Rheinpfalz Wenn Haschkekse wirken

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„Love and Peace im Landratsamt“ heißt das neue Stück der Theatergruppe „Bühnenkracher“ vom Karnevalverein Horbach. Die Komödie in drei Akten sprüht vor Wortwitz und Situationskomik, was ebenso wie die Gestik und Mimik der Darsteller zum Lachen anregt; kurzum, sie hat alles, was von einer kurzweiligen Unterhaltung erwartet wird.

Die Spieler übertreffen sich selbst mit Darstellung ihrer Charaktere und schlüpfen völlig in ihre Rollen. Das Stück kommt mit nur einem Bühnenbild aus, das aber ständig anders aussah und mit viel Liebe zum Detail eingerichtet wurde. Es handelt sich um das Sekretariat des Landratsamtes, das die „Bühnenkracher“ kurzerhand nach Horbach verlegten. Die anstehende Wiederwahl des langjährigen und beliebten Landrates Bernhard Oppenau (Dieter Stemler) scheint eine reine Formsache zu sein. Mitten im Wahlkampf holt ihn jedoch seine Vergangenheit ein. Tamara Bloomberg (Manuela Hoehne), eine Hippie-Ikone aus den USA und frühere Freundin des Landrates, platzt mitten in den Wahlkampf. In Begleitung eines Kamerateams bereist sie Europa, um ihre Memoiren zu schreiben und eine Reportage über ihr Leben zu erstellen. Die „Ur-Mutter“ aller Hippies besucht dazu Menschen, die in ihrem Leben eine große Rolle gespielt haben, also auch Bernhard Oppenau, mit dem sie einst einige Monate Ideale und Bett teilte. Tamara, die in den USA Kultstatus genießt, zelebriert immer noch „Flower Power“, was zu manch bizarrer und lustiger Szene führt. Sie stürmt förmlich das Rathaus und stellt mit ihrer unkonventionellen Art das gelassene Leben des Landrats auf den Kopf. Joints verteilend, mit David Bowie telefonierend oder nackt trommelnd im Sitzungszimmer stellt Tamara das Spießbürgertum auf eine harte Probe. Nachdem sie in Bernhards Büro eine Nacht ihr Zelt aufschlug, sah dieser sich genötigt, die wilde „Love and Peace“-Aktivistin für immer aus seinem Amtszimmer zu verweisen. Wozu es aber nicht kam, da sie ihm ihre mitgereiste Tochter Aurora (Sabine Lechner) als die seine ausgab. Ein gefundenes Fressen für die Oppositionsführerin Hilde Brustwickel-Schnödesenf (Rita Bold), die den Journalisten (Timo Treiber) nichts ahnend mit falschen Informationen versorgt, was dazu führte, dass der Landrat kurzzeitig auch schon mal als im Keller ertrunkene Wasserleiche durch die Lokalpresse geistert. Seine Fast-Ex-Frau Bärbel Oppenau (Carmen Stemler) und ihre Tochter Lotte (Jana Hohmann) sind von der Vergangenheit Bernhards nicht gerade begeistert. Alles ändert sich, als sich fast alle Beteiligten von Tamaras Haschkeksen bedienen: Aus der burschikosen Sekretärin Elfriede Stegner (Sarah Hohmann) wird eine liebesbedürftige Frau, während der hektische Wahlkampfmanager Marcel Meisner (Daniel Nauerz) plötzlich lammfromm wird und seine Zuneigung zur Sekretärin entdeckt. Der Bürgermeister von Waldfischbach-Burgalben, Friedbert Rappel (Michael Hoehne), der bis dahin nur Spott und Häme für die verbiesterte Oppositionsführerin (Rita Bold) übrig hatte, findet sich plötzlich nackt trommelnd mit ihr im Sitzungszimmer und entdeckt vorübergehend seine Zuneigung zur dümmlich-naiven Schlager-Diva Gaby Stern (Tanja Kornwischer). In Erinnerung bleiben wird dem Publikum sicher die Szene, in der das Schlagersternchen auf dem Schreibtisch ein Lied derart schrill und falsch sang, dass es vielen noch lange danach in den Ohren geklungen haben dürfte. Unvergessen ist auch die Szene, in der die Darsteller nach dem Genuss der Haschkekse auf der Bühne tanzten. Am Ende brachte Carsten Herzig, der zum ersten Mal auf der Bühne stand, als Wachtmeister Ordnung in das Chaos im Landratsamt.

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