Kultur Südpfalz Walsheim: Singen, wie einem der Schnabel gewachsen ist

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Ein Konzert mit viel Heimatgefühl für die Pfalz ist am Sonntag um 19 Uhr im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten 1250 Jahre Walsheim in der protestantischen Kirche zu genießen. Pfälzische Lieder aus den Zeiten vor dem Ersten Weltkrieg bringt das Vokalensemble Patchwork zu Gehör. Es ist eine nostalgische Zeitreise nach dem Motto „Kää schäner Lännel“.

Die Liedtexte waren mitten aus dem Leben gegriffen. Dieses war hart und entbehrungsreich, deswegen suchte man Zerstreuung beim Singen. Große Anerkennung hatten diese Lieder allerdings nicht unbedingt. Sie wurden als „unsaubere Gassenhauer“ oder „unmoralische Lumpenstückchen“ verpönt, manchmal sogar verboten. Dies berichtete auch der Heimatforscher August Becker in seinem Buch „Die Pfalz und die Pfälzer“ (1857), was ihn allerdings dazu bewegte, dies energisch als ungerechtfertigt zurückzuweisen.

Allerdings nahmen Auswandererfamilien, die in die USA, nach Irland oder Südosteuropa gingen, genau dieses Liedgut mit. So kam es, dass Einwanderer Lieder aus der Pfälzer Heimat im Pennsylvania Dutch (Pennsylvania Deitsch) festgehalten haben. Die fand Hermann-Josef Wilbert, ehemaliger Dozent an der Pädagogischen Hochschule in Landau, in den 1970er-Jahren auf seiner Reise durch die USA in der Library of Congress (Kongressbibliothek) in Washington.

Zurück in Deutschland machte sich Wilbert in Kaiserslautern beim Institut für Pfälzische Geschichte und Volkskunde auf Spurensuche. Auch im Volksarchiv in Freiburg wurde er mit seinem Kollegen und Freund Bruno Klemm fündig. Nicht nur aus den USA waren da pfälzische Liedtexte zu finden. Auch gab es in der serbisch-kroatischen Region Batschka, der früheren südosteuropäischen Region Banat oder auch in Irland Hinweise darauf. Über 300.000 Liedtexte, Melodien und Textpassagen haben sie zusammengetragen.

In dem Liedbuch „De Guguck“ und dem musikalischen Schulbuch „Der Distelfink“ schrieb Wilbert 1975 eine Auswahl von 50 Mundartliedern aus der Pfalz und den Siedlungsgebieten pfälzischer Auswanderer nieder. Da sie nun schon wieder in der Versenkung verschwunden sind, ist das Jubiläum für das Ensemble Patchwork eine besondere Gelegenheit, sie noch einmal in Erinnerung zu rufen.

Die vier Sängerinnen und vier Sänger tragen 28 Pfälzer Lieder vor, die Hermann-Josef Wilbert für vierstimmigen Chor gesetzt hat: aus den Sparten „Vom Schätzel“, „Wie geht’s im Ehestand zu“ und „… dann geh ich ins Wirtshaus und sauf“. Das Vokalensemble wurde 2007 von seinem Dirigenten von Matthias Brill gegründet. Inzwischen umfasst das Repertoire 80 Stücke von der Renaissance bis zu zeitgenössischen Werken sowie Arrangements aus Rock, Pop und Pfälzer Liedern. Eine druckfrische CD zum Konzert ist für zehn Euro erhältlich.

Außerdem können Bücher des Heimatdichters Hermann Josef Settelmeyer erworben werden wie „De Parrer Guscht, sei Susi un de Zölibat“. Settelmeyer wird zum Konzert Passagen aus seinen Werken rezitieren.

Veranstalter ist die Pfälzische Musikgesellschaft. Der Eintritt ist frei. Einlasskarten zur Platzreservierung sind in der Vinothek des Walsheimer Weinguts Pfaffmann erhältlich.

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