Rheinpfalz Warten auf den großen Sprung

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TRIER/MAINZ (jüm). Heuschrecken-Forscher aus dem In- und Ausland haben bei einer Tagung in Trier die „stark veralteten Roten Listen der meisten Bundesländer“ beklagt. Rheinland-Pfalz ist nach einer dort vorgestellten Übersicht sogar Schlusslicht – zumindest was diese Insekten-Ordnung anbelangt. Auf Anfrage erklärte das Mainzer Umweltministerium, dass unter anderem eine Überarbeitung der Roten Liste der Heuschrecken geplant sei.

In Rheinland-Pfalz liegen derzeit nach einer Aufstellung des Landesamtes für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht 15 Rote Listen vor. In solchen Datensammlungen wird der Gefährdungsgrad für bestimmte Artengruppen wie beispielsweise Großpilze und Fische, Säugetiere oder auch Farn- und Blütenpflanzen aufgezeigt. Nach einer Veröffentlichung des Umwelt-Landesamtes stammen neun der 15 Roten Listen aus den 90er Jahren, die Aufstellung der Farn- und Blütenpflanzen datiert sogar aus den 80ern. Bei der vom 18. bis 20. März von der Deutschen Gesellschaft für Orthopterologie – das ist die Heuschreckenkunde – in Trier organisierten Tagung haben die Teilnehmer eine Petition an die Umweltministerien aller deutschen Bundesländer verabschiedet. Darin stellen sie fest, dass Rote Listen generell ein „wichtiges Mess- und Kontrollinstrument für die Bestandsentwicklung von Arten“ darstellen: Sie würden Handlungsbedarf und Erfolge des Naturschutzes ebenso aufzeigen wie Bereiche, in denen noch große Wissensdefizite bestehen. Sie dienen zudem als Grundlage bei der Bewertung von Eingriffen in die Natur und der Ausarbeitung von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen. Das in den Bundesländern über die wichtigsten Artengruppen gesammelte Wissen fließt laut der Petition zudem in übergeordnete Rote Listen (Bund, Europa, weltweit) ein. Auch aus diesem Grund seien sorgfältig erarbeitete Rote Listen der Bundesländer von fundamentaler Bedeutung. Dabei sei aber zu beachten, dass die Tier- und Pflanzenwelt „einem nie dagewesenen Wandel unterliegt“. Zehn Jahre würden daher auch international als angemessener Überarbeitungsturnus gelten, innerhalb dessen Rote Listen aktualisiert werden sollten. Derzeit verfügen nach Darstellung der Petition zum Beispiel nur Bayern, Thüringen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Hamburg jeweils über eine Rote Liste der Heuschrecken, die nicht älter als zehn Jahre sei. Die Datensammlung aus Rheinland-Pfalz stamme dagegen aus dem Jahr 1991. Damit belege dieses Bundesland im deutschlandweiten Vergleich den letzten Platz. Für die Artengruppe der Fang- und Heuschrecken liegen bereits Veröffentlichungen der Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie (Gnor) vor, teilte auf Anfrage das Mainzer Umweltministerium mit. Dieses Buch stelle eine gute Grundlage dar, eine Überarbeitung der Roten Liste Heuschrecken sei bereits geplant. Das vom Ministerium angeführte 680 Seiten umfassende Gnor-Buch „Die Fang- und Heuschrecken in Rheinland-Pfalz“ ist allerdings schon 2011 erschienen. Darin ist sogar eine Rote Liste für diese Artengruppe enthalten, wie Manfred Pfeifer, einer der drei Herausgeber, auf Anfrage erläutert. Doch das Umweltministerium stehe auf dem Standpunkt, dass Rote Listen grundsätzlich auf ehrenamtlicher Basis erstellt werden sollen. Ein Honorar für die jahrelange Arbeit sei folglich nicht drin gewesen, weshalb man sich mit dem Land nicht habe einigen können. Schließlich seien in das Heuschrecken-Buch 55.000 Datensätze eingeflossen, die von mindestens 200 Helfern im ganzen Land zusammengetragen wurden. Damit gibt es nach Pfeifers Worten zwar eine „private“ Rote Liste zu den Heuschrecken, die aber keinen amtlichen Charakter hat. Wer irgendwo eine Straße oder eine Firmenansiedlung plane, bestehe jedoch nicht selten darauf, dass nur Daten aus einer amtlichen Roten Liste verwendet werden. Nach einem Vierteljahrhundert sei aber die amtliche rheinland-pfälzische Liste hoffnungslos überholt. So werde darin das Weinhähnchen noch als „stark gefährdet“ eingestuft. Dabei habe diese wärmeliebende Art in den vergangenen Jahrzehnten vom Klimawandel erheblich profitiert. Umgekehrt gebe es auch Heuschrecken wie den Kleinen Heidegrashüpfer, der seit etwa 20 Jahren im Land nicht mehr gesichtet wurde. Wer sich also bei Bauvorhaben auf die amtliche Rote Liste verlässt, kann damit zu einer falschen Bewertung und damit womöglich zu einer Fehlplanung kommen, meint der Experte. Unabhängig vom Thema Heuschrecken plant das Umweltministerium, die Rote Listen für Säugetiere beziehungsweise für Höhere Pflanzen in diesem Jahr zu aktualisieren: „Wir streben an, die Listen bis Ende des Jahres fertigzustellen“, teilte eine Sprecherin auf Anfrage mit. Info Eine Übersicht über die in Rheinland-Pfalz vorhandenen Roten Listen ist auf der Internetseite des Landesamtes für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht unter der Adresse www.luwg.rlp.de veröffentlicht. Um sie zu finden, muss man in der Suchfunktion auf der Startseite den Begriff „Grundlagendaten“ eingeben. Von dort aus geht es über „Rote Listen“ weiter.

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