fähigkeiten, Sprachfähigkeit, die Fähigkeit, Texte zu verstehen, auf der Theaterbühne umzusetzen und diese mit Blick auf das reale Leben zu analysieren, Schlüsse daraus zu ziehen: Das sind Ansprüche, die das Fach erhebt. Fähigkeiten, mit denen sich offensichtlich vor allem Mädchen auseinandersetzen, wie der Blick in die Besetzungsliste und auf die Bühne zeigt. Nicht nur Krabat, den Pauline Heber spielt, wird von einer Schauspielerin mit Leben erfüllt, nahezu alle Müllergesellen werden von Mädchen gespielt. Sie müssen sich also in die Denkweise von Jungs einfühlen, ihre Bewegungen übernehmen. Sprech- und Bewegungstraining, Stimmbildung, Konzentrationsübungen waren Bestandteile der Vorbereitung auf den gelungenen Auftritt, dem – einer bekannten Theaterweisheit folgend – eine richtig schlechte Generalprobe vorausgegangen war, wie die Darsteller lachend verrieten. Die Schüler der achten Klasse, die im dritten Schuljahr das Wahlpflichtfach Darstellendes Spiel belegen, hatten sich, unterstützt von Schülern aus der Stufe sieben, für das Stück „Krabat“ entschieden. Es ist ein bisschen so etwas wie ihre Abschlussarbeit, denn nach diesem Schuljahr heißt es neu entscheiden, welches Wahlpflichtfach danach belegt wird. Unter der Regie von Lehrerin Anja Schafnitzel „haben wir uns in diesem Schuljahr intensiv mit Krabat beschäftigt“, erzählt Pauline Heber. Erleichtert sind sie nach dem gelungenen Auftritt und dem lange anhaltenden Applaus. Applaus als wichtiger Lohn für den Schauspieler, das gilt auch beim Darstellenden Spiel in der Schule. „Bevor der Vorhang aufgeht, ist man sehr aufgeregt“, bekennt Pauline. Aber wenn der erste Fuß auf die Bühne gesetzt, das erste Wort gesprochen ist, „dann legt sich das“, bestätigen alle. Dann sind sie in ihrer Rolle, haben das Selbstbewusstsein, vor vielen anderen Menschen aufzutreten. Vor einer Gruppe zu sprechen, sich selbst zu präsentieren „fällt mittlerweile viel leichter“, bestätigen die Darsteller, dass ihr Fach weitere Kompetenzen ausbildet. Passenderweise hatten sie sich für ein Werk eines Jugendbuchautoren entschieden, das auf einer alten sorbischen Sage fußt. „Krabat“ zeigt deutlich, dass, egal wie sich die Welt, die technischen Möglichkeiten, die Gesellschaft verändern, die grundlegenden Fragen des Erwachsenwerdens, die Suche nach so etwas wie Familie und Freunden, die der Mensch zum Leben braucht, unverändert sind. Auf dieser Suche können sich gerade junge Menschen auch mal verirren, sich für Gruppen entscheiden – in diesem Fall die Gruppe der Müllergesellen, die der Meister gut im Griff hat –, die unwissentlich einen falschen Weg eingeschlagen haben. Die Erkenntnis aber kommt, und nach mehreren vergeblichen Versuchen die Rettung – in Form der wahren Liebe, die hilft, den Irrweg zu erkennen und auch, dass der Meister sein Glück und sein Leben vom Gevatter (Nicole Schmidt) dadurch erkauft, dass er jedes Jahr einen Müllergesellen tötet und opfert. Bei Krabat setzt diese Erkenntnis nachhaltig ein, als sein bester Freund unter den Müllergesellen, Tonda (Lena Lodziewski), das Opfer des Meisters wird. Es keimt die Hoffnung, dass ein Ausweg gefunden wird, weil der Meister durchaus zu besiegen ist, wie Pumphutt, der die schwarze Magie vortrefflich beherrscht, in einem Duell beweist. Gemeinschaftsgefühl in der Gruppe der Müllergesellen, Spaß beim Veräppeln anderer Leute – die Szene, als sich ein Müllergeselle mit Hilfe erlernter schwarzer Magie in einen stattlichen Ochsen verwandelt, der einem Händler verkauft wird und sich nach dem Verkauf wieder in einen Gesellen zurückverwandelt – sorgt für viele Lacher in einem Stück, das ansonsten eher die leiseren, zweifelnden Töne spielt und die Darsteller entsprechend fordert. Ein Jahr lang haben sie sich intensiv vorbereitet. „Hat sich gelohnt“, zeigten sich die Zuschauer sehr zufrieden.

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