Rheinpfalz „Was ist bei der BASF eigentlich los?“

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Ludwigshafen. Morgen will sich BASF-Vorstands-Chef Kurt Bock erstmals in einer Pressekonferenz zu dem Unglück von vergangener Woche äußern. Zehn Tage hielt es der ranghohe Manager nicht für nötig, sich Fragen der Öffentlichkeit zu stellen – nicht die einzige Kommunikationspanne seit der Explosion.

Um 11.54 Uhr geht am 17. Oktober die erste Pressemeldung der BASF ein. Darin heißt es, dass es im Landeshafen Nord gegen 11.30 Uhr aus bisher ungeklärter Ursache zu einer Explosion mit mehreren Verletzen gekommen sei. Im Laufe des Tages nimmt die Katastrophe Gestalt an: Drei Menschen sterben, über 20 werden – teils schwer – verletzt. Im Internet hat das Unternehmen schnell reagiert. Zumindest in den Sozialen Netzwerken, wie Twitter und Facebook verbreitete die BASF umgehend Meldungen zu dem Unglück. Die Öffentlichkeitsarbeiter des Unternehmens gingen dort zudem professionell auf Fragen ein. Wer sich allerdings auf der Firmen-Homepage (www.basf.de) informieren wollte, konnte nicht so leicht etwas finden. Lange präsentierte sich der Konzern in seinem digitalen Schaufenster so als ob in Ludwigshafen am 17. Oktober nichts Besonderes passiert wäre. Irgendwann erschien dann ein kleiner blauer Kasten. „Unfall im Landeshafen Nord“ stand darauf. Wer ihn anklickt, kommt zur letzten Pressemeldung zu dem Geschehen. Geschlagene vier Tage dauerte es, bis die Homepage angemessen umgestaltet wurde. Seitdem findet sich ein prominent auf der Seite platziertes Wort des Bedauerns von Vorstandschef Bock. Der scheut offenbar die Öffentlichkeit und kritische Nachfragen. In die zwei Pressekonferenzen nach dem Unglück schickte er den Werksleiter Uwe Liebelt und Vorstandskollegin Margret Suckale. Seit der Explosion sind Politiker aller Couleur zur BASF gekommen. Mit vielen von ihnen hat sich Bock unterhalten. Das erfährt die Öffentlichkeit anschließend aus wohlfeilen und mit allen Beteiligten abgestimmten Pressemeldungen. Vergangene Woche traf er sich mit ausgewählten Journalisten zum vertraulichen Hintergrundgespräch. Morgen steht das vierteljährliche Bilanzgespräch an, bei dem die BASF ihre Unternehmenszahlen präsentiert. Dort soll dann auch Bock sprechen. Mit Verlaub: Das ist nicht nur zu spät, die Bilanzpressekonferenz ist schlicht der falsche Ort dafür. Konzernintern wird das öffentlichkeitsscheue Agieren des Spitzenmanns kritisch beäugt. Vermutlich wandte sich Bock deshalb am Freitag per Videobotschaft an die Mitarbeiter. Der kurze Film ist nur über das BASF-interne Netzwerk abrufbar. Die Pressestelle des Konzerns verbreitete danach ausgewählte Passagen aus der Ansprache Bocks. Der RHEINPFALZ liegt mittlerweile der komplette Inhalt vor. Bock sagt in dem Film: „Auch unsere Nachbarn und Medien haben Fragen, Sorgen und Befürchtungen. Sie wollen wissen: Was ist bei der BASF eigentlich los?“ Damit dürfte Bock den Nagel auf den Kopf getroffen haben. Allerdings widerspricht die Kommunikationspolitik des Konzerns derzeit Bocks Äußerungen: Der Chemiekonzern beschäftigt gefühlt ein Heer von Mitarbeitern, deren Arbeit es ist, den Konzern in der Öffentlichkeit in hellem Glanz erstrahlen zu lassen. Die BASF-Sprecher sind durchweg nett, versuchen Fragen zu beantworten und reagieren prompt. Allerdings dürfen sie letztlich nur verkünden, was das Management autorisiert hat. Unsäglich ist der Umgang der BASF mit den Anwohnern. Warum wurden die nach der Explosion nicht wie in der Vergangenheit bei ähnlichen Anlässen per Flugblatt informiert? Es sollte Bock und Co. doch klar sein, dass Anwohner beunruhigt sind, wenn in ihrer Nachbarschaft eine große dunkle Rauchwolke gen Himmel steigt. Ludwigshafens Oberbürgermeisterin Eva Lohse (CDU) hat nach dem Unglück extra vorzeitig eine internationale Konferenz am anderen Ende der Welt verlassen, um vor Ort zu sein. Dass es der Konzernchef gleichzeitig bisher nicht ein einziges Mal geschafft hat, sich den Fragen der Öffentlichkeit zu stellen, ist kein gutes Zeichen. Da darf sich der Konzern nicht wundern, wenn Ludwigshafens Feuerwehrdezernent Dieter Feid (SPD) sagt: „Das Vertrauen zur BASF ist in Teilen erschüttert.“ Dieser Weckruf sollte in der Vorstandsetage des Chemieunternehmens alle Alarmglocken schellen lassen. Die BASF ist der mit Abstand größte Arbeitgeber in der Region. Aus dieser wirtschaftlichen Stärke erwächst eine große Verantwortung. Das Unternehmen wird der normalerweise auch gerecht, engagiert sich vorbildlich sozial und kulturell. Aber das kann nicht alles sein. Bis zum Unglück vergangener Woche kam es im Stammwerk dieses Jahr schon zu 16 außergewöhnlichen Vorfällen. Jedes einzelne Ereignis verunsichert die Öffentlichkeit. Da hilft es wenig, wenn BASF-Vertreter sagen, dass es doch „nur sechs meldepflichtige Vorfälle“ gewesen seien. Für besorgte Anwohner ist jeder Vorfall einer zu viel. Die BASF übt jährlich, wie sie mit solchen Störfällen umgeht. Die Krisensituation wird simuliert, damit die Verantwortlichen im Fall der Fälle wissen, was sie zu tun haben. Das ist sehr gut. Es würde sicher nicht schaden, wenn bei der nächsten Übung der Schwerpunkt auf die interne und externe Kommunikation gelegt wird.

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